| 21:03 Uhr

Nationalmannschaft
Zweite Reihe geht am Wörthersee baden

Schuldlos bezwungen: Am starken Rückkehrer Manuel Neuer lag es nicht, dass die Deutschen das Testspiel in Österreich mit 1:2 verloren.
Schuldlos bezwungen: Am starken Rückkehrer Manuel Neuer lag es nicht, dass die Deutschen das Testspiel in Österreich mit 1:2 verloren. FOTO: dpa / Christian Charisius
Eppan. Bundestrainer Joachim Löw bleibt nach dem 1:2 in Österreich gelassen. Wer wird heute gestrichen? Manuel Neuer nicht.

Ohne die Besten geht es nicht – und Manuel Neuer zählt wieder dazu. Diese zentralen Botschaften nahm Joachim Löw am Samstagabend nach dem ernüchternden 1:2 (1:0) gegen die bei der WM fehlenden Österreicher mit in den Aufarbeitungs- und Entscheidungs-Sonntag in Südtirol. Die wichtigste Frage war für den Bundestrainer und seinen Stab im Grunde vor dem abschließenden Gespräch gelöst. Kapitän Neuer trotzte bei seiner Wettkampf-Rückkehr nach acht Monaten allen Widrigkeiten. „Für Manuel war es nach so langer Zeit ein sehr zufriedenstellendes Comeback“, sagte Löw: „Man hat ihm die Pause nicht angemerkt.“

Die zweite zentrale Erkenntnis aus Klagenfurt am Wörthersee lautet: Löw muss die Weltmeister um Thomas Müller, Toni Kroos, Mats Hummels, Jérôme Boateng und Torschütze Mesut Özil in Russland noch einmal auf Top-Niveau hieven, um die WM-Titelverteidigung verwirklichen zu können. Löw sah eine Flut an Fehlern und Ballverlusten. Denn wenn sein Team so spielt wie ohne vier Champions von 2014 in Klagenfurt, „haben wir keine großen Chancen“, räumte er vor dem gestrigen Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Eppan selbst ein.

Von Alarmstimmung vor dem ersten WM-Gruppenspiel am 17. Juni in Moskau gegen Mexiko hält er aber nichts: „Das lässt mich jetzt keine schlaflosen Nächte verbringen. Weil ich weiß: Das kriegen wir hin, keine Sorge.“ Auch vor früheren Turnieren hatten die vorletzten Testspiele meist Zweifel gesät. In zwei Wochen werde sein Team „ganz anders präpariert sein“, versprach Löw.



Die zweite Reihe um Ilkay Gündogan, Sebastian Rudy, Julian Brandt, Leroy Sané oder Leon Goretzka lieferte nach Blitz, Starkregen und Hagel im Wörthersee-Stadion keine Argumente für WM-Vertrauen. „Alle waren von ihren Möglichkeiten weit entfernt“, bemerkte Löw. Zudem wurden Özil, der nach elf Minuten die Führung geschossen hatte, und der schwach spieldene Gündogan nach ihrem umstrittenen Auftritt mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan aus dem deutschen Fanblock mit vereinzelten Pfiffen bedacht.

Die gestern im Trainerteam nochmals diskutierte Entscheidung, welche vier Spieler aus dem noch 27-köpfigen WM-Kader gestrichen werden, ist für Löw wohl nur ein Randaspekt. Weitaus wichtiger ist es für ihn, schnell auf die Fehler aus dem Österreich-Spiel zu reagieren. Denn überzeugende Ersatzkräfte werden auch in Russland gebraucht.

„Wir wissen, dass Thomas, Mats und Jérôme, wenn er dann fit wird, absolute Stützen dieser Mannschaft sind“, sagte Routinier Sami Khedira: „Auch im Turnier können Verletzungen und Sperren auftreten. Darum braucht man gerade so Spieler wie Niklas Süle und Toni Rüdiger.“

Ein weiterer Innenverteidiger wird aller Wahrscheinlichkeit nach zu den vier Akteuren gehören, die heute bis 12 Uhr von Löw im Hotel in sein Trainerzimmer bestellt werden, um ihnen die Nachricht vom WM-Aus zu überbringen. „Ich habe alles gegeben. Ich habe mich gefreut, überhaupt dabei zu sein. Ich habe jeden Moment genossen“, sagte Jonathan Tah und verabschiedete sich damit gedanklich bereits. Gegen Österreich kam der Leverkusener wie Matthias Ginter (Mönchengladbach) und Marvin Plattenhardt (Hertha) nicht zum Einsatz.

Stürmer Nils Petersen gehört trotz seines ersten Länderspiels und Startelf-Einsatzes ebenfalls weiter zu den Streichkandidaten, wie der Freiburger selbst einschätzt. Auch Rudy, Brandt, Ginter oder Goretzka können sich nicht sicher sein. Bei den Torhütern wird es Bernd Leno oder den Saarländer Kevin Trapp treffen.

 DFB-Kapitän Neuer wollte zwar auch nach der sportlich bestandenen Härteprüfung nicht selbst sprechen. Im Team aber gibt es keine Zweifel mehr an seiner Tauglichkeit als WM-Torwart Nummer 1. Auch die misslichen Umstände – Neuer musste wegen der 103-minütigen Spielverschiebung drei Mal bei Hagel und Sturm zum Aufwärmen auf den Platz – verunsicherten ihn nicht.

Neuer rettete im ersten Länderspiel seit anderthalb Jahren in seinen besten Szenen gegen Florian Grillitsch und Marko Arnautovic und zeigte wieder seine Ausnahme-Fähigkeiten. Die Treffer von Martin Hinteregger (53.) und Alessandro Schöpf (69.) konnte er nicht verhindern. „Er hatte auch nach dem Spiel mit seinem Fuß keinerlei Probleme“, sagte Löw. Laut der Bild war gestern auch eine letzte Kontrolluntersuchung des linken Fußes positiv. Neuer habe die „finale Kontrolle“ über den Fuß, aus medizinischer Sicht sei alles bestens.