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Reinheim
Bacchus hätte seine helle Freude gehabt

Begleitet von Kutscher Peter „Lollo“ Wack waren auch die Reinheimer Weinkönigin Johanna I. (links) und ihre Prinzessin Anna I. während der zweiten kulinarischen Weinwanderung in Reinheim unterwegs.
Begleitet von Kutscher Peter „Lollo“ Wack waren auch die Reinheimer Weinkönigin Johanna I. (links) und ihre Prinzessin Anna I. während der zweiten kulinarischen Weinwanderung in Reinheim unterwegs. FOTO: Wolfgang Degott
Reinheim. Fünf kulinarische Stationen, zwölf Kilometer Rundweg, 500 Teilnehmer, 80 Helfer: Die zweite Reinheimer Wanderung war in den Augen von Teilnehmern und Veranstaltern ein voller Erfolg. Von Wolfgang Degott

Frisch gestärkt mit einem Gläschen Crémant und einer Brezel, versorgt mit einem eigens für die Veranstaltung hergestellten umhängbaren Weinglas machten sich am Sonntag rund 500 Teilnehmer am Sportplatz auf die Strecke der zweiten kulinarischen Reinheimer Weinwanderung.

Angesteuert wurde der erste Zwischenstopp, der gemeinsame Stand der Weinbaufreunde und des Obst- und Gartenbauvereins. Vor Jahren hatten die Weinbaufreunde unter der Leitung von Alexander Nagel mit ihrer Pionierarbeit, der Kultivierung alter Rebsorten sowie der Initiative, die alten Rebmauern wieder aufzubauen, praktisch den Grundstock dafür gelegt, dass eine solche Wanderung, die 2017 eine viel beachtete Premiere erlebte, überhaupt stattfinden kann.

Ortsvorsteher Jürgen Wack, amtierender Chef der Arbeitsgemeinschaft, unter deren Dach die Vorbereitungen gelaufen waren, freute sich zum einen über die gute Resonanz und zum anderen darüber, dass sich an den fünf Stationen die rund 80 Helfer der Vereine „richtig viel Mühe“ gegeben haben. So hätte auch Bacchus, der Gott des Weines, seine wahre Freude an der rund zwölf Kilometer langen Rundstrecke gehabt. Dabei konnten die schönen Ausblicke der Bliesgau-Region genossen, die Reblagen hautnah erlebt, der Wein, der dort im letzten Jahr gelesen worden war, gekostet werden. Auch die Reinheimer Weinkönigin Johanna I. war mit ihrer Prinzessin Anna I. unterwegs.



Diesmal wurden sie von Kutscher Peter „Lollo“ Wack und Fahrer Hans-Peter Welsch mit Traktor und Kutsche an die jeweiligen Stellen gefahren, wo sie die Teilnehmer, die aus allen Teilen des Saarlandes, aber auch aus Frankreich und der Westpfalz in den Bliesgau gekommen waren, über die Weinberge an den Südhängen Reinheims, einem mittlerweile offiziellen Weinanbaugebiet, informierten. Nachdem die Pfarrkirche St. Markus und das historische Rebenhäuschen, der historische Rundbau, genannt Trullo, passiert war, ging’s hinauf zum Bannholz, wo die Jägerschaft St. Ingbert-Reinheim in und ums Jagdhaus die Voraussetzungen für die Versorgung der Gäste geschaffen hatten. Gekostet werden konnte dort unter anderem ein Salatteller mit selbst hergestellter Wildschwein-Salami.

Das Weinbauteam betreute den nächsten Stopp im Weinberg des Moselwinzers Ralf Steffen aus Trittenheim. Kredenzt wurde neben dem Reinheimer Sauvignon Blanc auch der Mosel-Grauburgunder aus der berühmten Weinlage „Trittenheimer Altärchen“. Wack kündigte an, nächstes Jahr komme eine neue bis zu 6000 Quadratmeter große Weinanbaufläche dazu, in der die Rebstöcke der Sorte Weißer Burgunder angepflanzt würden. „Damit wird das Weinanbaugebiet in der Biosphärenregion Bliesgau, das derzeit einen Ertrag von rund 2000 Flaschen jährlich erbringt, weiter wachsen“, so Wack, der darauf hinwies, dass als Zeichen der Qualität des Rebsaftes dieser im renommierten Webenheimer Hämmerles Restaurant des Sterne-Kochs Cliff Hämmerle ausgeschenkt wird. Auch freute er sich über den guten Absatz am Weinstand, wo man schon am späten Nachmittag ausverkauft war. Ein Höhepunkt des Tages war die Überquerung der Blies. Dies hatten Helfer des Saarbrücker THW ermöglicht; in 200 Arbeitsstunden hatten sie eine „Notbehelfsbrücke“ über einen idyllisch liegenden Abschnitt des längsten Flusses des Saarlandes gebaut. Zur letzten Station gings auf den sagenumwobenen „Herrschaftssitz“, den mystischen Homerisch auf dem Galgenberg. Dort hatte der Tennis-Club allerlei vorbereitet, darunter auch Lyoner mit Brot und Senf.