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Überlastete US-Gefängnisse
Tod und Gewalt gehören zum Alltag

 Trotz jahrzehntelanger Diskussionen hat sich in den US-Haftanstalten bisher wenig verbessert.
Trotz jahrzehntelanger Diskussionen hat sich in den US-Haftanstalten bisher wenig verbessert. FOTO: dpa / Sean Rayford
Washington/Big Spring. Der Fall Epstein wirft viele Fragen über US-amerikanische Gefängnisse auf. Die Zustände sind dort zum Teil schauerlich. Christiane Jacke dpa

Der Tod von Jeffrey Epstein in einem New Yorker Bundesgefängnis wirft ein Schlaglicht auf die Zustände in US-amerikanischen Haftanstalten. Der Unternehmer, der wegen sexuellen Missbrauchs und Prostitution Minderjähriger angeklagt wurde, soll sich in seiner Zelle umgebracht haben. Was genau passierte, wird noch untersucht.

Nach und nach kommen Details ans Licht, was alles schief lief in dem New Yorker Knast. Unter anderem sollen die Justizbeamten entgegen der Vorschriften stundenlang nicht nach Epstein gesehen und sogar geschlafen haben. Der Fall zeigt jedoch nur einen kleinen Ausschnitt aus einem Gefängnissystem in den USA, das an vielen Stellen krankt.

Paula Chavez hat jeden Tag damit zu tun. Sie arbeitet seit zwölf Jahren in einem Bundesgefängnis in Texas: Mehr als 1300 männliche Häftlinge sind dort untergebracht. Chavez war früher Lehrerin an einer Schule. Nun unterrichtet die 48-Jährige Häftlinge – auch darin, sich nach der Haft wieder in einem normalen Leben einzufinden. Zumindest sei das eigentlich ihr Job, sagt sie.



Chavez klagt, über die Jahre sei die Zahl der Mitarbeiter in ihrem Gefängnis drastisch geschrumpft – mit schwerwiegenden Folgen. Unter den Insassen gebe es viel Gewalt. „Wir sind nicht in der Lage, Häftlinge vor Angriffen zu schützen“, sagt sie. „Wir können auch die Mitarbeiter nicht schützen.“ Die Zahl der Attacken auf Mitarbeiter habe stark zugenommen. Chavez‘ Sohn arbeitet auch in dem Gefängnis. Im vergangenen Jahr wurde er attackiert, als er versuchte, einem Häftling ein Handy abzunehmen. Mehrere Insassen schlugen ihn zusammen, verletzten ihn schwer. Anderen Kollegen sei ähnliches passiert.

Der Frust bei Chavez und ihren Kollegen ist groß. „Wir schaffen es gerade mal, dafür zu sorgen, dass sie nicht abhauen. Aber wir haben keine echte Kontrolle über sie“, sagt sie mit Blick auf die Häftlinge. „Wir versagen.“ Es sei nicht möglich, den Schmuggel von Drogen und Handys oder die Verbreitung von Kinderpornografie zu stoppen. Eigentlich sind Handys für Häftlinge verboten. „Aber wir haben inzwischen mehr Häftlinge mit Handys als ohne“, sagt sie. „Das ist Wahnsinn.“ Es gebe nicht genug Wachleute, um die Zellen zu durchsuchen.

„Wir haben nicht mal genug Personal, um für die Sicherheit der Insassen zu sorgen“, sagt Chavez. Genug Sozialarbeiter für Resozialisierungsprogramme gebe es da erst recht nicht. Bei ihrer Entlassung hätten Häftlinge größeren Frust und mehr Probleme als bei ihrer Ankunft. Echte Wiedereingliederung finde nicht statt. Chavez sagt, jahrelang hätten die Behörden nichts unternommen. Nur langsam ändere sich etwas.

Die zuständige Behörde für die Bundesgefängnisse lässt Nachfragen zu diesen Klagen unbeantwortet. Wegen Epsteins Tod ist sie nun auch mit allerlei Fragen von anderer Stelle konfrontiert: aus dem Justizministerium und aus dem Kongress. Sie wollen Details zum Fall Epstein, aber auch zu den allgemeinen Zuständen in jenem New Yorker Gefängnis, in dem der Multi-Millionär starb. Sein Fall wirft grundsätzliche Fragen zu Missständen in US-amerikanischen Haftanstalten auf.

Nirgendwo auf der Welt sitzen so viele Menschen im Gefängnis wie in den USA. Mehr als 2,1 Millionen Menschen sind in den Vereinigten Staaten inhaftiert. Dem regelmäßigen internationalen Ranking der Universität London nach ist das weltweit Rekord – sowohl in absoluten Zahlen als auch in Relation zur Einwohnerzahl des Landes.

Schon vergleichsweise kleine Straftaten, etwa Drogendelikte, können in den USA zu langer Haft führen. Das Land hat deshalb seit langem mit überfüllten Gefängnissen zu kämpfen. Ende des vergangenen Jahres wurde eine Reform verabschiedet, um mehr Häftlingen in Bundesgefängnissen zur vorzeitigen Entlassung zu verhelfen und ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu verbessern. Doch die machen nur einen Bruchteil der Gefangenen aus.

Dass Menschen in Haft auf unnatürliche Weise ums Leben kommen, ist in Amerika keine Seltenheit. Zwischen 2001 und 2014 wurden nach offiziellen Angaben fast 1000 Insassen in Gefängnissen des Bundes und der US-Staaten getötet, mehr als 3000 nahmen sich dort in diesem Zeitraum selbst das Leben. Aktuellere Zahlen gibt es nicht.