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„Brief aus Afrika“
Kein endgültiger Abschied von Afrika

Gute Stimmung bei einem Ausflug am letzten Kindergartentag.
Gute Stimmung bei einem Ausflug am letzten Kindergartentag. FOTO: Zoe Roos
Bexbach. Ein Jahr „Abenteuer Senegal“ liegt hinter Zoe Roos. Mitte August ist die Bexbacherin von ihrem Freiwilligendienst in Dakar zurück gekehrt. Von Jennifer Klein

Und auch wenn die Eindrücke aus Afrika noch bunt und frisch sind, so sei ihr doch die Eingewöhnung und Umstellung auf die alte, neue Heimat im Saarland leicht gefallen, berichtet die Bexbacherin Zoe Roos, die Mitte August von einem einjährigen Abenteuer auf dem Kontinent, der auch als „Wiege der Menschheit“ bezeichnet wird, zurückgekehrt ist.

„Es war natürlich besonders schön, meine Familie und meine Freunde wieder zu treffen. Auch das viele Grün und die Natur hier hat mir schon gefehlt“, sagt Roos Und sehr bewusst nimmt sie immer noch die Unterschiede im Lebensstandard wahr, „auch wenn man sich natürlich sehr schnell wieder an den deutschen Luxus gewöhnt“, wie sie einräumt, „aber es fällt schon auf, wie viele hier in Deutschland jammern, dabei geht es den Menschen hier doch richtig gut“.

Für Freunde und Bekannte, die sie teils auch mit Spenden in ihrem Freiwilligenjahr unterstützt hatten, gab sie am vergangenen Wochenende ein kleines Fest mit senegalesischem Essen – natürlich selbst gekocht – „und jeder hat erst mal gesagt, wie scharf das ist“, lacht Zoe – sie selbst hat sich mittlerweile daran längst gewöhnt. Die Getränke, Hibiskusblütensaft und Baobab-Saft, hatte sie aus Afrika mitgebracht. Und natürlich wurden Bilder geschaut und viel erzählt.



Roos arbeitete im Senegal im Kindergarten Sekar Wangi, der von dem senegalesischen Künstler Abdoulaye Seck geleitet wird. Seck versucht den 25 bis 30 Kindern – oft Straßenkinder – ein Stück Heimat zu bieten und sie gezielt durch künstlerische und kreative Angebote in ihrer Entwicklung zu fördern. Für Zoe war der Kindergarten-Alltag zuerst mal ganz schön anstrengend: Die Gruppe war laut und lebhaft, es galt mehr als einmal Streit zu schlichten, weinende Kinder zu beruhigen – und sich eben auch jeden Tag aufs Neue der Verantwortung zu stellen. Denn ihr Freiwilligendienst sollte ja auch kein Ego-Trip sein, sondern es galt mit anzupacken und zu helfen. Als die Kinder sie mit der Zeit besser kennenlernten und akzeptierten, gab es viele Momente der Gemeinsamkeit, wo gelacht, gemeinsam gespielt, gesungen und erzählt wurde.

Anfangs hatte sie mit Anpassungsschwierigkeiten an die fremde Kultur zu kämpfen, bis es ihr gelungen sei, sich darauf einzulassen. Im Rückblick habe sie nachhaltig beeindruckt, meint Zoe, dass „ich so gut aufgenommen und in die Kultur, in den Alltag integriert wurde, ich war praktisch ein Familienmitglied. Das war eine tolle Erfahrung“ – und auch ein Stück weit eine Herausforderung, mit der daran geknüpften Erwartungshaltung klar zu kommen. Auch und gerade, weil vieles im Senegal anders ist.

Auch wenn Zoes Gastfamilie und die meisten Menschen, mit denen sie zu tun hatte, insgesamt recht weltoffen und tolerant eingestellt waren, spürte sie doch, wie sehr der Islam den Alltag der Menschen im Senegal bestimmt. Frauen haben hinter dem Mann zu gehen, die Gebetszeiten regeln den Tagesablauf. „Sogar in Dakar breiteten zu den Gebetszeiten die Männer mitten in der Stadt auf der Straße ihre Gebetsteppiche aus, das war ganz normal, dass da alles andere still stand.“ Trotzdem sei sie nie „missioniert“, sondern stets als Christin akzeptiert worden.

Eine besondere Zeit waren für das Fußball verrückte Land die Wochen der Fußball-Weltmeisterschaft, auch wenn die „Löwen von Teranga“, so der Spitzname der senegalesischen Nationalmannschaft, den Sprung ins Achtelfinale nicht schafften. Zwar gab es nicht wie bei uns jede Menge Fußball-Schnickschnack, aber zu den Spielen versammelten sich alle um die Fernseher und fieberten mit. „Jeder dort spielt Fußball“, erzählt Zoe, auch wenn der Vereinsfußball und die Talentförderung nicht in dem Maße professionalisiert ist wie in Europa, „die Jungs treffen sich regelmäßig am Strand und kicken dort“.

Neben vielen spannenden Erlebnissen – so gerieten sie zum Beispiel mit Freunden in Dakar am 4. April völlig ungeplant in die Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag mit Militärparade, Festzug und Musik – hat ihr das Jahr unter anderem auch ein perfektes Französisch eingebracht, im Senegal die Amtssprache. Das möchte sie gerne nutzen, um in Frankreich zu studieren; vorerst ist sie an der Uni Saarbrücken eingeschrieben für Philosophie, Französisch und interkulturelle Kommunikation.

Zum Abschluss ihrer Zeit im Senegal verbrachte Zoe einige Wochen bei Freunden in Gambia, und ein Besuch im nächsten Jahr ist schon geplant. Denn der Abschied von Afrika soll kein endgültiger gewesen sein, soviel steht fest.

Besuch in Gambia: Zoe mit einer Freundin und ihrer „Ersatzmama“ (r.)
Besuch in Gambia: Zoe mit einer Freundin und ihrer „Ersatzmama“ (r.) FOTO: Zoe Roos