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Verschärfte Hausordnung in Zweibrücken
Einigen stinkt das Rauchen im Freibad

Das neue Rauchverbot direkt an den Beckenrändern im Zweibrücker Freibad wird in der Praxis akzeptiert.
Das neue Rauchverbot direkt an den Beckenrändern im Zweibrücker Freibad wird in der Praxis akzeptiert. FOTO: dpa / Julian Stratenschulte (Symbolfoto)
Zweibrücken. Die am Sonntag zu Ende gehende Freibadsaison war der Praxistest für ein paar Neuerungen an der Schließ. Im Prinzip wurden sie gut angenommen. Kinderschützer und der Verein „Pro Rauchfrei“ wundern sich allerdings, warum nur das Shisha-Rauchen komplett im Freibad verboten wurde, Zigaretten in den meisten Bereichen aber erlaubt bleiben. Von Lutz Fröhlich

Die seit dem Saisonbeginn Mitte Mai verschärfte Zweibrücker Freibad-Hausordnung bezüglich Fotografieren und Rauchen wird gut akzeptiert. Das berichtet Stadtsprecher Heinz Braun auf Merkur-Anfrage.

Wer „fremde Personen und Gruppen ohne deren Einwilligung fotografiert“, kann bereits beim ersten Verstoß mit einem „dauerhaften Zutrittsverbot“ bestraft werden. Dieses scharfe Schwert musste aber bislang noch nicht gezückt werden. Es würden zwar „immer wieder mal Fotos gemacht, zum Beispiel wenn Omas das Enkelchen fotografieren wollen“, so Braun. Wenn das Bademeistern auffalle, wiesen diese darauf hin, „dass man darauf achten soll, dass keine anderen Personen mit aufs Bild kommen“. Darauf werde mit Verständnis reagiert. Drei Personen seien gekommen, um die Anlage zu fotografieren, auch sie seien auf die Regeln hingewiesen, dabei keine Personen mit ins Bild zu nehmen.

Neu ist das totale Shisha-Rauchverbot (Wasserpfeifen), die Durchsetzung war bislang problemlos. Fürs Zigarette-Rauchen wurden die Regeln etwas verschärft: Früher war das nur in den Umkleidekabinen verboten, jetzt auch „unmittelbar an den Becken“. Braun berichtet über die bisherige Bilanz: „Das Rauchen ist im Prinzip kein Problem. Außer dass es immer Leute gibt, die das Rauchen im Freibad grundsätzlich verbieten wollen.“



Zu diesen Leuten gehört auch die stellvertretende Vorsitzende des Kinderschutzbunds Zweibrücken. Franziska Linse sagte auf Merkur-Anfrage: „Ich wäre für ein totales Rauchverbot im Freibad oder die Begrenzung auf eine Raucher-Ecke.“ Ihre gehe es vor allem um die Vorbild-Funktion für die vielen Kinder, die das Freibad besuchen.

Auch der Vorsitzende des deutschlandweiten Vereins „Pro Rauchfrei e. V.“, Siegfried Ermer, hält ein Rauchverbot lediglich an den Beckenrändern für zu wenig. „Wir von Pro Rauchfrei fordern ein Rauchverbot im gesamten Freibad, wie für alle Freizeit- und Sportveranstaltungen auch. Wie können uns aber einen separaten Bereich vorstellen, in dem geraucht werden darf. Dieser muss aber so beschaffen sein, dass niemand gegen seinen Willen von Tabakrauch belästigt oder geschädigt wird.“

Pro Rauchfrei verweist auf eine Studie der Stanford-Universität, wonach Tabakrauch etwa bis zu einer Entfernung von zwei Metern noch schädlich sei und zudem die Feinstaubbelastung verstärke. In dieser Pressemitteilung aus dem Jahr 2015 hatte der Nichtraucher-Lobbyverein noch hoffnungsfroh von einzelnen rauchfreien Freibbädern in Deutschland berichtet. Dieser ansatzweise Trend habe sich aber „leider überhaupt nicht“ fortgesetz“, bedauert Ermer: „Die Adressaten sind taub, sofern es um das Rauchen im Freien geht. Dabei ist die Belastung im Freien nicht grundsätzlich geringer, da nicht immer der Rauch seine Bahn am Nichtrauchern oder den Kindern vorbei nimmt.“

In Zweibrücken hat der Chefarzt Dr. Matthias Stopp schon viele Vorträge gehalten, um junge Leute vor den Gefahren des Rauchens zu warnen. Um Kinder vorm Passivrauchen zu schützen, finde er sinnvoll, dass in Freibädern und an anderen Orten, wo viele junge Leute hinkommen, nicht geraucht wird, sagt der Internist auf Merkur-Anfrage. „Ich fordere aber kein Verbot, sondern appelliere an die Vernunft, zum Beispiel im Freibad auf der Liegewiese nicht zu rauchen, wenn Kinder in der Nähe sind.“

Warum ist das Shisha-Rauchen im Zweibrücker Freibad komplett verboten – das gesundheitlich ebenso schädliche Zigarette-Rauchen aber nur in wenigen Bereichen? „Shishas haben einen wesentlich intensiveren Geruch, das verbreitet sich in der Umgebung. Zigaretten-Rauch ist im Freien nicht so belästigend“, antwortet Stadtsprecher Braun.

Und warum ist seit dieser Saison das Rauchen am Beckenrand verboten? „Ganz einfach, damit keine Asche oder Kippen ins Becken oder in die Rinne fallen, was dann die Filter verstopft“, erläutert Braun. In der Nähe stünden deshalb Aschenbecher. Wie wird in der Praxis die Hausordnungs-Formulierung „„unmittelbar an den Becken“ definiert? Braun: „Letztendlich gibt es da einen gewissen Ermessensspielraum.“ Was definitiv nicht gehe, sei, so nah am Becken zu rauchen, „dass die Asche reinfallen kann“. (Im Warmfreibad Contwig steht das Rauchverbot „auf den Beckenumgängen“ schon in der seit 1976 unveränderten Benutzungsordnung.)

Ein komplettes Rauchverbot im Freibad wäre unverhältnismäßig, findet der Zweibrücker Stadtsprecher: „Kinder laufen auch durch die Fußgängerzone, da kann man das Rauchen auch nicht verbieten.“