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Trotz Flaute beim Ausbau
Windräder laufen auf Hochtouren

Hamburg. Windkraftanlagen liefern den meisten Strom in Deutschland. Dennoch werden kaum neue Anlagen gebaut. Wie geht das zusammen? Von Eckart Gienke (dpa)

Die Entwicklung der Windenergie in Deutschland liefert zur Zeit gegensätzliche und widersprüchliche Signale. Zum einen hat die Produktion von Windstrom einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Auf der anderen Seite werden an Land so wenig neue Windräder errichtet wie seit vielen Jahren nicht mehr.

In diesem Jahr (Stand 7. Mai) wurde bislang nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE annähernd die Hälfte des Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Quellen hergestellt, genau 46,8 Prozent. Den größten Anteil unter den verschiedenen Energieträgern lieferte der Windstrom mit 27 Prozent, vor der Braunkohle mit 19,5 Prozent. Am Ostermontag kamen mehr als drei Viertel des Stroms aus erneuerbaren Quellen; der Wind-Anteil an der Gesamtproduktion betrug 40 Prozent. Das war ein neuer Rekordwert.

Anhänger der Energiewende hoffen, dass die erneuerbaren Energien zum Ende des Jahres die 50-Prozent-Marke bei der Stromproduktion knacken. Im vergangenen Jahr lag ihr Anteil bei 40,6 Prozent. Das bezieht sich auf die Nettostromproduktion. Oft wird der Anteil am Brutto­strom­verbrauch angegeben, der um einige Punkte niedriger liegt, zuletzt bei 37,8 Prozent. Im Bruttoverbrauch sind Netzverluste und Eigenverbrauch der Kraftwerke enthalten. Zudem werden Verbrauch und Erzeugung durch Stromimporte und -exporte ausgeglichen.



Gleichzeitig ist der Ausbau der Windenergie an Land fast zum Erliegen gekommen. In den ersten drei Monaten des Jahres gingen lediglich 41 Windräder mit einer Leistung von 134 Megawatt ans Netz, wie die Fachagentur Windenergie an Land mitteilte. Das waren fast 90 Prozent weniger als im gleichen Quartal des Vorjahres. In neun von 16 Bundesländern wurden gar keine neuen Windräder errichtet.

Ursache für den starken Rückgang sind die Ausschreibungen und Zuschläge im Jahr 2017. In dem Jahr gingen mehr als 90 Prozent aller Förderzusagen an Bürger-Windprojekte, die emissionsrechtlich noch nicht genehmigt waren. Viele dieser Windparks, die eine gesetzliche Vorzugsbehandlung gegenüber professionellen Investoren genießen, werden voraussichtlich nicht gebaut. Von den 2688 Megawatt Leistung, die auf diese Weise einen Zuschlag erhielten, hatten bis April erst 167 Megawatt eine Genehmigung, so dass sie überhaupt in Angriff genommen werden können. Von 730 Anlagen, die 2017 einen Zuschlag erhielten, sind erst 35 am Netz. Zudem verzögern nach Angaben der Fachagentur zahlreiche Klagen den Bau von Windrädern und aktuelle Ausschreibungen finden keinen Abnehmer. Am Montag veröffentlichte die Bundesnetzagentur das Ergebnis der jüngsten Ausschreibungsrunde zum 1. Mai: 650 Megawatt waren ausgeschrieben, nur 35 zulässige Gebote mit 270 Megawatt gingen ein und erhielten einen Zuschlag.

Die Flaute beim Ausbau der Windenenergie trifft auf einen absehbaren Verlust von Windrädern in den kommenden Jahren. Viele ältere Windkraftwerke fallen von 2020 an aus der Förderung heraus und sind oft nicht mehr wirtschaftlich. Etwa 14 000 Megawatt, rund ein Viertel der installierten Leistung, stehen bis 2023 auf der Kippe und müssten ersetzt werden.

Das Ziel der Bundesregierung, bis 2030 rund 65 Prozent des Brutto­stromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen zu decken, rückt damit in weitere Ferne. Volker Quaschning von der HTW Berlin meint: „Die Windenergie ist in Deutschland die wichtigste Säule für das Erreichen einer klimaneutralen Energieversorgung und der Pariser Klimaschutzziele, die mit dem jetzigen Zubau zu einer vollkommenen Illusion verkommen.“ Experten fordern von der Politik vermehrte Anstrengungen zum Ausbau der Windenergie. Notwendig seien ein Ausbau um 6,5 Gigawatt pro Jahr netto an Land sowie höhere Ausbauziele auf See.