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Verbraucherrecht
So kommen Reisende bei Zugverspätungen an ihr Geld

Berlin. Fällt eine Bahn aus oder verspätet sich, steht Verbrauchern eine Entschädigung zu. Das kann jedoch oft umständlich sein. dpa

Signalstörungen, Baustellen, Stürme: Züge verspäten sich aus ganz unterschiedlichen Ursachen. Ärgerlich ist es jedoch immer. Kunden können zwar oft eine Entschädigung oder Erstattung fordern. Ab einer Stunde Verspätung am Zielort gibt es in Deutschland zum Beispiel ein Viertel vom Ticketpreis zurück, bei mehr als zwei Stunden sogar die Hälfte. Doch das ist oft umständlich.

Die Entschädigung müssen Kunden beim bahneigenen Servicecenter für Fahrgastrechte beantragen. Dafür gibt es entweder im Zug, am Bahnhof oder online ein Formular zum Ausdrucken. Das wird zusammen mit der Fahrkarte in einem Reisezentrum abgegeben oder per Post eingeschickt. Auf digitalem Weg funktioniert das noch nicht. Laut eigener Aussage will die Deutsche Bahn das zwar auf lange Sicht ändern. Derzeit sei es technisch jedoch zu komplex.

Wer auf den analogen Weg verzichten will, findet Anbieter im Internet, etwa Zug-Erstattung.de. Dort laden Kunden ihr Ticket hoch, das System liest die Daten aus und bereitet den Antrag vor. Der Verbraucher selbst fügt diesem seine Anschrift und Kontoverbindung hinzu. Das Verschicken an die Bahn übernimmt der Anbieter. Das kostet ab dem zweiten Antrag jedoch 0,99 Euro Gebühr. Ähnlich funktioniert der Anbieter Refundrebel.com. Dort können Anträge auf Erstattung bis Ende Januar noch kostenfrei verschickt werden.



Die Webseite Bahn-Buddy.de geht noch weiter. Das Portal prüft anhand des hochgeladenen Tickets die Ansprüche des Kunden und macht ein Angebot für eine Sofort-Auszahlung der Entschädigung. Dafür fällt eine Gebühr an, deren Höhe sich laut des Anbieters an den Erfolgsaussichten des Antrags orientiert. Maximal seien es 20 Prozent der im Raum stehenden Entschädigungssumme, im Schnitt würden zwölf Prozent abgezogen. Steht einem Kunden also theoretisch eine Summe von 50 Euro zu, erhält der Verbraucher bei zwölf Prozent Gebühr noch 44 Euro. Die stehen ihm unabhängig davon zu, ob Bahn-Buddy.de die Summe letztlich auch erfolgreich von der Deutschen Bahn eintreibt.

Ansprüche gegenüber der Bahn lassen sich in den meisten Fällen ohne Probleme durchsetzen, erklärt der Fahrgastverband ProBahn, der zum Verbraucherzentrale Bundesverband gehört. Bei Härtefällen könnten Verbraucher auch die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (söp) um Hilfe bitten.

Laut Bahn spielt der Grund für die Verspätung keine Rolle dabei, ob und wie viel Geld der Kunde im Entschädigungsfall bekommt. Auf höhere Gewalt könne sich der Konzern im Gegensatz zu Fluggesellschaften etwa nicht berufen.