| 20:05 Uhr

Expertentipps
Wie Gemüsereste endlos nachwachsen

 Aus einem Salatstrunk kann mit etwas Geduld wieder eine neue Pflanze wachsen.
Aus einem Salatstrunk kann mit etwas Geduld wieder eine neue Pflanze wachsen. FOTO: dpa-tmn / Plantura GmbH
München. Der Strunk einer Lauchzwiebel oder einer Salatpflanze kann die Basis einer neuen Ernte werden.

Müll zu vermeiden ist immer mehr Verbrauchern wichtig. Doch selbst wer mit dem Ziel einkauft, Lebensmittelabfälle zu vermeiden, schafft dies nicht vollständig. Das liegt an der Natur der Sache: Der Strunk vieler Gemüsesorten zum Beispiel bleibt nun mal beim Zubereiten übrig. Aber aus diesen Küchenresten lässt sich die Pflanze wieder zum Leben erwecken. Die Pflanzenexpertin und Buchautorin Melissa Raupach aus München hat gemeinsam mit dem Journalisten Felix Lill zu diesem Thema ein Buch mit dem Titel „Regrow your veggies“ geschrieben.

Was ist Regrowing?

Melissa Raupach: Regrowing heißt Nachwachsen lassen. Also etwas Bestehendem, etwa einem Salatstrunk, der im Müll landen würde, neues Leben zu schenken. Das Zauberwort dafür ist aber die vegetative Vermehrung.



Wieso gelingt diese Vermehrung?

Melissa Raupach: Pflanzenzellen sind in gewissem Maße in der Lage, ihre eigentliche Aufgabe zu vergessen und sich in junge, teilungsfähige Zellstrukturen zurückzuentwickeln. Dieser Prozess wird Dedifferenzierung genannt. Die daraus entstehenden Zellen können sich theoretisch in jede andere Art von Zelle verwandeln. So ist es möglich, dass ein Basilikum-Steckling am eigentlichen Spross neue Wurzeln entwickelt und sich eine neue Basilikumpflanze bildet. Was viele daran spannend finden, ist, dass diese Pflanze ein Klon ist und somit über das gleiche genetische Material wie die Mutterpflanze verfügt.

Mit welchem Gemüse klappt das am besten?

Melissa Raupach: Wirklich gut und vor allem relativ fix klappt es mit Lauchzwiebeln. Das würde ich für Anfänger empfehlen oder wenn man mit Kindern das Regrowing ausprobieren möchte. Da ist die Erfolgsgarantie am höchsten und es dauert nicht lange, bis etwas Neues wächst. Lauch und Romana-Salat sind weitere Pflanzen, die man prima als Einsteigermodell ausprobieren kann.

Wie vermehre ich die Lauchzwiebel?

Melissa Raupach: Nach dem Schneiden der Lauchzwiebel gibt man in der Regel den letzten Rest mit den Wurzeln in den Müll. Beim Regrowing schneidet man den Strunk etwas großzügiger ab, er sollte mindestens fünf Zentimeter lang sein. Ich setze ihn nun in ein Glas mit Wasser, das ich regelmäßig wechsle. Sonst riecht es schnell unangenehm und man bekommt ein Fäulnisproblem. Nach einigen Tagen ist oft schon zu sehen, dass der Strunk anfängt, neu auszutreiben. Nun setzt man ihn in einen Topf mit Pflanzenerde, gießt regelmäßig und gibt ihm einen hellen Standort. Und dann kann man dem Lauch förmlich dabei zusehen, wie er neu sprießt und wächst.

Klappt das nur mit Pflanzen, die bei uns im Garten wachsen, oder auch mit den Exoten?

Melissa Raupach: Man kann das auch mit den exotischeren Pflanzen machen, zum Beispiel mit der Ananas. Auch da nimmt man den Strunk, der normalerweise im Müll landen würde, und gibt ihm erst mal so lange in Wasser, bis er wurzelt. Dann einpflanzen. Aber um Früchte zu ziehen, muss man sehr geduldig sein und optimale Standortbedingungen bieten können, also zum Beispiel einen Wintergarten, wo es das ganze Jahr über konstant warm ist. Dort kann es klappen. Aber letztlich ist das Tolle am Regrowing, dass man auf diesem Weg auch einfach eine schicke Zimmerpflanze gewinnen kann. So kann etwas, das ansonsten im Müll gelandet wäre, die eigene Wohnung verschönern oder zu einem Geschenk werden.

(dpa)