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Automobilzulieferer
Scharfe Kritik an geplantem Jobabbau bei NHG

Noch vor wenigen Tagen demonstrierten zahlreiche Mitarbeiter von Neue Halberg Guss in Saarbrücken für den Erhalt ihrer Arbeitplätze. Jetzt sollen nach einem Beschluss der Geschäftsführung 400 von ihnen vorzeitig gehen.
Noch vor wenigen Tagen demonstrierten zahlreiche Mitarbeiter von Neue Halberg Guss in Saarbrücken für den Erhalt ihrer Arbeitplätze. Jetzt sollen nach einem Beschluss der Geschäftsführung 400 von ihnen vorzeitig gehen. FOTO: dpa / Oliver Dietze
Saarbrücken/Frankfurt. Die IG Metall schäumt. Die NHG-Pläne, das Werk in Leipzig früher zu schließen und 400 Jobs in Saarbrücken abzubauen, seien nicht umsetzbar. Von Lothar Warscheid

Mit „äußert scharfer Kritik“ hat die Gewerkschaft IG Metall auf die Ankündigung der Geschäftsführung des Autozulieferers Neue Halberg Guss (NHG) reagiert, den Standort Leipzig schon Ende März zu schließen und bis dahin im Werk Saarbrücken rund 400 Arbeitsplätze abzubauen. Gestern wurden diese Zahlen von der NHG-Geschäftsführung offiziell bestätigt. Sie begründet diese Schritte damit, dass sich nach dem sechswöchigen Streik bei der NHG „die Auslastung beider Werke nach Wiederanlaufen der Produktion deutlich verschlechtert“ habe. Nahezu alle Kunden hätten angekündigt, schon kurzfristig weniger Aufträge bei der NHG zu platzieren, als noch im Mai erwartet worden war. „Als Folge dürfte sich die Produktion nach heutigem Erkenntnisstand bis Mitte kommenden Jahres mehr als halbieren. Daher ist nun ein forcierter Kapazitäts- und Stellenabbau unumgänglich“, so die NHG-Chefs.

Nach Auffassung des Leiters des IG-Metall-Bezirks Mitte, Jörg Köhlinger, hat „die erneute Verschärfung der Situation ihre Ursache im unverantwortlichen Verhalten der Geschäftsführung.“ Das dokumentiere sich auch in dem einseitig erklärten Scheitern der Schlichtung durch das Management. Es sei die IG Metall gewesen, „die durch eine Unterbrechung des Streiks und Einschalten eines Schlichters versucht hat, konstruktive Lösungen zu finden“. Köhlinger machte zudem deutlich, dass „Entscheidungen über Stilllegungen und Massenentlassungen nicht Sache der Geschäftsführung sind“. „Diese unterliegen der Mitbestimmung der Arbeitnehmer-Vertreter.“ Der zweite Bevollmächtigte der IG-Metall-Verwaltungsstelle Saarbrücken, Patrick Selzer, wirft der NHG-Geschäftsführung vor, dass sie bisher „keine verlässliche Datenbasis geliefert hat“, wie sich Auftragslage und Produktion in den vergangenen Wochen und in der Zeit davor entwickelt habe. „Bis heute konnte niemand eine verlässliche Tonnenzahl nennen, was an Motorblöcken und Zylinderköpfen gefertigt wurde oder was an Produkten das Werk verließ“, kritisiert Selzer. „Wir haben bis dato keinen vernünftigen Produktionsplan gesehen – von Lieferverträgen ganz zu schweigen“, sagt er. „Die schreiben irgendetwas auf einen Zettel, und das sollen wir dann glauben.“ Betriebsdaten müssten auf den Tisch, bevor über Massenentlassungen geredet werde.

Die NHG-Geschäftsführung wirft der IG Metall zudem vor, dass die Suche nach einem Investor und neuem Eigentümer bislang am Umsetzungswillen der Gewerkschaft und von Kunden gescheitert sei. Der erste Investor, der vom Saar-Wirtschaftsministerium ins Gespräch gebracht worden sei, habe von keiner Seite die notwendige Unterstützung erhalten und sich dann zurückgezogen. Derzeit gebe es formal noch einen Interessenten für NHG. Dieser habe jedoch bis heute kein Angebot vorgelegt.



Der Zulieferer von gegossenen Motorblöcken, Antriebswellen und Zylinderköpfen gehört seit Mitte Januar zur bosnisch-deutschen Prevent-Gruppe der Familie Hastor. In Leipzig gibt es etwa 700 Beschäftigte, in Saarbrücken rund 1500 Jobs.

Prevent streitet sich seit Jahren unter anderem mit dem VW-Konzern erbittert um Lieferkonditionen. Im April begann das Drama bei Neue Halberg Guss mit Unterbrechungen von Lieferungen an VW, ähnlich wie 2016, als Prevent-Töchter mit Lieferstopps Bänder in Werken des Wolfsburger Autokonzern stilllegten. Für NHG-Produkte wurden erhebliche Preiserhöhungen durchgesetzt. Auch mit dem Stuttgarter Autobauer Daimler hat Prevent schon mehrfach über Kreuz gelegen, weil der Zulieferer die Preise für Autoteile ebenfalls erhöht hatte.