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Landespolitik
Wen schickt die CDU 2021 gegen Dreyer ins Rennen?

Mainz. Christian Baldauf gilt bislang als Favorit. Doch sagen Experten, der Pfälzer müsse mehr Impulse setzen. Von Florian Schlecht

Geht es nach Parteienforscher Uwe Jun, muss die Landes-CDU in der nebulösen Frage um die Spitzenkandidatur langsam Gas geben, um bei der Landtagswahl 2021 aussichtsreiche Chancen zu haben. „Es wird für die CDU schwer, die Wahl gegen die SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer zu gewinnen. Aus meiner Sicht drängt sich bislang niemand als Spitzenkandidat auf“, sagt Jun. Die Union in Rheinland-Pfalz habe an Aufmerksamkeit verloren, seit Landeschefin Julia Klöckner als Bundesagrarministerin nach Berlin gewechselt sei.

Christian Baldauf, der die CDU-Fraktion im Mainzer Landtag seit genau einem Jahr führt, agiere bislang „eher unauffällig und könnte mehr Impulse setzen, um außerhalb des Landtags wahrgenommen zu werden“, sagt Jun. Trotzdem gilt der Pfälzer in CDU-Kreisen bislang als Favorit, der Malu Dreyer herausfordern könnte.

Die eigenen Reihen loben den kollegialen Führungsstil von Baldauf, der beim vergangenen Landesparteitag als Vize mit 92 Prozent ein starkes Ergebnis einfuhr.



Oder wagt sich Landeschefin Julia Klöckner erneut aus der Deckung? Dementiert hat sie den Schritt nicht, den Jun sich nur schwer vorstellen kann. „Es ist wahrscheinlicher, dass Julia Klöckner im Bund weiter Karriere macht. Sie würde mit einer Spitzenkandidatur ein hohes Risiko eingehen, nachdem sie den Wahlsieg in zwei Anläufen nicht geschafft hat. Das wäre ein nur schwer nachvollziehbarer Schritt“, sagt er.

Klöckner irritierte jüngst jedoch Teile der Partei mit einem Vorstoß, bei genügend Kandidaten im Land wie im Bund mit Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn Regionalkonferenzen zu veranstalten.

Eine solche Bühne könnte als Kandidat auch Marlon Bröhr, den Landrat vom Rhein-Hunsrück-Kreis, ins Spiel bringen. Der 44-Jährige gilt als schlagfertig, rebellisch, unkonventionell. Doch nur wenige in der CDU erwarten Bröhr schon 2021 an der Parteispitze, da er es intern an der nötigen Netzwerkarbeit vermissen lasse, sagen kritische Stimmen. Jens Münster, Landeschef der Jungen Union, fordert, dass der Spitzenkandidat im Frühjahr 2020 feststeht.

Christian Baldauf schweigt zu der Frage, wer für die CDU antreten soll. „Das ist jetzt kein Thema“, sagt der Pfälzer unserer Zeitung. Zuerst gehe es um die Kommunalwahl am 26. Mai. Bei der Landtagswahl wolle die CDU dann die stärkste Fraktion stellen. Malu Dreyer führe eine Regierung, die keine Impulse setze und der es an einer Vision für das Jahr 2030 fehle. Das Kita-Gesetz habe das Land in den Sand gesetzt, Kommunen und Universitäten lasse es im Stich. Baldauf sieht als Erfolge nach dem ersten Jahr unter anderem das Vorpreschen für einen Hochwasser-Fonds, einen Opferschutzbeauftragten und die Forderung, kommunale Straßenausbaubeiträge abzuschaffen.

Mit harschen Worten kanzelt dagegen SPD-Landesgeneralsekretär Daniel Stich den 51-Jährigen ab: „Seine Partei-Chefin Julia Klöckner lässt ihm kaum mehr Beinfreiheit als den Tieren, denen sie im Rahmen ihres Tierwohllabels jetzt großzügige 0,9 Quadratmeter mehr zugesteht. Ich frage mich: Was soll diese Baldauf-Verhinderungsstrategie?“, sagt Stich.