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Zweibrücker Unternehmen streichen Stellen

Zweibrücken. Die Zweibrücker Unternehmen Terex-Demag und John Deere bauen im Zuge der Wirtschaftskrise Personal ab. Das erklärte gestern Werner Cappel (Foto: pm), Erster Bevollmächtiger der IG Homburg-Saarpfalz und zuständig für Zweibrücken, auf Anfrage des Pfälzischen Merkur. "Bei John Deere sollen 90 Mitarbeiter entlassen werden, bei Terex 40 Von Merkur-Redakteur Mathias Schneck

Zweibrücken. Die Zweibrücker Unternehmen Terex-Demag und John Deere bauen im Zuge der Wirtschaftskrise Personal ab. Das erklärte gestern Werner Cappel (Foto: pm), Erster Bevollmächtiger der IG Homburg-Saarpfalz und zuständig für Zweibrücken, auf Anfrage des Pfälzischen Merkur. "Bei John Deere sollen 90 Mitarbeiter entlassen werden, bei Terex 40. Bei Pallmann wird noch über den Umfang der zu streichenden Stellen diskutiert", erklärte er. Bei den betroffenen Mitarbeitern handelt es sich um Leiharbeiter und Personen, deren befristeter Arbeitsvertrag ausläuft und nicht verlängert wird. Cappel kritisierte das Instrument der Leiharbeit erneut scharf. "Die Leiharbeit wurde uns als großes Jobwunder gepriesen. Nun, in der Krise, lässt man die betroffenen Mitarbeiter wie eine heiße Kartoffel fallen." Die Betriebsratsvorsitzenden der drei genannten Zweibrücker Unternehmen Willi Stauch (John Deere), Eduard Glass (Terex) und Klaus Patsch (Pallmann) bestätigten Cappels Angaben. Stauch sagte: "Zum 31. März verlassen 50 Mitarbeiter John Deere. Ferner laufen 40 befristete Verträge, die nicht mehr verlängert werden, aus." Nach dem zwangsweisen Ausscheiden der 50 Leiharbeiter seien im John-Deere-Werk in Zweibrücken dann noch 15 Leiharbeiter beschäftigt. Für Stauch immer noch zu viel. "Wir vom Betriebsrat würden uns wünschen, dass die Leiharbeiter eine unbefristete Stelle bekommen." Glass, Betriebsratsvorsitzender bei Terex, bedauerte, dass 40 Leiharbeiter bei dem Kranbauer nun ihren Hut nehmen müssen. Das Unternehmen habe derzeit rund 500 Leiharbeiter beschäftigt, die meisten davon in den Standorten Dinglerstraße und Bierbach. Glass sagte, der Betriebsrat setze sich für das Insourcing ein, also dafür, dass von Terex ausgelagerte Dienstleistungen wieder zurück ins Unternehmen geholt werden. Glass hofft, dass so die Beschäftigtenzahl weitestgehend gesichert werden kann. Auch Glass sagte, es sei ganz wichtig, dafür zu kämpfen, dass die Leiharbeiter "stabile Arbeitsverhältnisse" bekommen. Klaus Patsch, Betriebsratsvorsitzender von Pallmann sagte, in seinem Unternehmen werde derzeit darüber verhandelt, in welchem Umfang befristete Verträge von Arbeitnehmern nicht mehr verlängert würden. Die genaue Zahl stehe noch nicht fest. Meinung

Es trifft die Schwächsten



Von Merkur-Redakteur Mathias Schneck Werner Cappel, Chef der IG-Metall für unsere Region, hat Recht, mit dem einst als "Jobwunder" gepriesenen Instrument der Leiharbeit hart ins Gericht zu gehen. Die Leiharbeiter sind das schwächste Glied in der Beschäftigten-Kette. Ihre Zukunft ist stets eine ungewisse. Läuft es in den Betrieben nicht mehr rund, können sie schnurstracks ihren Hut nehmen. Wie soll man sich da eine vernünftige Existenz aufbauen? Eine Familie gründen, Kinder in die Welt setzen, wie es unsere Familienministerin so innig herbeisehnt, fleißig konsumieren? Die Antwort lautet: gar nicht. Wer heute nicht weiß, wie er morgen sein Brot verdient, lebt auf Sparflamme, scheut Verpflichtungen und Investitionen. Nur das Nötigste ist machbar. Je mehr "Jobwunder-Leiharbeiter" es gibt, desto stärker leidet die Binnennachfrage. Die Politik weiß um diese Zusammenhänge, wie sich an der flugs ins Leben gerufenen Abwrackprämie zeigt. Das ist eines der bitteren Fazite: Die Autoindustrie hat eine starke Lobby in Berlin. Die Leiharbeiter haben sie nicht.