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Flughafen Hahn
„Zufrieden mit dem, was wir geschafft haben“

 An der Privatisierung des Flughafen Frankfurt-Hahn schieden sich die Geister. Ein Jahr später zieht die Landesregierung aber positive Bilanz.
 An der Privatisierung des Flughafen Frankfurt-Hahn schieden sich die Geister. Ein Jahr später zieht die Landesregierung aber positive Bilanz. FOTO: dpa / Fredrik von Erichsen
Hahn. Lange hat der abgelegene Airport Hahn die Politik in Rheinland-Pfalz in Atem gehalten. Wie ist die Lage ein Jahr nach der Privatisierung?

Ein Jahr nach dem Verkauf des Mammutanteils des früher staatlichen Hunsrück-Flughafens Hahn hat die rheinland-pfälzische Landesregierung eine positive Bilanz gezogen. „Für uns war immer wichtig, dass der Flughafen eine wirtschaftliche Zukunft hat“, sagte Innenstaatssekretär Randolf Stich (SPD) gestern der Deutschen Presse-Agentur. Der Frachtverkehr habe sich positiv entwickelt. „Das ist eine Entwicklung, die dem entspricht, was die HNA im Rahmen ihrer Businessplanung angekündigt hat und was eigentlich erforderlich ist, den Flughafen in einen profitablen Bereich zu bringen.“ HNA habe das Potenzial, den Flughafen zu betreiben. 82,5 Prozent des bislang defizitären Airports gehören dem chinesischen Mischkonzern, 17,5 Prozent dem Land Hessen.

Der Flughafenverband ADV listet für Januar bis Mai bei der Fracht ein Plus von rund 88 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf. Die Zahl der Passagiere sank dagegen um rund zehn Prozent. Vor genau einem Jahr war der Verkauf des Mammutanteils des Flughafens, den Rheinland-Pfalz hielt, an eine HNA-Tochter vollzogen geworden.

Rheinland-Pfalz gibt weiter Beihilfen, zum Beispiel für den Betrieb. „Die Beihilfen sind noch nicht ausgezahlt“, sagte der Staatssekretär. Sie würden noch beantragt. Der erste Anlauf für einen Verkauf war 2016 gescheitert. Der damalige Käufer, die Shanghai Yiqian Trading, war nach Ansicht der Landesregierung ein Betrüger.



Auch Christoph Goetzmann, Mitglied der Hahn-Geschäftsführung, zog eine positive Zwischenbilanz: „Wir sind zufrieden mit dem, was wir geschafft haben.„ Das Plus beim Frachtumschlag liege „deutlich über der Branchenentwicklung“.

Zum zuletzt rückläufigen Passagiergeschäft sagte er einen Tag vor einem auch für den Hahn angekündigten Pilotenstreik der Fluggesellschaft Ryanair: „Das lässt sich grundsätzlich nicht so zügig entwickeln wie die Fracht.“ Dennoch erwarte der Airport auch im Passagiergeschäft wieder ein Plus. Für 2019 hatte der Flughafen regelmäßige Passagierflüge nach China angekündigt.

Zu früheren Aussagen von Lufthansa-Chef Carsten Spohr, nicht nur Airlines, sondern auch manche Flughäfen stießen an ihre Wachstumsgrenzen, bemerkte Goetzmann: „Wir laden alle ein, gerne auch die Lufthansa, bei uns einen Flughafen nahezu ohne Verspätungen kennenzulernen. Das Potenzial haben wir.“ Der Hahn ist deutlich kleiner als der rund 120 Kilometer entfernte Airport Frankfurt und verfügt im Gegensatz zu diesem über eine Nachtfluggenehmigung. Ryanair startet auf beiden Flughäfen, Lufthansa nur in Frankfurt.

Mit Blick auf den hessischen Anteil am Airport Hahn sagte der Sprecher des Finanzministeriums in Wiesbaden, Moritz Josten: „Wir sind grundsätzlich weiter bereit, ihn zu verkaufen.“ Allerdings gehe dabei Gründlichkeit vor Schnelligkeit, ergänzte er mit Blick auf einen früheren gescheiterten Verkaufsversuch an eine Firma. „Wir haben kein strategisches Interesse an unserem Anteil.“