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Neue Strategie geplant
Ziel: Tourismus erkennbarer machen

Rheinland-Pfalz bietet für Touristen viele spannende Ziele. Hier klettert eine Touristin an den Felsen des „Erdener Treppchens“ eine Leiter hinauf.
Rheinland-Pfalz bietet für Touristen viele spannende Ziele. Hier klettert eine Touristin an den Felsen des „Erdener Treppchens“ eine Leiter hinauf. FOTO: Harald Tittel / dpa
Mainz. Wandern, Wein und Weltgeschichte: Rheinland-Pfalz hat viel zu bieten, hinkt aber trotz steigender Gästezahlen beim Tourismus anderen Ländern hinterher. Die Landesregierung will das Profil schärfen.

Die rheinland-pfälzische Landesregierung will mehr Besucher an Rhein und Mosel locken und das touristische Profil des Landes schärfen. „Das Land hat Besonderheiten, die Stärke und Schwäche zugleich sind. Kein anderes Bundesland hat solch einen Strauß an Vielfalt“, sagte Wirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) der Deutschen Presse-Agentur. „Das Ziel ist, die Vielfalt zu erhalten, aber erkennbarer zu sein.“ Mit einer einheitlichen und klaren Kommunikationsstrategie könne Rheinland-Pfalz noch mehr Besucher anziehen.

Die Zahl der Touristen wuchs in Rheinland-Pfalz 2017 im fünften Jahr in Folge, allerdings stiegen die Übernachtungszahlen nicht so stark. Im Vergleich mit anderen Ländern liegt Rheinland-Pfalz eher hinten: Beim Wachstum kam das Land zwischen 2005 und 2016 mit rund 21 Prozent auf den letzten Platz nach Thüringen – im Schnitt war das Plus deutschlandweit doppelt so hoch.

„Fest steht: Die Übernachtungszahlen steigen und wir waren im vergangenen Jahr auf einem Rekordniveau“, sagte Wissing. „Andere Länder konnten aber noch stärker vom Tourismusboom profitieren, weil sich die Steigerung der Übernachtungszahlen vor allem im Städtetourismus widerspiegelt. Unsere Aufgabe ist, am Wachstum der Tourismusbranche teilzuhaben.“



Rheinland-Pfalz erarbeitet derzeit eine neue Tourismusstrategie. Um besser erkennbar zu sein, soll nach Angaben des Ministers die Suche nach Gemeinsamkeiten der Regionen im Land helfen. „Themen könnten Naturerlebnis oder Gesundheit sein“, sagte Wissing. „Wir wollen das auch stärker mit Weinmarketing verbinden. Die Konkurrenz im Bereich Städtetourismus werden wir aber nicht aufnehmen können.“

Mehr Geld für die Marketingorganisation Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH ist nach Ansicht des Ministers nicht die Lösung: „Zu glauben, wenn man mehr Geld auf den Tisch legt, kommen mehr Gäste – die Rechnung ist zu einfach.“ Die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH bekam im vergangenen Jahr 2,87 Millionen Euro Zuschüsse aus Landesmitteln. Im Jahr 2010 waren es noch weit über drei Millionen Euro.

Die CDU-Landtagsfraktion verlangte mehr Unterstützung vom Land für den Tourismus. „Unser Land liegt beim Wachstum seit Jahren hinter den meisten anderen Bundesländern“, kritisierte CDU-Fraktionsvize Alexander Licht. „Gerade die Entwicklung im Tourismusgeschäft hat aber sehr viel mit der dazugehörigen Infrastruktur, dem öffentlichen Angebot an Kultur und Ähnlichem zu tun.“ Dafür trage die Landesregierung die Verantwortung. Der Wirtschaftsminister sieht Bayern als mögliche Orientierung – denn Bayern ruft beim Tourismus nach seiner Einschätzung einheitliche Vorstellungen hervor. „Wir werden sicher nicht das Tourismusland von Weißwurst und Bier sein, aber es ist der richtige Weg, das Profil des rheinland-pfälzischen Tourismus zu schärfen“, sagte Wissing. Nötig seien auch mehr Hotelbetten in der Saison. Außerdem fehlten Fachkräfte in der Hotellerie und Gastronomie. Seit kurzem gibt es vom Land geförderte Coaches für die Ausbildung in der Branche.

(dpa)