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Arbeitsmarkt im Großherzogtum
Immer mehr Deutsche pendeln nach Luxemburg

 (Symbolfoto)
(Symbolfoto) FOTO: dpa / Sebastian Gollnow
Luxemburg. Mittlerweile kommt fast die Hälfte der Arbeitnehmer im Großherzogtum aus dem Ausland. Ihre Zahl wächst stetig weiter. Von Hélène Maillasson

Immer mehr Menschen finden in Luxemburg einen Job. In den vergangenen 25 Jahren ist die Zahl der Beschäftigten im Großherzogtum von 190 000 auf 440 000 gestiegen. Einen großen Anteil an dieser Entwicklung im luxemburgischen Arbeitsmarkt haben die Grenzgänger. Denn während sich die Zahl der Arbeitnehmer (Selbstständige ausgeschlossen) in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt hat, hat sich die der Pendler vervierfacht. Laut dem jüngsten Bericht des öffentlichen Forschungsinstituts Liser bildeten die Grenzgänger 2019 46 Prozent aller Arbeitnehmer – gegen gerade mal 26 Prozent im Jahre 1994.

„Die Tatsache, dass der luxemburgische Arbeitsmarkt nicht wesentlich aus den eigenen Bewohnern besteht, stellt in Europa eine Ausnahme dar“, steht im Bericht. Diese Dynamik startete Ende der 1980er Jahre, als Luxemburg verstärkt um ausländische Arbeitskräfte warb. Ab 1994 stieg die Anzahl der Grenzgänger stetig. Erst die Wirtschaftskrise 2008 bremste den Anstieg. Zwischen 2008 und 2015 wuchs die Zahl der Pendler jährlich lediglich um durchschnittlich 1,5 Prozent. In den vergangenen vier Jahren ging die Zahl wieder nach oben, zwischen 2018 und 2019 nahm die Gemeinschaft der Pendler Richtung Luxemburg um fünf Prozent zu.

Rund die Hälfte dieser Grenzgänger (51 Prozent im Jahre 2019) kommen aus Frankreich, aus den unmittelbaren Départements Moselle und Meurthe-et-Moselle. Doch auch die Zahl der Menschen mit Wohnsitz in Deutschland und Arbeitsstelle in Luxemburg kennt eine rasante Entwicklung. Diese Gruppe ist sogar am meisten gewachsen. Von knapp 10 000 auf rund 50 000 hat sich sie zwischen 1994 und 2019 verfünffacht. Jeder vierte Pendler Richtung Luxemburg kommt heute aus Rheinland-Pfalz oder aus dem Saarland.



Dabei lassen sich branchenspezifische Unterschiede feststellen. Das zeigt der jüngste Bericht der Interregionalen Arbeitsmarktbeobachtungsstelle (IBA) mit Sitz in Saarbrücken. Darin analysiert sie den Anteil der Grenzgänger in den verschiedenen Sektoren. Während die meisten Franzosen im Handel oder in der Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen tätig sind, ist die beschäftigungsstärkste Branche für die deutschen Pendler das Baugewerbe. 2017 waren 17 Prozent von ihnen in diesem Bereich beschäftigt. „Dabei spielt die starke wirtschaftliche Entwicklung Luxemburgs eine große Rolle. Diese hat einen direkten Einfluss auf die Aktivitäten im Baugewerbe, wie zum Beispiel den Bau von Immobilien und Bürokomplexen, und die immer steigenden Einwohner- und Pendlerzahlen. Die zunehmende Zahl der Grenzgänger wiederum erfordert neue Investitionen für eine bessere Mobilität, zum Beispiel im Straßenbau oder bei der Tram“, erklärt IBA-Koordinatorin Marie Feunteun-Schmidt.

Auf dem zweiten Platz liegt bei den deutschen Pendlern die Finanz- und Versicherungsbranche (14 Prozent). Und so bleiben die Aussichten auf noch mehr Grenzgänger aus Deutschland gut. Ein Blick auf die Stellen, die laut der luxemburgischen Arbeitsagentur Adem zurzeit zu besetzen sind, verrät, dass der Finanzsektor nach wie vor auf der Suche nach Fachkräften ist. Neben Buchhaltern und Controllern werden auch IT-Spezialisten gesucht.

Die IBA geht davon aus, dass die Zahl der Pendler Richtung Großherzogtum auch in Zukunft weiter steigen wird. „Wenn Luxemburg seine Wachstumsrate bei drei Prozent des BIP halten will, wird das Land in den kommenden zehn Jahren tatsächlich 1000 zusätzliche Arbeitnehmer jährlich brauchen“, sagt Feunteun-Schmidt.

Das Liser-Institut hat im Internet eine Umfrage über die Zufriedenheit von Pendlern mit dem ÖPNV in Luxemburg gestartet. Sie läuft bis zum 29. Februar und ist unter dieser Adresse zu finden:
https://mobilitysurvey.liser.lu/235941