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Christoph M. Schmidt
Wirtschaftsweiser fordert flexiblere Arbeitszeiten

Christoph M. Schmidt plädiert für eine Modernisierung des Arbeitszeitgesetzes.
Christoph M. Schmidt plädiert für eine Modernisierung des Arbeitszeitgesetzes. FOTO: dpa / Arne Dedert
Saarbrücken. Christoph M. Schmidt kann sie nicht nachvollziehen, die „Klagen über soziale Ungerechtigkeit und wachsende Ungleichheit in Deutschland“. Er findet: Der Bundesrepublik gehe es gut. Doch man müsse viel dafür tun, damit das so bleibe. Von tau

Was, das erklärte Schmidt am Mittwoch in einem Vortrag bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Saarland in Saarbrücken. Der Titel seines Vortrages lautete „Steuer- und Sozialpolitik in Zeiten zunehmender Ungleichheit“.

Der Arbeitsmarkt sei in einer sehr guten Verfassung, sagte Schmidt und verwies auf „Rekordbeschäftigung, hohes Arbeitsvolumen und sinkende Arbeitslosigkeit“. Zudem gebe es eine stabile Verteilung der Einkommen, und der Anteil atypischer Beschäftigung – gemeint sind Zeitarbeit und Minijobs – sinke.

Der 56-Jährige, der familiäre Wurzeln im Saarland hat, gehört zu den fünf Wirtschaftsweisen – oder wie es offiziell heißt: zum Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Seit fünf Jahren ist er der Vorsitzende des Rates. Außerdem ist er seit 2002 Präsident des RWI-Leibnitz-Instituts für Wirtschaftsforschung und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Ruhr-Universität Bochum.



Schmidts erste Empfehlung an die Politik lautet: Die Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt müsse bewahrt bleiben, unter anderem mit niedrigen Einstiegshürden. Des Weiteren müsse das Arbeitskräftepotenzial besser ausgeschöpft und Zuwanderung erleichtert werden. Und er fordert die Stärkung der Bildung sowie den Ausbau der digitalen Infrastruktur.

Bisher sieht Schmidt „eher positive Auswirkungen der Automatisierung in Deutschland“. Der hohe Einsatz von Robotern schaffe bislang eher Arbeitsplätze und erhöhe die Produktivität. Er plädiert unter anderem dafür, das Arbeitszeitgesetz zu modernisieren. Die Arbeitszeit solle durch Wochenhöchstzeit flexibler auf die Wochentage aufzuteilen sein. Und: Es sollte eine Abweichung von Mindestruhezeiten zugelassen werden.