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Automarkt USA
Widerstand gegen geplante Autozölle wächst

Selbst die US-Autobauer wie Chrysler begehren gegen die Zollpläne von US-Präsident Donald Trump auf.
Selbst die US-Autobauer wie Chrysler begehren gegen die Zollpläne von US-Präsident Donald Trump auf. FOTO: dpa / Andrew Cutraro
Washington. Die Anhörung über die geplanten Zölle auf Autoimporte in die USA könnte zu einem Fanal werden. Denn auch die US-Industrie ist sauer. Ines Zöttl

Charles Navarro führt gemeinsam mit seiner Frau einen kleinen Autobetrieb in Momence, einer Provinzstädtchen tief im Mittleren Westen der USA. Der Kleinunternehmer hat eine Frage an Wirtschaftsminister Wilbur Ross im fernen Washington: „Wie gefährdet meine Arbeit mit Komponenten für alte Porsche-Autos die nationale Sicherheit?“ Um Importzölle gegen deutsche Autos verhängen zu können, hat US-Präsident Donald Trump ein Gesetz aus dem Kalten Krieg reaktiviert: Paragraf 232 des Trade Expansion Act von 1962 erlaubt Importbeschränkungen, wenn die Nationale Sicherheit gefährdet ist. Sein Wirtschaftsminister soll ihm nun die passende Begründung liefern. Heute findet dazu die zuvor erforderliche Anhörung im Ministerium statt.

Doch der Widerstand ist gewaltig. Trumps Drohung eines 20- bis 25-prozentigen Aufschlags zielt auf Mercedes & Co. Doch es fürchten sich auch diejenigen, die der Präsident zu schützen vorgibt: die großen Drei aus Detroit (Ford, General Motors, Chrylser) genauso wie die unzähligen Zulieferer, die von globalen Lieferketten abhängen. 2356 Stellungnahmen liegen zur Anhörung auf den Tisch, und sie zeichnen ein Bild verheerender Folgen für die US-Wirtschaft. Ein 25-prozentiger Einfuhrzoll wäre eine „45-Milliarden-Dollar-Steuererhöhung für die Verbraucher“, warnt die Autobauer-Vereinigung Alliance of Automobile Manufacturers, die die Konzerne von BMW über Ford bis hin zu Toyota vertritt. „Die Folge wäre, dass die Produktion um 1,5 Prozent schrumpft und 195 000 amerikanische Arbeiter innerhalb von einem bis drei Jahren ihren Job verlieren.“ Zudem würde Trump das Gegenteil dessen erreichen, was er will: Weil andere Staaten mit Vergeltungsmaßnahmen reagieren dürften, würden die US-Exporte schrumpfen statt zu wachsen. „Jobs bedeuten nationale Sicherheit“, erklärt auch die US-Händlervereinigung.

 Auch die deutschen Konzerne schlagen in diese Kerbe. Die Investitionen der Volkwagen Group of America, seiner Lieferanten und seiner Wettbewerber seien kein Risiko, sondern „tragen zum wirtschaftlichen Wohlstand der USA und so zu seiner nationalen Sicherheit bei“, versucht VW Ross zu überzeugen. BMW verweist darauf, dass der Bundesstaat South Carolina seinen industriellen Wiederaufstieg auch der Investitionsentscheidung der Münchener verdankt. BMW trage jährlich 6,3 Milliarden Dollar zur Wirtschaft bei und sorge für die Beschäftigung von 36 285 Menschen. Im Übrigen sei man der einzige Autobauer, „der mehr Autos in den USA herstellt, als er in den USA verkauft“. Mercedes warnt gar, dass die Fans der Marke in Amerika künftig leer ausgehen könnten. Importzölle würden das Angebot der beliebten S-Klasse, E-Klasse, CLA, GLA, GLC, CLS reduzieren. „Bei einigen Modellen könnte es kostenmäßig nicht wettbewerbsfähig sein, sie in den USA zu verkaufen.“



Besonders hart dürften die Importbeschränkungen auch viele Zulieferer treffen. Warnungen kommen von Bosch, Continental, Webasto und auch ZF North America. Man habe keine Bezugsquelle in den USA für fast ein Drittel der importierten Teile, so ZF. Beim Rest würde es 18 bis 24 Monate dauern, bis man die Lieferkette umgestellt habe.

Ob Trump sich von den Warnungen beeinflussen lässt, ist fraglich. Beobachter gehen davon aus, dass er die Zölle noch vor den Kongresswahlen im November in Kraft setzen wird. Kleinunternehmer Navarro aus Illinois gibt seinem Präsidenten zumindest in einem Recht. „Wir müssen die Industriefertigung zurück in die USA holen.“ Die Methode aber sei die falsche: „Wir bieten besser Zuckerbrot an als die Peitsche.“