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Saarstahl weiter auf gutem Weg
Wenn der Chef leise Abschied nimmt

50 Jahre sind sie schon bei Saarstahl beschäftigt und standen bei der Jubilarehrung in der ersten Reihe (vorne von rechts): Alois Thiel, Ernst Herrmann und Wolfgang Fries, geehrt vom Vorstand und Betriebsrat.  l
50 Jahre sind sie schon bei Saarstahl beschäftigt und standen bei der Jubilarehrung in der ersten Reihe (vorne von rechts): Alois Thiel, Ernst Herrmann und Wolfgang Fries, geehrt vom Vorstand und Betriebsrat. l FOTO: Ruppenthal
Saarbrücken. Fred Metzken macht bei seiner letzten Jubilarehrung den Beschäftigten von Saarstahl Mut für die Zukunft. Von Thomas Sponticcia

Es ist diesmal ein ganz besonderer Moment auch für ihn. Nach außen hin scheinbar gelassen, ganz der Profi eben, betritt Fred Metzken die Bühne zur Jubilarehrung der Saarstahl-Mitarbeiter im Saarbrücker E-Werk. 245 sind es diesmal, die für 25, 35, 45 und sogar für 50 jährige Zugehörigkeit zum Unternehmen geehrt werden. In Dienstjahren aneinandergereiht käme man auf 8495 Jahre Betriebszugehörigkeit.

Für Metzken ist es die letzte Jubilarfeier als Vorstandssprecher von Saarstahl. Zum 31. August wird sich der 63-Jährige aus dem operativen Geschäft zurückziehen und seinem Nachfolger Tim Hartmann Platz machen, Metzken selbst blickt zugleich auf eine 30-jährige Karriere in der Stahlindustrie zurück. Zuvor hat er schon zehn Jahre bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG gearbeitet und damals die Bücher der Dillinger Hütte geprüft. Man wurde auf ihn aufmerksam und warb ihn ab. Vor allem hat Metzken in seiner Zeit als Finanzchef Akzente gesetzt. Zahlen liebt er.



Und so kann er auch den Jubilaren ein gut bestelltes Unternehmen hinterlassen, zumal er nach dem plötzlichen Abgang von Karlheinz Blessing Richtung Volkswagen sowohl Saarstahl als auch die Dillinger Hütte ruhig und besonnen auch aus Krisenzeiten erfolgreich herausgeführt hat. „Auftragseingang, Auslastung und Erlöse zeigten im vergangenen Jahr wegen der wirtschaftlichen Entwicklung nur in eine Richtung - nach oben. Wir haben einen enormen Ergebnissprung im Saarstahl-Konzern von minus 155 Millionen Euro im Jahr 2016 auf plus 110 Millionen Euro 2017 hingelegt.“ Die Kollegen im Vertrieb hätten es geschafft, so viel Draht und Stahl an Kunden zu verkaufen wie noch nie zuvor. Gleichzeitig sei auch eine Preiserhöhung möglich gewesen. „Beides zusammengenommen führte zu einem Konzern-Umsatz von 2,4 Milliarden Euro, der uns mit einem Plus von über 20 Prozent ebenfalls jubeln lässt“, sagt Metzken. „In das laufende Jahr 2018 sind wir außerordentlich gut gestartet. Die Auftragsbücher sind bereits randvoll und haben eine Reichweite von vier Monaten. Das ist ganz außergewöhnlich.“

All das Erreichte sei auch der Verdienst der Jubilare. Treue zum Unternehmen, Leistungsbereitschaft und Geradlinigkeit seien die wichtigsten Voraussetzungen zum Erfolg. In einer „äußerst kritischen Situation“ habe man zudem die Schmiede neu aufstellen können. Es seien sozialverträgliche Lösungen gefunden worden. Die meisten Betroffenen habe man in anderen Unternehmensbereichen von Saarstahl unterbringen können. Deutlich verkleinert „hat die Schmiede jetzt die Chance, neu durchzustarten“. Man werde weiter hart arbeiten müssen, „um den Turnaround zu schaffen“.

Unter den 245 Jubilaren sind vier, die schon 50 Jahre im Unternehmen ihren Strang ziehen. Drei kamen zur Feier, einer davon ist Alois Thiel (65) aus Urexweiler. Den Großteil seines Berufslebens hat er am Hochofen in Neunkirchen verbracht, später in Völklingen. Wenn er heute mit seiner Frau irgendwo einkaufen geht, dann kommt es vor, dass ihn jemand anspricht und ganz locker „Vater“ nennt. Thiel sieht das als eine Ehre an, denn viele jüngere Mitarbeiter bei Saarstahl hat er im Laufe der Jahre angelernt. Die nennen ihn deshalb so. „Wir sind eine Familie“, sagt er auch heute und besucht häufiger Kollegen.

Thiel und Metzken sprechen beide vom Zusammenhalt, den das Unternehmen auszeichne, selbst in Zeiten einer zunehmenden Automatisierung in Produktionsbereichen. Als gelte es, einen Beleg für den Zusammenhalt zu suchen, sagt Thiel: „Ich würde es heute nochmal machen. Ich war Hüttenmann aus Überzeugung, und es hat mir gefallen.“ Was sagt Metzken? Er ruft den Jubilaren und Beschäftigten zu: „Ich möchte Ihnen allen heute schon Danke sagen für viele gemeinsame Jahre und die Unterstützung, die ich dabei erfahren habe. Sorgen Sie weiterhin dafür, dass Sie alle und das Unternehmen Saarstahl auch künftig Grund zum Jubeln haben.“ Zum Erfolg gehöre Veränderung, auch persönlich, sagt Metzken unserer Zeitung. Er sei für Veränderung. Doch die, die jetzt auf ihn zukommt, falle ihm nach all den Jahren schon sehr schwer, räumt er ein. Was ihn wiederum auszeichnet: Er bleibt ehrlich.

Saarstahl-Vorstandssprecher Fred Metzken zieht eine positive Bilanz.
Saarstahl-Vorstandssprecher Fred Metzken zieht eine positive Bilanz. FOTO: Ruppenthal