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IHK Rheinland-Pfalz
„Welcome-Center“ haben sich bewährt

 Die IHK-Welcome Center sind einerseits Anlaufstellen für Unternehmen, die ausländische Fachkräfte suchen, und andererseits für Menschen aus dem Ausland, die hierzulande beruflich Fuß fassen wollen.
Die IHK-Welcome Center sind einerseits Anlaufstellen für Unternehmen, die ausländische Fachkräfte suchen, und andererseits für Menschen aus dem Ausland, die hierzulande beruflich Fuß fassen wollen. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Mainz. Lotsen sollen sie sein – die Welcome Center der Industrie- und Handelskammern. Für Unternehmen hierzulande und Menschen aus dem Ausland. Letztere machen zunehmend Gebrauch davon – häufig geht es um die Anerkennung von Qualifikationen für die weitere Job-Laufbahn.

An den vier Welcome Centern der Industrie- und Handelskammern (IHK) in Rheinland-Pfalz ist die Zahl der Anträge zu im Ausland erworbenen Qualifikationen stetig gestiegen. Nach Angaben der IHK-Arbeitsgemeinschaft waren es zum Start der Center 2015 insgesamt 172 Anträge auf Anerkennung der Gleichwertigkeit einer Berufsqualifikation. Der Wert stieg 2016 auf 183 und 2017 auf 233. Im ersten Halbjahr 2018 kamen 147 zusammen, weiter reicht die Auswertung noch nicht.

Wieviele komplett, teilweise oder gar nicht anerkannt wurden, lässt sich den Angaben zufolge nicht sagen. Entschieden wird über solche Anträge im zentralen IHK Foreign Skills Approval (IHK FOSA) in Nürnberg, einem bundesweitem Kompetenzzentrum der Kammern für ausländische Abschlüsse. Vereinfacht gesagt wird dort verglichen, inwieweit Qualifikationen aus dem Ausland als gleichwertig mit entsprechenden deutschen Abschlüssen eingestuft werden können.

Die IHK-Welcome Center sind einerseits Anlaufstellen für Unternehmen, die ausländische Fachkräfte suchen, und andererseits für Menschen aus dem Ausland, die hierzulande beruflich Fuß fassen wollen. Der Hauptgeschäftsführer der IHK Rheinhessen, Günter Jertz, sagt, die Einrichtungen hätten sich bewährt und würden definitiv beibehalten.



Die rheinhessische IHK registriert eine konstante Zahl an Beratungen im Welcome Center. 2015 waren es 171, 2017 dann 134 und im ersten Halbjahr vergangenen Jahres 72. „Es ist kein Massengeschäft“, sagt Jertz. Häufig seien die Gespräche aber intensiv und lang. In Mainz führt sie in der Regel Ute Lachmayer, Referentin International. Manchmal sei die Erwartung der Kunden, dass nur noch ein Stempel nötig sei, sagt sie. „So funktioniert es natürlich nicht.“

Der Aufwand, der dahinter stehe, variiere sehr stark von Fall zu Fall. Der Beruf eines Kochs sei noch in etwa vergleichbar, wenn aber ein „Techniker Büro“ vor einem stehe, entstünden Fragen. Das sei ein polnischer Abschluss, der am ehesten der Kauffrau für Büromanagement entspreche. Letztlich werde in Gesprächen im Welcome Center nach dem jeweils passenden deutschen Referenzberuf gesucht, sagte Lachmayer.

Ob eine Qualifikation voll oder teilweise anerkannt werde, hänge von mehreren Faktoren ab: Ausbildungsinhalten, Berufserfahrung und Praxis-Anteil und möglichen erworbenen Weiterbildungen. „Es geht um die berufliche Lebensgeschichte.“ Letztlich müssten die Antragsteller all das nachweisen können. „Das ist nicht immer ganz einfach – je nachdem, woher sie kommen“, erzählt Lachmayer. Ein ganz großer Betrug ist bei der IHK Rheinhessen noch nicht aufgeschlagen. Jertz sagt: „Es hat hier noch keiner den Doktor vorgespielt.“

Die Gebühr für ein Anerkennungsverfahren liegt laut IHK je nach Komplexität zwischen 100 und 600 Euro. Wenn der Betrag gezahlt ist und die Unterlagen vollständig sind, muss binnen drei Monaten entschieden werden. Die Menschen, die Lachmayer betreut, kommen vor allem aus Polen, Syrien, Kasachstan, Rumänien oder Russland. In der Regel seien es Junge, aber auch über 50-Jährige seien mal dabei.

Hauptgeschäftsführer Jertz sieht die Arbeit des Welcome Centers ein Stück weit als Standortsicherung an. „Wir können nicht einfach nur den Fachkräftemangel bejammern.“ Jan Reifenberger ist seit Mitte 2018 bei der rheinhessischen IHK Ausbildungsberater für Geflüchtete und Vielfalt. Er arbeitet eng mit Lachmayer vom Welcome Center zusammen und erzählt, dass die Zahl der Auszubildenden mit ausländischer Herkunft im IHK-Bezirk Rheinhessen von 399 Ende 2014 auf 532 Ende vergangenen Jahres gestiegen sei. Auch hier tue sich eine Menge.

Reifenberger macht viel „Verweisberatung“, verweist an Förderstellen wie die Arbeitsagenturen, aber auch an Traumataberatungen, wenn das nötig erscheint. Die meisten jungen Menschen, die ihm gegenüber sitzen, kommen nach seinen Angaben aus Afghanistan, Syrien, Marokko und Pakistan. „Es ist unbestritten, dass die Flucht aus einem Krisengebiet Traumata mit sich bringen kan“, sagt Reifenberger. Auch das müsse beachtet werden. Reifenberger schaut, ob die jungen Menschen in seiner Beratung „ausbildungsreif“ sind, wie er sagt – von der Sprache her, aber auch von gewissen Verhaltensweisen her. So gehöre es schlicht dazu, auch mit weiblichen Vorgesetzten umgehen und sie akzeptieren zu können. „Das ist kulturell sehr unterschiedlich.“