| 22:42 Uhr

Ist tatsächlich alles im Lot?
Was ist bloß los mit dem Hahn-Besitzer?

Im vergangenen Jahr stieg das Frachtaufkommen auf dem Hunsrück-Flughafen um 74,6 Prozent auf fast 127 000 Tonnen. Die Zahl der Passagiere sank allerdings um über fünf Prozent auf knapp 2,5 Millionen.
Im vergangenen Jahr stieg das Frachtaufkommen auf dem Hunsrück-Flughafen um 74,6 Prozent auf fast 127 000 Tonnen. Die Zahl der Passagiere sank allerdings um über fünf Prozent auf knapp 2,5 Millionen. FOTO: Thomas Frey / picture alliance / dpa
Hahn. Derzeit ist unklar, ob sich die finanzielle Schieflage des HNA-Konzerns auf den Hunsrück-Flughafen auswirken könnte.

Es vermittelt fast schon den Eindruck, als wolle HNA allen Kritikern demonstrieren: Schaut her, alles im Lot bei uns; auch die chinesische Regierung steht weiter hinter uns. Am Montag veröffentlichte der chinesische Konzern auf seiner Internetseite ein Foto, das – laut Internetübersetzung – den Chef der Unternehmensgruppe mit dem Provinzgouverneur von Hainan bei einer Veranstaltung des chinesischen Außenministeriums zeigt.

Glaubt man aber den Berichten in deutschen und internationalen Wirtschaftszeitungen, dann steckt HNA, die im vergangenen Jahr bei der Deutschen Bank eingekauft und die Anteile des Landes Rheinland-Pfalz am Flughafen Hahn übernommen hat, in akuten finanziellen Problemen. Und Fotos, auf denen der oberste Chef des undurchsichtigen Mischkonzerns mit Vertretern der Regierung abgebildet wird, könnten ein Zeichen für verunsicherte Investoren und auch Unternehmensteile sein. Mitte Januar teilte HNA mit, dass es als „Unternehmen des Jahres“ von der chinesischen Handelskammer ausgezeichnet worden ist. Sein Konzern habe ein Jahr des unglaublichen Wachstums hinter sich, verkündete HNA-Chef Chen Feng.

Und genau in diesem unglaublichen Wachstum sehen Kritiker auch den Grund für die finanziellen Probleme, in denen HNA offenbar steckt. Fast 50 Milliarden Euro hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren investiert. Durch Zukauf und Beteiligungen ist ein Konstrukt entstanden, das selbst Börsenkenner als undurchsichtig bezeichnen. Chen Feng sagte kürzlich der Nachrichtenagentur Reuters, dass es einen Liquiditätsengpass gebe. Schuld daran sei eine große Anzahl an Fusionen, ein schwieriger gewordenes Marktumfeld und eine nicht mehr so brummende chinesische Wirtschaft. Es wurde berichtet, dass sich die Schulden des Unternehmens auf 29 Milliarden Dollar belaufen sollen. Angeblich sollen alle Investitionen über Kredite finanziert worden sein.



Nachdem der HNA-Chef das verkündet hatte, brachen die Aktien der Deutschen Bank ein. Es bestand die Befürchtung, dass sich der Konzern von Beteiligungen trennen könnte, um sich Geld zu beschaffen. HNA hält knapp unter zehn Prozent der Anteile an der Deutschen Bank und ist damit größter Anteilseigner.

Am Flughafen Hahn ist das Unternehmen mit 82,5 Prozent Mehrheitseigner. Für 15 Millionen Euro hat HNA die Anteile des Landes erworben. Nun geht auf dem Flughafen die Angst um, dass die finanziellen Probleme dazu führen könnten, dass sich der neue Besitzer aus dem Hunsrück verabschieden könnte.

Fakt ist: Bislang ist wenig über die konkreten Pläne von HNA bekannt. Man wolle zunächst das Frachtgeschäft ausbauen, verkündete HNA-Sprecher Christoph Goetzmann im vergangenen Sommer zu Beginn der regelmäßigen Frachtflüge der Tochterfirma des Konzerns, Suparna Airlines. Und das scheint dem neuen Hahn-Besitzer auch gelungen zu sein. Im vergangenen Jahr stieg das Frachtaufkommen auf dem Hunsrück-Flughafen um 74,6 Prozent auf fast 127 000 Tonnen. Die Zahl der Passagiere sank allerdings um über fünf Prozent auf nunmehr knapp 2,5 Millionen.

Welche Investitionen HNA auf dem Hahn plant, ist derzeit völlig unklar. Wenn es etwas zu verkünden gebe, werde man es verkündeten, sagte Goetzmann im vergangenen Jahr unserer Zeitung. Und an diese Devise scheint man sich auch zu halten. Daher ist derzeit auch unklar, ob die finanzielle Schieflage des Flughafenbesitzers Auswirkungen auf dem Hunsrück haben wird. Bereits im vergangenen Jahr warnten China-Kenner, dass die undurchsichtige Unternehmensstruktur des Konzerns ein Problem darstellen könnte. Mehrheitlich sei HNA im Besitz einer Stiftung, allerdings sei nicht bekannt, wer diese kontrolliert, sagte Jost Wübbeke vom Berliner Mercator-Institut für China-Studien damals unserer Zeitung. Er war jedoch der Meinung, dass der Flughafen Hahn mit dem Konzern einen erfahrenen Investor gefunden habe, der dem Hahn wieder auf die Sprünge helfen könnte.