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Rechte und Pflichten in der Ausbildung
Was Azubis unbedingt beachten müssen

Bevor die Lehre beginnt und es an die Werkbank geht, müssen die Formalitäten erledigt werden. Wichtig ist, den Ausbildungsvertrag genau durchzulesen.
Bevor die Lehre beginnt und es an die Werkbank geht, müssen die Formalitäten erledigt werden. Wichtig ist, den Ausbildungsvertrag genau durchzulesen. FOTO: dpa / Andreas Gebert
Zweibrücken. Bevor Lehrlinge ihre Ausbildung beginnen, sollten sie sich genau über ihre Rechte und Pflichten informieren. Von Teresa Bauer

Eine Lehrstelle ist gefunden, der erste Schritt ins Berufsleben ist gemeistert. Nun muss noch der Arbeitsvertrag unterschrieben werden, und dann kann die Ausbildung beginnen. Doch bevor ein Lehrling mit seiner Unterschrift alles darin Vereinbarte akzeptiert, gilt: genau durchlesen. Vieles ist im Berufsbildungsgesetz (BBiG) geregelt. Der PM fasst die wichtigsten Punkte zusammen.

Arbeitszeit: Die tägliche Arbeitszeit von acht Stunden darf nicht überschritten werden. Pro Woche darf ein volljähriger Auszubildender maximal 48 Stunden arbeiten, minderjährige Jugendliche hingegen nur bis zu 40 Stunden. Grundsätzlich dürfen diese auch nur zwischen sechs und 20 Uhr arbeiten, ausgenommen sind Berufe mitNacht- und Schichtarbeiten. An Wochenenden und Feiertagen dürfen Minderjährige nicht arbeiten. Überstunden – die eigentlich aber nicht vorgesehen sind – müssen ausbezahlt oder in Freizeit ausgeglichen werden.

Ärztliche Untersuchung: Jeder minderjährige Jugendliche muss sich vor Beginn der Ausbildung von einem Arzt untersuchen lassen. Das schreibt das Jugendarbeitsschutzgesetz vor. Die Untersuchung darf nicht länger als 14 Monate zurückliegen. Die Bescheinigung über die ärztliche Untersuchung muss der Lehrling am ersten Tag der Ausbildung dem Unternehmen vorlegen.



Ausbildungsinhalt: Die Ausbildungsinhalte sind im Vertrag festgehalten. Grundsätzlich richten sich die Inhalte nach den Ausbildungsjahren. Der Betrieb ist verpflichtet, die Ausbildungsinhalte einzuhalten. Welche Inhalte vermittelt werden sollen, schreibt die Ausbildungsordnung vor, die es zu jedem anerkannten Ausbildungsberuf gibt. Beauftragt ein Betrieb den Lehrling mit Tätigkeiten, die nicht dem Ausbildungszweck dienen, verstößt er gegen das Berufsbildungsgesetz.

Ausbildungsmittel: Arbeitsmaterialien, wie zum Beispiel Werkzeuge, Werkstoffe, Zeichen- und Schreibmaterial, muss der Betrieb dem Auszubildenden kostenlos bereitstellen. Der Lehrling hat die Pflicht, mit diesen Ausbildungsmitteln sorgsam umzugehen. Lernmaterial, das für die Berufsschule benötigt wird, muss der Azubi selbst kaufen.

Ausbildungsvergütung: Wie viel und wann einem Auszubildenden Lohn gezahlt wird, ist im Arbeitsvertrag festgelegt. In den meisten Branchen ist die Höhe der Ausbildungsvergütung tariflich geregelt. Die Vergütung muss spätestens am letzten Arbeitstag eines Monats ausgezahlt werden. Verstößt ein Lehrling gegen seine Ausbildungspflichten, gestattet das Entgeltfortzahlungsgesetz dem Betrieb, den Lohn zu kürzen.

Berichtsheft: Jeder Auszubildende ist verpflichtet, ein Berichtsheft zu führen. Darin hält der Azubi fest, was er in dem Betrieb lernt. Die Ausbilder kontrollieren dieses Heft.

Berufsschulpflicht: Während der Ausbildung muss der Lehrling am Unterricht einer Berufsschule teilnehmen. Dieser findet entweder an einem oder zwei Tagen in der Woche, oder als Blockunterricht, also mehrere Wochen am Stück und mehrmals im Jahr, statt. Das Zeugnis der Berufsschule ist ebenso wichtig wie die praktischen Leistungen im Betrieb.

Kündigungsfrist: Während der Probezeit kann das Beschäftigungsverhältnis sowohl vom Betrieb als auch vom Auszubildenden fristlos gekündigt werden. Nach der Probezeit gelten die Kündigungsfristen des Ausbildungsvertrags. Stehen diese nicht im Vertrag, gilt die gesetzliche Kündigungsfrist von vier Wochen. Die Kündigung muss in jedem Fall schriftlich erfolgen.

Probezeit: Der Betrieb prüft in der Probezeit, ob der Auszubildende für die Lehrstelle geeignet ist. Auch der Azubi kann sich währenddessen bewusst werden, ob die Lehre das Richtige für ihn ist. Die Dauer der Probezeit ist im Arbeitsvertrag festgelegt. Laut Berufsbildungsgesetz muss sie mindestens einen Monat und darf maximal vier Monate betragen.

Prüfung: In Ausbildungsberufen gibt es eine Zwischenprüfung, die den Ausbildungsstand ermittelt, sowie eine  Abschlussprüfung, die bestanden werden muss. Besteht der Azubi die Abschlussprüfung nicht beim ersten Anlauf, darf er sie zwei Mal wiederholen.

Urlaub: Die Anzahl der Urlaubstage ist im Arbeitsvertrag geregelt. Dabei gilt: Je jünger, desto mehr freie Tage. Wer unter 16 Jahren ist, hat Anspruch auf mindestens 30 Tage Urlaub. Wer jünger als 17 ist, bekommt 27 Tage, bei Azubis zwischen 17 und 18 Jahren sind es mindestens 25 Tage. Erwachsene erhalten mindestens 24 freie Tage im Jahr.

Verschwiegenheit: Auszubildende müssen Betriebsgeheimnisse vertraulich behandeln und dürfen sie nicht nach außen tragen. Diese Verschwiegenheitsklausel kann auch nach der Ausbildungszeit gelten.

Vertrag: Im Ausbildungsvertrag sind alle Rechte und Pflichten von Lehrlingen und Ausbilder schriftlich festgehalten. Vor Beginn der Ausbildung wird der Vertrag von beiden Parteien unterschrieben. Ist ein Auszubildender noch minderjährig, müssen die Erziehungsberechtigten dem Vertrag ebenfalls zustimmen.

Zeugnis: Am Ende der Ausbildung erhält der Azubi von der zuständigen Kammer ein Zeugnis. Auch der Ausbildungsbetrieb ist gesetzlich verpflichtet, dem Lehrling ein Zeugnis auszustellen, in dem die Art der Berufsausbildung sowie die erlernten Fähigkeiten und Kenntnisse aufgeführt werden.