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Private Krankenversicherungen
Wachstum bei Zusatzversicherungen

Die Verwaltungsgebäude der Union Krankenversicherung in Saarbrücken aus der Vogelperspektive.
Die Verwaltungsgebäude der Union Krankenversicherung in Saarbrücken aus der Vogelperspektive. FOTO: BeckerBredel
München . Die Versicherungsgruppe Consal, zu der auch die Bayerische Beamtenkrankenkasse gehört, spürt die Niedrigzinsphase. Von Lothar Warscheid

Die Niedrigzinsphase und der demographische Wandel werden nicht ohne Auswirkungen auf die Beiträge der privaten Krankenversicherungen bleiben. Davon ist Harald Benzing, Chef der Krankenversicherungs-Unternehmen der Sparkassen-Finanzgruppe, überzeugt. „Wie bei der Altersvorsorge braucht die private Krankenversicherung in Zeiten niedriger Zinsen höhere Sparbeiträge“, sagt er. Die beiden Krankenversicherer firmieren unter Consal und umfassen die Bayerische Beamtenkrankenkasse, die weitgehend im Freistaat und der Pfalz tätig ist, und die Saarbrücker Union Krankenversicherung (UKV), deren Marktgebiet sich über den Rest der Republik erstreckt. Benzing geht davon aus, dass die Beiträge für die knapp 422 000 Frauen und Männer, die bei den beiden Krankenversicherern der Consal den vollen Versicherungsschutz haben, wegen niedriger Zinsen in diesem Jahr um rund zwei bis drei Prozent steigen. Bei den früher üblichen Bedingungen am Kapitalmarkt seien die Altersrückstellungen der privaten Krankenversicherer durchschnittlich mit 3,5 Prozent verzinst worden. „Heute sind es weniger als drei Prozent“, erläutert der Assekuranz-Manager. Die Alterung der Gesellschaft werde sich hingegen kaum auswirken, da diese bereits seit längerem in der Beitragskalkulation berücksichtigt würde. „Das System der privaten Krankenversicherung ist stabil kalkuliert“, ist er überzeugt.

Die eigentliche Musik spielt bei Consal jedoch im Bereich der Zusatzversicherungen. Dazu zählen Zahnbehandlungen, Naturheilkunde, Kranken- und Krankenhaustagegeld, eine erweiterte Pflegeversicherung oder eine bevorzugte Behandlung im Krankenhaus. Inklusive der vollversicherten Personen betreut Consal rund 3,1 Millionen Menschen. Im vergangenen Jahr erreichte das Unternehmen einen Zuwachs von 100 000 Policen und damit ein Wachstum von 3,1 Prozent. „Zu dieser guten Entwicklung hat auch die zunehmende Beliebtheit betrieblicher Krankenversicherungen beigetragen“, sagt Benzing. Hierbei übernehmen die Firmen aus Gründen der Mitarbeiter-Bindung die Kosten der Zusatz-Policen.

Das Problem, dass privat Versicherte zum Beispiel wegen der Pleite ihrer eigenen Firma die Beiträge nicht mehr zahlen können und den Versicherungen dadurch hohe Ausfälle drohen, „ist inzwischen überschaubar geworden“, sagt der Consal-Chef. Die davon betroffenen Frauen und Männer können seit einiger Zeit in den sogenannten Notfall-Tarif wechseln. Die Leistungen in diesem Tarif beschränken sich auf die Notfallversorgung sowie auf Leistungen bei Schwangerschaft und die Kindervorsorge. Der Beitrag liegt bei rund 100 Euro pro Monat. Bei der UKV seien davon „weniger als 3000 Versicherte betroffen“. In der gesamten Privaten Krankenversicherung liege die Quote bei deutlich unter zwei Prozent.



Insgesamt kann die Consal-Gruppe auf ein erfolgreiches Jahr 2017 zurückblicken. An Prämieneinnahmen wurden 2,41 Milliarden Euro verbucht, plus 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Schaden- beziehungsweise Leistungsquote liegt bei 79,2 Prozent (Vorjahr 81,2 Prozent). Bei den Kapitaleinlagen wurde ein Ergebnis von 416,4 Millionen Euro erzielt, was einer Nettoverzinsung von 2,9 Prozent entspricht.

Zur Saarbrücker UKV gehört zudem die Union Reiseversicherung (URV). Deren Beitragseinnahmen stiegen im vergangenen Jahr um knapp 30 Prozent auf 196,5 (Vorjahr: 152,5) Millionen Euro. Sie ist Partner von fast allen deutschen Sparkassen, indem sie die Reiseversicherungsleistungen zur Verfügung stellt, die in der Kreditkarte Mastercard Gold mit eingeschlossen sind. Wichtige Geschäftspartner sind aber auch die Reisebüros, Reiseveranstalter und Bustouristik-Unternehmer. Ein starkes Standbein hat die URV zudem in Großbritannien und in Irland.

Harald Benzing, Chef der
Consal-
Versicherungen.
Harald Benzing, Chef der Consal- Versicherungen. FOTO: Consal / © Stefan Heigl