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Autohersteller bekommen immer mehr Probleme
VW erwartet langwierige Abgas-Tests

Wolfsburg/Berlin. Bei Volkswagen dürfte die Durststrecke durch tausendfache Nachprüfungen und gestoppte Bänder wegen der neuen Regeln für Abgastests deutlich länger dauern als zunächst gedacht. „Dieses Thema wird uns einige Monate beschäftigen, bis wir in den Werken wieder zu einer normalen Fahrweise kommen“, kündigte Vorstandschef Herbert Diess in einem Brief an die Mitarbeiter an.

Auch bei anderen Autobauern müssen wegen der komplexen Tests teils ganze Modellreihen vorübergehend aus dem Programm genommen werden.

Im September greift der für Neuwagen verbindliche Abgastest-Standard WLTP. Und die Hersteller kommen mit der Zertifizierung ihrer Baureihen kaum hinterher. Bei VW stehen im Stammwerk Wolfsburg tageweise die Bänder still: „Die Kollegen in der Technischen Entwicklung und der Produktion arbeiten mit Hochdruck daran, die Auswirkungen im Rahmen zu halten“, hieß es in dem Schreiben von Diess weiter.

Auch Betriebsratschef Bernd Osterloh wandte sich an die Belegschaft: „Nach dem Sommer gehen wir in eine Zeit der Ungewissheit“, schreibt er. Es sei aber absehbar, „dass uns die WLTP-Probleme über das dritte Quartal hinaus begleiten werden.“



Auch bei BMW hat die Einführung von WLTP Folgen. Der Rivale aus München hatte bereits im März angekündigt, die Fertigung mehrerer Benziner-Modelle für den europäischen Markt zu stoppen, um sie für die neuen Verbrauchsmessungen fit zu machen. Der 7er werde als Benziner in Europa sogar ein Jahr lang eingestellt. Ab September 2019 werden dann zudem realitätsnahe Straßen-Abgastests (RDE) Pflicht.

Osterloh verwies zudem auf vermutlich noch härtere Regeln für den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2). Die EU will die CO2-Emissionen von Autos in der Zeit nach 2021 weiter reduzieren. „Nicht wenige der führenden Politiker dringen dabei auf schärfere Bestimmungen, die die Automobilindustrie und ihre Arbeitsplätze gefährden“, schrieb er. Arbeitnehmer seien zwar für Klimaschutz. „Aber wir verlieren dabei die Arbeitsplätze nicht aus den Augen und werden uns klar zu unverantwortlichen Forderungen positionieren.“

Die Autobauer haben bereits Probleme, bis 2021 den dann geltenden Grenzwert von 95 Gramm CO2 pro Kilometer im Schnitt der verkauften Neuwagen zu schaffen. Reißen sie die Vorgaben, drohen hohe Strafen. Die Vorschläge der EU sehen vor, dass der CO2-Ausstoß neuer Pkw 2030 noch einmal 30 Prozent niedriger liegen soll als 2021. Eine entsprechende Vorgabe der EU „würde den Verlust von zehntausenden Arbeitsplätzen bedeuten“, warnt Osterloh.

(dpa)