| 23:36 Uhr

Führungswechsel
VW-Chef Matthias Müller soll gehen

Matthias Müller ist seit Herbst 2015 VW-Chef.
Matthias Müller ist seit Herbst 2015 VW-Chef. FOTO: Jörg Carstensen / dpa
Wolfsburg. Der größte Autokonzern der Welt baut seinen Vorstand um. Volkswagen-Markenchef Herbert Diess soll an die Spitze des Wolfsburger Unternehmens rücken.

Überraschender Führungswechsel an der VW-Spitze: Der bisherige Markenchef Herbert Diess soll Konzernchef Matthias Müller ablösen, wie gestern aus Kreisen des Aufsichtsrats und des Unternehmens zu erfahren war.  Insidern zufolge ist der Schritt im Rahmen eines größeren Konzernumbaus zu sehen. VW selbst hatte gestern in einer Mitteilung an die Finanzwelt angekündigt, man prüfe „eine Weiterentwicklung der Führungsstruktur“. Dies schließe Änderungen bei den Verantwortlichkeiten ein, womöglich auch „eine Veränderung im Amt des Vorstandsvorsitzenden“.

Welche Schritte im Einzelnen vorgesehen sind und was dies konkret für die Zukunft Müllers bedeuten würde, war vorerst unklar geblieben. Volkswagen machte zunächst keine weiteren Angaben dazu. Der Vertrag des 64 Jahre alten Müller läuft eigentlich noch bis 2020. Der 59-jährige Herbert Diess kam im Jahr 2015 von BMW und handelte unter anderem das Reform- und Sparprogramm „Zukunftspakt“ bei der Stammsparte mit dem mächtigen Betriebsrat aus.

Müller habe seine „grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, an den Veränderungen mitzuwirken“, erklärte VW. Am Freitag soll der Aufsichtsrat des weltgrößten Autobauers zusammenkommen. Dabei dürfte es um Umbaupläne, wie eine mögliche Abspaltung des Lkw-Geschäfts und wohl auch um die Top-Personalien gehen.



Zeitgleich mit den Wolfsburgern ging die Muttergesellschaft Porsche SE an die Öffentlichkeit und teilte mit, dass Veränderungen im VW-Vorstand auch zu Änderungen im Vorstand bei der Porsche SE führen könnten. Die von den Familien Porsche und Piëch kontrollierte Porsche SE hält gut 52 Prozent der Stimmrechte an Volkswagen. Die Anleger an der Börse goutierten die Nachrichten. Der Kurs der VW-Aktie stieg um mehr als vier Prozent.

Wie „Spiegel online“ unter Berufung aut das „Handelsblatt“ berichtete, sei bei den Großaktionären die Erkenntnis gereift, dass das Unternehmen nach der weitgehenden Aufarbeitung des Dieselskandals nun einen Neuanfang brauche. Müller sehe dies auch so und gehe daher freiwillig.

Müller hatte vor einigen Tagen dem „Spiegel“ gesagt, aus seiner Sicht müsse das oberste Management von Volkswagen „weiblicher, jünger und internationaler“ werden. „Das ist ein riesiges Problem des Konzerns. (. . .) Ich würde auf jeden Fall gerne mit dem Aufsichtsrat diskutieren, wie der Konzern nach meiner Zeit geführt werden soll und von wem.“

Der frühere Porsche-Chef war im Herbst 2015 an die Spitze von Volkswagen gekommen, nachdem Vorgänger Martin Winterkorn im Zusammenhang mit dem Bekanntwerden des Diesel-Skandals in den USA zurückgetreten war. Weil im Zuge der Affäre um manipulierte Abgastests auch viel grundsätzliche Kritik an den Abläufen bei VW laut wurde, stieß Müller Initiativen zu einem „Kulturwandel“ an.

Im vergangenen Jahr konnte Volkswagen erneut stark zulegen. Die Kernmarke warf einen Betriebsgewinn von rund 3,3 Milliarden Euro ab – bereinigt um Sonderkosten für die Diesel-Affäre. Unabhängig von den sehr guten Zahlen müsse der Kulturwandel jetzt jedoch mutig und offen angegangen werden, hieß es aus dem Aufsichtsrat.

Bei Volkswagen sind die internen Strukturen seit langem ein wichtiges Thema. Der riesige Konzern kämpft mit seinem komplexen Aufbau und will den einzelnen Marken und Regionen mehr Verantwortung geben. Außerdem erfordern die Elektromobilität und die Vernetzung viele Veränderungen. Volkswagen investiert hier bereits Milliarden.

Herbert Diess wechselte Mitte 2015 von BMW zu VW.
Herbert Diess wechselte Mitte 2015 von BMW zu VW. FOTO: Philipp von Ditfurth / dpa