| 22:36 Uhr

Druck auf Volkswagen wächst weiter
VW-Aufsichtsrat fordert mehr Hilfen für die Diesel-Kunden

Berlin. () In der großen Koalition und im VW-Aufsichtsrat wird die Debatte über mehr Hilfen für Dieselfahrer neu angeheizt. Aus der SPD kommen Forderungen, die Politik müsse mit den Autobauern über die Kostenübernahme von Hardware-Nachrüstungen alter Fahrzeuge hart verhandeln. Unterdessen spricht sich Niedersachsens Wirtschaftsminister und VW-Aufsichtsratsmitglied Bernd Althusmann (CDU) für ein größeres Entgegenkommen gegenüber Kunden aus. Die Verkehrsexpertin der SPD-Bundestagsfraktion, Kirsten Lühmann, sagte der Deutschen Presse-Agentur, umfangreiche Umbauten an Motor oder Abgasanlage von Autos mit hohem Schadstoffausstoß seien nach wie vor ein Thema. „Ich bin verwundert, dass Bundeskanzlerin Merkel und Bundesverkehrsminister Scheuer offenbar die Automobilherstellenden nun ohne Not aus der Verantwortung entlassen.“ Die Sozialdemokraten sähen auch nach der Kabinettsklausur in Meseberg weiter die Konzerne in der Pflicht, Hardware-Nachrüstungen bei Dieselwagen vorzunehmen. dpa

() In der großen Koalition und im VW-Aufsichtsrat wird die Debatte über mehr Hilfen für Dieselfahrer neu angeheizt. Aus der SPD kommen Forderungen, die Politik müsse mit den Autobauern über die Kostenübernahme von Hardware-Nachrüstungen alter Fahrzeuge hart verhandeln. Unterdessen spricht sich Niedersachsens Wirtschaftsminister und VW-Aufsichtsratsmitglied Bernd Althusmann (CDU) für ein größeres Entgegenkommen gegenüber Kunden aus. Die Verkehrsexpertin der SPD-Bundestagsfraktion, Kirsten Lühmann, sagte der Deutschen Presse-Agentur, umfangreiche Umbauten an Motor oder Abgasanlage von Autos mit hohem Schadstoffausstoß seien nach wie vor ein Thema. „Ich bin verwundert, dass Bundeskanzlerin Merkel und Bundesverkehrsminister Scheuer offenbar die Automobilherstellenden nun ohne Not aus der Verantwortung entlassen.“ Die Sozialdemokraten sähen auch nach der Kabinettsklausur in Meseberg weiter die Konzerne in der Pflicht, Hardware-Nachrüstungen bei Dieselwagen vorzunehmen.

Althusmann, der Kontrolleur bei VW ist, äußerte Verständnis für den Wunsch vieler Verbraucher nach Unterstützung. Die Hersteller müssten noch mehr auf die Dieselfahrer zugehen, sagte der Unionspolitiker im Deutschlandfunk. Kunden dürften nicht Fehler der Konzerne bezahlen. „Das geht natürlich nicht“, sagte Althusmann. „Hier muss man ein wenig mehr Bereitschaft zeigen, auch gemeinsam mit Bund und Ländern nach Lösungen zu suchen, wenn es beispielsweise um den Fonds geht, in den Industrie und Bund einzahlen sollen.“ An dem Fonds wollen sich ausländische Autobauer nicht beteiligen. Hardware-Änderungen lehnen alle Hersteller bisher als zu teuer und technisch zu aufwendig ab.

Lühmann forderte, nach der Ablösung von Matthias Müller durch Herbert Diess an der VW-Spitze müsse es „ernsthafte und harte“ Gespräche über von den Autobauern bezahlte Nachrüstungen geben. Merkel und Scheuer müssten sich des Themas annehmen: Aus der Sicht von Umweltverbänden reicht das Aufspielen neuer Programme nicht aus, um die Emission gesundheitsschädlicher Stickoxide genug zu senken. In vielen Städten werden Schadstoff-Grenzwerte überschritten, Dieselautos sind ein Hauptverursacher. Es drohen deshalb Fahrverbote. Volkswagen-Aufseher Althusmann räumte ein, die Probleme der Dieselfahrer müssten ernster genommen werden: „Ich kann die Empörung vieler Menschen verstehen.“ In der Frage möglicher Hardware-Umbauten gelte es, weitere, genauere Prüfungen zu unternehmen. „Was kosten die tatsächlich? Es hängt auch mit Genehmigungsprozessen, Auswirkungen auf den Motor, Garantien zusammen.“ Die Berufung des bisherigen Kernmarken-Chefs Diess an die Konzernspitze von Volkswagen sei ein wichtiger Schritt gewesen. „Ich denke, dass es auch so etwas wie ein Befreiungsschlag war, zweieinhalb Jahre nach der Diesel-Affäre Strukturen neu zu ordnen“, sagte Althusmann. Volkswagen sei in seiner bisherigen Gliederung „sehr breit aufgestellt“ gewesen. Das Thema Vernetzung von Fahrzeugen jetzt etwa beim neuen Vorstandschef Diess anzusiedeln, sei durchaus eine sinnvolle Entscheidung, so Aufsichtsrat Althusmann.