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Vier neue Messen für Saarbrücken

Für den Messestandort am Schanzenberg soll die Projekt-Gesellschaft Giu baldmöglichst eine neue Nutzung finden. Foto: Becker & Bredel
Für den Messestandort am Schanzenberg soll die Projekt-Gesellschaft Giu baldmöglichst eine neue Nutzung finden. Foto: Becker & Bredel FOTO: Becker & Bredel
Saarbrücken. Die Zukunft der Messe soll rund um die Saarbrücker Congresshalle stattfinden. Doch diese Zukunft ist noch Jahre entfernt. So lange will die Stadt das Messewesen mit kleinen Fachveranstaltungen am Leben halten. Joachim Wollschläger

Die Saarmesse wird es in der bisherigen Form als große Verbrauchermesse nicht mehr geben. Stattdessen soll sie in vier Teil-Messen aufgespalten werden. In Planung ist demnach eine Messe "Bauen & Handwerk" im April im E-Werk, eine Messe "Einrichten & Wohnen" im September in der Congresshalle, eine Messe "Haushaltswaren & Tischkultur" im Oktober im E-Werk sowie eine speziell auf Essen und Trinken spezialisierte Messe im November im E-Werk. All diese Messen sollen dann durch ein Zelt ergänzt werden. Dieses Konzept wurde gestern Abend dem Aufsichtsrat der Messegesellschaft vorgestellt. Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD ) betonte auf Anfrage, dass dies noch der Planungsstand sei: "Wir werden kommende Woche mit dem Ausstellerbeirat der Saarmesse reden und das neue Messekonzept vorstellen."

Eine Fortführung der Saarmesse auf dem Messegelände , wie es von einigen Ausstellern gefordert wurde, würde dagegen Millionenkosten mit sich bringen. Das zeigt eine Modellrechnung, die gestern ebenfalls Thema im Aufsichtsrat war. Demnach wird zwar für dieses Jahr ein geringerer Verlust erwartet als in den Vorjahren - voraussichtlich werde er unter 600 000 Euro liegen. Doch bei einem Weiterbetrieb des Messegeländes würden zusätzliche Millionenkosten auf die Stadt zukommen. Der Grund dafür: Aktuell gibt es für die Veranstaltungen nur noch Ausnahmegenehmigungen bis März 2017. Danach müssten Brandschutzvorrichtungen auf dem Gelände nachgerüstet werden. Die Kosten dafür liegen den Planungen zufolge bei vier bis fünf Millionen Euro.

Wie bereits angekündigt, wird es deshalb für die Messen andere Standorte geben. Nur die Intermoto soll noch ein letztes Mal im März 2017 auf dem Messegelände am Schanzenberg stattfinden. Grund dafür sind die Rennstrecken, die für den Motorsport-Event Supermoto benötigt werden. Danach ist die Intermoto ohne Supermoto geplant. Die Messe "Freizeit und Reisemarkt" soll dagegen bereits im kommenden Januar im E-Werk stattfinden.



Ziel dieses neuen Konzeptes ist es, das Potenzial an Kunden und Ausstellern, das die bisherigen Messen bieten, bis zum Aufbau des neuen Messestandortes rund um die Congresshalle zu binden. Parallel zum Kauf der Saarmesse durch die Stadt hatten Stadt und Land gemeinsam den Aufbau eines Messe- und Kongresszentrums an der Congresshalle beschlossen. Bestehende Messen sollen dort ebenso eingebunden werden wie künftige Kongressmessen.

Mit dem Wegfall des Messegeländes, das die städtische Projekt-Gesellschaft Giu jetzt für eine Vermarktung vorbereiten soll, sollen die Fixkosten der Messe, die das Gros der Verluste ausmachen, deutlich sinken. Denn nur der Erhalt der Messegesellschaft - ohne jede Veranstaltung - kostet jährlich knapp 1,6 Millionen Euro. Daher drängt die Stadt seit langem auf eine Kooperation mit der Congressgesellschaft CCS, die Congress- sowie Saarlandhalle betreibt und die Stadt und Land gemeinsam gehört. Dadurch ließen sich etwa die Personalkosten von über einer halben Million Euro senken. Auch beim neuen Messekonzept geht die Stadt von niedrigeren Personalkosten aus. So sei es möglich, Mitarbeiter zeitweise in der Stadtverwaltung einzusetzen und das Messe-Team zu verkleinern.

Meinung:

Brauchbares Provisorium

Von Merkur-Mitarbeiter Joachim Wollschläger

Die Messe ist tot, es lebe die Messe. Mit dem neuen Konzept beschreitet die Stadt einen gangbaren Weg, um das bestehende Potenzial bis zum Aufbau eines neuen Messe- und Kongressstandortes rund um die Congresshalle zu retten. Das Messegelände weiter zu halten, war jedenfalls kein Weg. Denn wann sich Stadt und Land auf den Bau der neuen Messe einigen, ist völlig offen. Und dass eine Haushaltsnotlage-Stadt Millionen in ein Gelände steckt, das keine Zukunft mehr als Messestandort hat, ist auch nicht zu vermitteln. Vielleicht werden die kleinen Fachmessen ja sogar so gut angenommen, dass aus dem Provisorium etwas Neues entsteht.