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Saarbrücker Gießerei in Gefahr
Verkauf von Halberg Guss rückt näher

Hier kommt kein Lkw durch, um Maschinen abzutransportieren. Dieses Signal gaben die Mitarbeiter der NHG vor dem Werkstor in Saarbrücken.
Hier kommt kein Lkw durch, um Maschinen abzutransportieren. Dieses Signal gaben die Mitarbeiter der NHG vor dem Werkstor in Saarbrücken. FOTO: dpa / Oliver Dietze
Saarbrücken. Die saarländische Landesregierung macht Hoffnung auf einen neuen seriösen Investor. Trotzdem kam es zu einer Eskalation. Von Volker Meyer zu Tittingdorf

Einerseits hat sich die Lage bei Neue Halberg Guss (NHG) erneut zugespitzt, andererseits rückt ein Verkauf offenbar näher und könnte kurz bevorstehen. Die Gewerkschaft IG Metall befürchtet, dass im Saarbrücker Werk der Gießerei Maschinen abgebaut und verlagert werden sollen. Betroffen seien Anlagen, auf denen bisher Gussteile für Autos und Lkw von Volkswagen und Daimler hergestellt worden seien, sagte Patrick Selzer, der zweite Bevollmächtigte der IG Metall Saarbrücken. Die neuen Besitzer der Maschinen hätten sich die Anlagen angeschaut und Fotos gemacht. Die Gewerkschaft habe die Mitarbeiter informiert und eine Protestveranstaltung vor dem Werks­tor organisiert. „Wir haben die Zufahrt blockiert. Hier kommt kein Lkw durch“, um Maschinen wegzuschaffen, sagte Selzer. Das Unternehmen selbst wollte keine Stellungnahme zu den Vorgängen abgeben, wie ein Sprecher sagte. Um die Liquidität zu sichern, hatte die Neue Halberg Guss nach eigener Darstellung Maschinen verkauft und zurückgemietet.

„Da wird ein bisschen gezockt“, sagte der saarländische Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Barke (SPD) über das Vorgehen des Firmeneigners, der umstrittenen Prevent-Gruppe, die der bosnischen Unternehmerfamilie Hastor gehört. Er glaubt nicht, dass Maschinen, die für die Zukunft des Unternehmens wichtig sind, wirklich abgebaut werden sollen. Denn ein Verkauf stehe kurz bevor, und Prevent mache Druck in den Preisverhandlungen. Barke rechnet mit einer „Verständigung bis Ende dieses Monats“. Die Details könnten dann bis Jahresende geklärt sein, sodass eine Übernahme durch den neuen Investor zum 1. Januar greifen könnte.

Als voraussichtlichen Käufer nannte Barke das Frankfurter Finanzberatungsunternehmen One Square Advisors, das in Fachkreisen als renommiert gelte und viel Erfahrung mit Sanierungen habe. Vertreter des Unternehmen haben nach Angaben des Staatssekretärs ein Zukunftskonzept für die Neue Halberg Guss vorgestellt. Demnach sollen beide Standorte erhalten bleiben. Die Zahl der Beschäftigten soll um 250 bis 300 sinken, hieß es. Da von den bisher 2200 Mitarbeitern nach Informationen unserer Zeitung nur noch rund 1900 im Unternehmens sind, plant One Square Advisors anscheinend mit etwa 1600 bis 1650 Beschäftigten. Um die Zukunft der Motorblock-Gießerei zu sichern, wird mit Investitionen in der Größenordnung von knapp 60 Millionen Euro kalkuliert. Der Großteil von 40 bis 50 Millionen entfällt auf Saarbrücken.



Das Land wolle sich im Umfang von 40 bis 50 Millionen Euro an der Rettung der Neue Halberg Guss beteiligen, kündigte der Staatssekretär an. Dabei gehe es zum einen um Hilfen, zum anderen um Bürgschaften für die Zukunftsinvestitionen. Im Gegenzug verlange das Land aber Mitspracherechte, sagte Barke. Nur unter der Bedingung, dass man Einfluss bekomme, unter anderem auf die Besetzung der Geschäftsführerposten, sei das Engagement denkbar.

Seit Wochen ist von einem Verkauf die Rede. Im Sommer waren die Schlichtungsgespräche über einen Sozialplan unterbrochen worden, um Verkaufsverhandlungen voranzutreiben. Eine Einigung schien zum Greifen nahe. Selbst Prevent hatte Hoffnung gemacht. Dann kam aber doch keine Einigung zustande.

Die Produktion in Saarbrücken steht aber weiterhin still, weil die NHG keinen Schrott geliefert bekommt. Seit Montag werden keine Teile gegossen. Bis Anfang kommender Woche ist keine Lösung in Sicht. Bei den Kollegen in Leipzig drohte aus demselben Grund ebenfalls ein Produktionsstopp. Laut Selzer ist die Schrottversorgung dort aber inzwischen gesichert. In beiden Werken wurde eine Stilllegung wegen Streits mit dem Stromversorger in letzter Minute abgewendet. Der Betriebsratsvorsitzende Bernd Geier hatte am Mittwoch noch gewarnt, dass die Zukunft des Saarbrücker Werks akut gefährdet sei.

Am Freitag hat der Betriebsrat der NHG nun juristische Schritte eingeleitet, um den befürchteten Abtransport der Maschinen zu verhindern. Aus Sicht der Arbeitnehmervertretung wäre eine Verlagerung von Anlagen ein unzulässiger Vorgriff auf Maßnahmen, über die Betriebsrat und Management demnächst vorm Arbeitsgericht erst verhandeln wollen.

Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Barke (SPD) macht den Beschäftigten Hoffnung.
Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Barke (SPD) macht den Beschäftigten Hoffnung. FOTO: SHS Strukturholding Saar - Peter Kerkrath / Peter Kerkrath