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USA schauen auf französischen TGV

Paris. Die Vereinigten Staaten suchen in Europa nach Vorbildern, um mit jahrzehntelangem Verzug auch schnellere Züge einzuführen

Paris. Die Vereinigten Staaten suchen in Europa nach Vorbildern, um mit jahrzehntelangem Verzug auch schnellere Züge einzuführen. "Wir wollten zuerst in das Land kommen, das bei Hochgeschwindigkeitszügen den Anfang gemacht hat", sagte gestern US-Verkehrsminister Ray LaHood in Paris, wo er eine Probefahrt mit dem TGV (Train à Grande Vitesse, zu Deutsch: Zug mit hoher Geschwindigkeit) machte. "In Amerika fangen wir gerade damit an, was Sie hier in Europa schon seit langem und sehr erfolgreich machen." Das französische System sei "großartig", lobte der Minister, der sich auch in Deutschland und Spanien umschauen will. Europa sei führend bei Hochgeschwindigkeitszügen, sagte LaHood, aber auch in Asien gebe es Länder, die darin gut seien. "Wir wollen von Ihnen allen lernen." Der Chef der französischen Bahn SNCF, Guillaume Pepy, gab sich zurückhaltend. Die SNCF sei ein Kandidat für eine mögliche Zusammenarbeit mit den USA, sagte er. "Aber wir sind nicht die einzigen, es gibt noch die Deutschen, die Japaner, die Spanier. . ." Frankreichs Verkehrsminister Dominique Bussereau will kommende Woche mit Vertretern der SNCF und des Industriekonzerns Alstom - der den TGV baut - in die USA reisen, um das Vorhaben voranzubringen. Frankreich hat den Hochgeschwindigkeitszug 1981 eingeführt; er erreicht mittlerweile eine Spitzengeschwindigkeit von 574 Stundenkilometern. US-Präsident Barack Obama hatte im April angekündigt, dass die Bahnverbindungen in den USA für 13 Milliarden Dollar (9,8 Milliarden Euro) ausgebaut werden sollen. "Wir müssen damit beginnen, ein sauberes, energieeffizientes Verkehrssystem zu schaffen, das unsere Regionen in den kommenden Jahrhunderten prägen wird", sagte er. "Hochgeschwindigkeitsverbindungen auf der Schiene sind längst überfällig." Das Bahnprojekt soll mit acht Milliarden Dollar aus dem 787 Milliarden Dollar schweren Konjunkturpaket finanziert werden. afp