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Weltwirtschaftsordnung
Trump gefährdet den „Geist von Bretton Woods“

 US-Präsident Donald Trump setzt auf  Nationalismus statt Multilateralismus
US-Präsident Donald Trump setzt auf Nationalismus statt Multilateralismus FOTO: AP / Alex Brandon
Washington. Der internationale Handel ist unter Druck, Nationalstaaten bauen Handelsbarrieren auf, einzelne Länder werten ihre Währungen ab, um sich Vorteile auf den Exportmärkten zu verschaffen. Die Wirtschaftsseiten der Medien sind derzeit voll von wirtschaftspolitischen Phänomenen dieser Art. Sehr ähnliche haben in den 1930er Jahren zur großen Weltwirtschaftskrise geführt und 1944 zur Konferenz von Bretton Woods, wo 44 Länder Besserung gelobten und bis zum 22. Juli das aus der Taufe hoben, was heute Internationaler Währungsfonds (IWF) und Weltbank mit Sitz in Washington D.C. sind. Von Michael Donhauser

Die Führung am Fuße des Mount Washington im US-Bundesstaat New Hampshire hatten damals vor allem zwei Länder: die USA und Großbritannien. Beide Länder werden 75 Jahre später eher als Problem angesehen. Der Brexit könnte Großbritannien in ein Handelsabkommen mit den USA zwingen, dessen Regeln vor allem von einem bestimmt werden: US-Präsident Donald Trump. Und dessen Radar ist darauf ausgerichtet, multilaterale Systeme wie Weltbank und IWF in ihrer Macht zugunsten von Nationalstaaten zu beschneiden.

Das wirtschaftliche System, das die Finanzminister und Notenbankchefs damals im Wintersportort Bretton Woods festklopften, sollte die Nachkriegsära maßgeblich prägen. Der Konsens bestand aus zwei Eckpfeilern: Die Teilnehmerstaaten binden ihre Währung an den US-Dollar und weichen nur innerhalb eines bestimmten Rahmens von ihm ab – das sollte Abwertungsspiralen mit hohen Inflationsausschlägen vermeiden, wie es sie in den 1930er Jahren gegeben hatte. Im Gegenzug koppelten die USA den Dollar an den Kurs des Goldes – und versprachen, ihre Währung im Zweifel auch in Gold umzutauschen.

Das System brach 1973 zusammen, als die USA ausstiegen. Der IWF war dann schon stabil genug, um das auszuhalten. Und die Amerikaner waren dank ihrer Wirtschaftskraft und geopolitischen Stärke kräftig genug, um auch weiterhin die dominierende Rolle zu spielen.



In den 1980er und 1990er Jahren galten Schlagworte wie Freier Markt, Deregulierung, Privatisierung als Maxime. Vor allem in den armen Ländern Afrikas hat diese mit Hilfe sogenannter Strukturanpassungsprogramme (SAP) durchgesetzte Politik nach Auffassung renommierter Ökonomen zu negativen Langzeitfolgen geführt. Aus dieser Zeit mag ein Teil der schwierigen Reputation stammen, die den Washingtoner Institutionen bis heute nachhängen. Vor und während der jüngsten Finanzkrise waren die Gebäude von IWF und Weltbank Schauplatz riesiger Demonstrationen von Globalisierungsgegnern. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Weltbank und IWF setzen sich öffentlich für das ein, was die Demonstranten einst von ihnen forderten – eine bessere Verteilung auf dem Wohlstandsgefälle und Kampf gegen die Armut.

Das Risiko für den viel beschworenen „Geist von Bretton Woods“, dem vor allem die Überzeugung innewohnt, dass internationale Zusammenarbeit besser ist für Frieden und Wohlstand als protektionistischer Nationalismus, sitzt inzwischen im Weißen Haus. Der internationale Handel, von Präsident Franklin D. Roosevelt damals als „Arterie der Weltwirtschaft“ bezeichnet, die nicht sinnlos verstopft werden dürfe, leidet unter Trumps „America-First“-Politik. Die große Befürchtung ist, dass Trump das weltweite Wachstum langfristig schmälert und somit – bei wachsender Weltbevölkerung – das Thema Hunger und Armut wieder präsenter wird. Dass in den vergangenen 30 Jahren eine Milliarde Menschen aus der bitteren Armut befreit wurden, gehört zu den Tatsachen, auf die IWF und Weltbank heute stolz sind.