| 23:21 Uhr

Handelsstreit mit den USA
Türkische Lira auf Zickzackkurs

 Ein 200-Lira-Schein mit dem Bild des Staatsgründers Mustafa Kemal Ataturk. Der Kurs der Lira war Freitag und Montag abgestürzt.
Ein 200-Lira-Schein mit dem Bild des Staatsgründers Mustafa Kemal Ataturk. Der Kurs der Lira war Freitag und Montag abgestürzt. FOTO: AP / Lefteris Pitarakis
Istanbul . Der Handelskrieg zwischen der Türkei und den USA schickt die türkische Währung auf Talfahrt. Jetzt gab es eine Kurserholung.

An den türkischen Finanzmärkten hat sich die Kurserholung der Lira gestern fortgesetzt. Die türkische Lira konnte gegenüber dem US-Dollar und dem Euro weiter zulegen. Gestern Nachmittag kostete ein Dollar nur noch 6,12 Lira. Auch am Vortag war die Lira wieder gestiegen. Am Montagabend lag der Preis für einen Dollar nach einem starken Absturz der Währung bei fast sieben Lira. Trotz der Erholung sind die Verluste seit Jahresbeginn dramatisch. Zum Dollar betragen sie knapp 40 Prozent, zum Euro sind es etwa 35 Prozent.

Im Streit mit den USA hat die Türkei neue Strafzölle der USA mit Sanktionen gegen die Vereinigten Staaten beantwortet. Sie heizt damit die Auseinandersetzung weiter an. Eine gestern im Staatsanzeiger veröffentlichte Liste beinhaltete 22 zusätzliche Zölle. Demnach stiegen etwa die Einführungsgebühren für US-Autos, alkoholische Getränke, für kosmetische Produkte, Tabak, Papier und Reis aus den Vereinigten Staaten.

Während aus der im Staatsanzeiger veröffentlichten Liste zunächst hervorging, dass die Einfuhrgebühren für US-Autos beispielsweise um 120 Prozent steigen sollen, stellte die Handelsministerin, Ruhsar Pekcan, nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu klar, dass es sich um eine Verdopplung der Zölle handele – im Fall der US-Autos auf 120 Prozent. Die Einfuhrgebühren für alkoholische Getränke aus den USA stiegen etwa auf 140 Prozent, die für kosmetische Produkte und Tabak auf 60 Prozent, die für Papier oder Reis auf 50 Prozent.



Am Vortag hatte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan angekündigt, elektronische Produkte aus den USA zu boykottieren. Er erwähnte auch die iPhones des Herstellers Apple. Bürger forderte er auf, Samsung-Handys oder Mobiltelefone aus türkischer Produktion zu kaufen. Zusätzliche Zölle auf elektronische Geräte oder ein Einfuhrverbot fanden sich in der Liste aber nicht. Erdogans Sprecher, Ibrahim Kalin, sagte, die Türkei wolle keinen „Wirtschaftskrieg“, sein Land müsse sich aber wehren, wenn es angegriffen werde.

Hintergrund des Streits ist das Schicksal des in der Türkei wegen Terrorvorwürfen festgehaltenen US-Pastors Andrew Brunson. Die USA fordern seine sofortige Freilassung. Aus Frustration über mangelnde Fortschritte in den Verhandlungen hatte US-Präsident Donald Trump am vergangenen Freitag Zölle auf die Einfuhr von türkischem Stahl und Aluminium stark erhöht. Erdogan sprach daraufhin von einem „Wirtschaftskrieg“. Die Türkei dagegen fordert seit Langem von den USA die Auslieferung des Predigers Fetulah Gülen. Erdogan macht ihn für den Putschversuch von 2016 verantwortlich.