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Türen schließen bis zu 20 Sekunden früher

 Es bleiben nur noch Sekunden, bis die Zugtüren schließen. Foto: Christoph Schmidt/dpa
Es bleiben nur noch Sekunden, bis die Zugtüren schließen. Foto: Christoph Schmidt/dpa FOTO: Christoph Schmidt/dpa
Berlin. Wer mit dem ICE fahren will, sollte lieber nicht mehr auf den letzten Drücker an den Bahnsteig kommen. Denn die Türen schließen früher, damit die Züge auf die Sekunde pünktlich losfahren können. Agentur

Jede Sekunde zählt im großen Programm der Deutschen Bahn für mehr Pünktlichkeit. Damit die ICE und Intercity auf die Sekunde genau die Bahnhöfe verlassen, schließen neuerdings die Türen früher. Seit dem 17. Oktober startet die Bandansage schon 45 Sekunden vor Abfahrt, die Türen des Zuges schließen 30 bis 15 Sekunden, bevor der Zug anfährt. Bisher waren es nur zehn Sekunden. "Bis auf wenige Ausnahmen" habe sich das neue Abfertigungsverfahren als unproblematisch erwiesen, sagte ein Bahnsprecher.

Bahnchef Rüdiger Grube räumte ein, dass das für die Fahrgäste eine Umstellung sei. "Da müssen wir die Kunden mitnehmen. Das müssen wir gut erklären, aber wir sind stolz darauf, dass wir da deutlich besser sind als in der Vergangenheit." Die Deutsche Bahn erwartet in diesem Jahr im Fernverkehr eine Pünktlichkeitsquote von knapp 80 Prozent. Im vorigen Jahr lag die Quote bei 74,4 Prozent. Bis 2019 sollen es 85 Prozent sein.

Beim neuen vorzeitigen Schließen der Türen an Fernzügen der Deutschen Bahn muss aus Sicht des Fahrgastverbands Pro Bahn ein Schlupfloch für spät eintreffende Reisende bleiben. "Man muss sehen, dass die letzte Tür - dort wo der Zugbegleiter einsteigt - bis ganz kurz vor der Abfahrt offen bleibt", sagte der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Generell sei es aber ein begrüßenswerter Schritt zu mehr Pünktlichkeit, wenn die Zugtüren 15 Sekunden vor der Abfahrt schließen. Notwendig sei aber auch eine bessere Information.



Seit dem 17. Oktober wird die Abfahrt der ICE und Intercity-Züge etwas früher eingeleitet. Die Türen schließen bereits 30 bis 15 Sekunden, bevor der Zug sich in Bewegung setzt. So kann er auf die Sekunde genau den Bahnhof verlassen. Bei SWRinfo warnte Naumann davor, die Türen noch früher zu schließen. "Viele Pendler kommen eben 30 Sekunden vorher auf den Bahnsteig und sehen dann nur noch verschlossene Türen. So kann man das nicht machen." Die Bahn müsse auch ihre Kunden am Bahnsteig besser informieren, sagte Naumann der dpa. Mitarbeiter müssten Gruppen beim Ein- und Aussteigen auf mehrere Zugtüren verteilen. Es müsse auch immer klar sein, wo das Fahrradabteil und die erste Klasse zu finden sind. "Das hilft, dass die Züge pünktlich abfahren", sagte Naumann. "Da muss die Bahn noch deutlich mehr tun." Die Bahn will ihre Konzerntöchter Arriva und Schenker nun vorerst doch nicht an die Börse bringen. Der Vorstand werde dem Aufsichtsrat bei der Sitzung am 14. Dezember sagen, "dass wir auf Basis der aktuellen Einschätzung einen Börsengang nicht empfehlen können", sagte Vorstandschef Rüdiger Grube . Hintergrund des Kursschwenks ist das Votum der Briten für einen EU-Austritt ihres Landes. Die Bahn wollte bis zu 45 Prozent ihrer britischen Tochter Arriva an die Londoner Börse bringen. Zusammen mit dem Teilverkauf der internationalen Logistiksparte Schenker sollte das zusätzliche 4,5 Milliarden Euro für ein groß angelegtes Investitionsprogramm einbringen. "Durch den Brexit hat sich die Welt leider grundlegend verändert", sagte Grube und verwies dabei auf die Abwertung des britischen Pfunds. "Wir würden also Geld aus dem Fenster werfen - und ein solches Handeln wäre töricht."

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU ) unterstützte Grubes Brexit-Argument. Zudem senke die jüngst angekündigte Finanzspritze des Bundes für die Bahn den Druck, zusätzliche Einnahmen zu erzielen. "Deswegen ist es wahrscheinlich eine richtige Idee von Herrn Grube zu sagen: Momentan steht der Börsengang von Schenker und Arriva nicht an", sagte Dobrindt.

Meinung:

Pünktlich ist besser

Von Merkur-Mitarbeiter Volker Meyer zu Tittingdorf

Abfahrt zwölf Uhr bedeutet nicht, dass erst um zwölf Uhr die Türen schließen. Das galt schon immer, scherte aber weder Bahn noch Fahrgäste. Eine kleine Verspätung war einkalkuliert. Es ist aber richtig, auf die Sekunden zu achten. Denn nur Pünktlichkeit gibt die Gewähr, das Ziel nach Plan zu erreichen. Das erwarten Reisende mit Recht von der Bahn. Doch obwohl jede Sekunde zählt, muss die Bahn auch warten können - auf verspätete Umsteiger. Sie dürfen nicht vor verschlossenen Türen stehen.