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Tesla will Patente offenlegen

Palo Alto. US-Milliardär und Tesla-Eigner Elon Musk liebt es, mit seinen Ideen erstarrte Branchen aufzumischen. Nun will er mit einem unkonventionellen Vorstoß dem Elektroauto zum Durchbruch verhelfen. dpa-MitarbeiterDaniel Schnettler

Während sich andere Firmen hitzige Schlachten um den Schutz ihres geistigen Eigentums liefern, bringt sich Elon Musk mit einer verrückten Idee weltweit in die Schlagzeilen. Der 42-jährige Milliardär mit dem jugendlichen Auftreten will die Technik seiner erfolgreichen Elektroauto-Firma Tesla der Konkurrenz zur Verfügung stellen. "Alle unsere Patente gehören Euch", verkündete Musk vollmundig. Seine erklärte Motivation: Dem Elektroauto zum Durchbruch verhelfen. Der nicht ganz uneigennützige Nebeneffekt, wenn der Plan aufgeht: Der Markt für Elektroautos würde sich kräftig ausweiten und Teslas Technik würde zum Industriestandard.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Musk eine Branche mit den Ideen eines Außenseiters aufmischt. Das ist ihm schon mit dem Dienst Paypal gelungen, der das Bezahlen übers Internet salonfähig machte. Mit SpaceX stieg Musk binnen weniger Jahre zu einem der bedeutendsten Spieler in der Raumfahrt auf. Seine Falcon-Raketen versorgen im Auftrag der US-Behörde NASA die internationale Raumstation ISS . Bislang nur Zukunftsmusik ist Hyperloop - eine Kapsel für den Personenverkehr, die mit beinahe Schallgeschwindigkeit in Röhren verkehren und das Reisen revolutionieren so ll.

"Ich will bei Dingen mitwirken, die einen deutlichen Unterschied für die Zukunft der Menschheit machen", erläuterte Musk einmal seine Motivation. Das nötige Wissen eignete sich der gebürtige Südafrikaner beim Physik- und Wirtschaftsstudium an der University of Pennsylvania an. Dann ging er ins Tech-Mekka Silicon Valley . Er gründete die Internetfirmen Zip2 und Paypal mit, verkaufte sie und kassierte dabei seine ersten Millionen. Heute taxiert das US-Magazin "Forbes" sein Vermögen auf 8,2 Milliarden Dollar - vor allem dank seiner Anteile an Tesla.

Seine waghalsigen Abenteuer bringen Musk zwischendurch aber immer wieder an seine Grenzen, auch an seine finanziellen. Tesla wurde in der Anfangszeit von einem Streit unter den Gründern geplagt. Die Entwicklung des ersten Elektroautos stockte, und dann brach auch noch die Wirtschaftskrise 2009 herein. Doch Musk bewies einen langen Atem - und landete schließlich mit der noblen Elektrolimousine Model S einen Volltreffer. Im vergangenen Jahr setzte Tesla 22 500 der Wagen ab. In diesem Jahr sollen es mehr als 35 000 Stück werden. Nach den USA und Europa ist der Wagen mittlerweile auch in China zu kaufen. Momentan ist das Auto jedoch eher ein Spielzeug für die Reichen - kein Wunder bei einem Grundpreis von fast 66 000 Euro. Das kommende Elektro-SUV Model X soll günstiger werden, dürfte für den Massenmarkt aber immer noch eine Spur zu teuer sein. Zudem bleibt das Problem der vergleichsweise geringen Reichweite der Elektroautos. Musk könnte mit seinem Vorstoß, die Patente freizugeben, beide Stolpersteine aus dem Weg räumen: Zum einen dürften die Preise vor allem für Batterien rapide fallen, wenn mehr Autohersteller auf den Elektroantrieb setzten. Zum anderen lohnte sich der Aufbau eines flächendeckenden Netzes an Ladestationen - natürlich mit Teslas Supercharger-Technik.

Starthilfe von den Schwergewichten der Autobranche könnte Tesla durchaus gebrauchen. Zwar steigen die Stückzahlen des Model S beständig, doch die teure Entwicklung des Model X und der Ausbau des weltweiten Vertriebs gehen kräftig ins Geld. Zuletzt schrieb Tesla hohe Verluste. Musk: "Unsere wahre Konkurrenz ist nicht das kleine Rinnsal an Elektroautos, die nicht von Tesla produziert werden, sondern die große Flut an Autos mit Verbrennungsmotor, die sich jeden Tag aus den Fabriken dieser Welt auf die Straßen ergießt."