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Quereinsteiger
Vom Autoschrauber zum veganen Koch

 Sven Zimmer lebt nicht nur vegan, sondern kocht auch für andere völlig ohne tierische Produkte. Ein veganes Café zu führen ist im Saarland nicht ganz einfach, aber trotzdem steckt er viel Arbeit in „Tante Emmas Veganeria“ in Saarbrücken. Gerade erst hat er das Café nach einem Umbau neu eröffnet.
Sven Zimmer lebt nicht nur vegan, sondern kocht auch für andere völlig ohne tierische Produkte. Ein veganes Café zu führen ist im Saarland nicht ganz einfach, aber trotzdem steckt er viel Arbeit in „Tante Emmas Veganeria“ in Saarbrücken. Gerade erst hat er das Café nach einem Umbau neu eröffnet. FOTO: Aline Pabst
Saarbrücken. Sven Zimmer ist eigentlich Kfz-Mechaniker. Dann sattelte er um und führt nun das einzige vegane Café Saarbrückens. Von Aline Pabst

Sven Zimmer ist jemand, den man sich gut mit einem dicken Fleischkäsweck in der Hand vorstellen kann. Beim Interviewtermin trägt er Blaumann, seine kräftigen Arme sind tätowiert, und wenn er spricht, dann im breiten Saarbrücker Platt. Der ehemalige Kfz-Mechaniker ist nicht der erste Handwerker, der sich irgendwann entschlossen hat, ins Gastronomiefach zu wechseln – wohl aber vermutlich der einzige, der ein rein veganes Café führt.

Zumindest in Saarbrücken. Inzwischen haben die meisten Restaurants vegetarische oder vegane Alternativen auf der Karte, aber komplett vegane Angebote sind selten – auch im Rest des Bundeslandes. Dabei weiß der 40-Jährige, dass ein solches Konzept ausgerechnet in der Heimat schwieriger umzusetzen ist als etwa in Berlin oder München. „Wir sind halt das Land der Denker und Schwenker“, erklärt er schief grinsend. Er gibt offen zu, dass die Geschäfte bisher schleppend liefen. Aber trotzdem ist die „Tante Emmas Veganeria“ im Nauwieser Viertel in Saarbrücken für Zimmer eine Herzensangelegenheit, die Gäste seien fast wie eine Familie.

Dabei hat Zimmer jahrelang sehr viel Fleisch gegessen – weil er das Protein brauchte, fürs Krafttraining. „Dabei geht das pflanzenbasiert sehr viel besser“, sagt er heute. Das Fleisch dagegen habe ihn krank gemacht. Nachdem ein Schulterbruch dann auch einfach nicht heilen wollte, fing er an, sich mit Ernährung zu beschäftigen. „So gab eins das andere.“ Ethische Gründe gebe es auch genug: „Dieses Elend wollte ich nicht mehr unterstützen.“ Seit 2013 ernährt er sich nur noch vegan, 2016 hat er schließlich das Café übernommen und ist seitdem Wirt, Koch und Kellner in Personalunion.



Eine Idee, die aus Langeweile entstand. „Ich wusste damals nicht wirklich, was ich mit meinem Leben anfangen soll.“ Bedenken hatte er bei der Geschäftsübernahme aber nicht, schließlich habe er schon immer gerne gekocht und gebacken. Darüber hinaus bietet er vegane Feinkost an, die es nicht überall zu kaufen gibt. Vor allem seine Käseauswahl sei sehr beliebt. Er führt veganen Camembert, der aus Cashew-Nüssen hergestellt wird – schwer vorstellbar, kommt aber erstaunlich nahe ans Original heran.

Das jedenfalls bestätigen ihm seine Gäste, von denen die meisten keine Veganer sind. Einen Widerspruch sieht er darin nicht: Willkommen sind schließlich alle, egal ob sie komplett auf tierische Produkte verzichten oder einfach ein wenig ihren Fleischkonsum reduzieren möchten. Nur wer bei ihm arbeiten will – er beschäftigt zwei Aushilfen – sollte selbst vegan leben.

Darüber hinaus sieht er es nicht als seine Aufgabe, seine Gäste zu bekehren. Das Klischee des ewig missionierenden Veganers sei ohnehin falsch. Eher wären es die Fleischesser, die in Bezug auf ihre Ernährung sehr empfindlich seien: Beim Straßenfest im Nauwieser Viertel wurden ihm und seinen Mitarbeitern der kostenlose Kuchen vor die Füße gespuckt, Eltern hätten ihre Kinder eilig von seinem Stand weggezogen.

Dennoch: Immer mehr Menschen bemühen sich, wenigstens ab und zu auf tierische Produkte zu verzichten (siehe Artikel rechts). Auch Supermärkte und Discounter bauen ihr Angebot immer weiter aus. Konkurrenz für Zimmer – aber letztendlich auch aus seiner Sicht eine erfreuliche Entwicklung. Gibt es bei ihm trotzdem etwas, was Aldi, Lidl und Co. nicht bieten können? Er stutzt kurz, dann blitzen seine Augen. „Wir haben die geilsten Torten in ganz Saarbrücken!“, behauptet er breit grinsend. Nun, davon muss sich wohl jeder selbst überzeugen. Am 21. Januar hat Zimmer das Café wieder eröffnet, nachdem er es eigenhändig renoviert hat. Schließlich kann man auch als hart arbeitender Handwerker vegan leben – und bleibt trotz selbstgewählter Fleischkäs-Abstinenz ein waschechter Saarländer.

„Tante Emmas Veganeria“, Rotenbergstraße 28, 66111 Saarbrücken.