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Leipzig/Werne
Streiks legen Amazon-Standorte lahm

 Erneut nutzt die Gewerkschaft Verdi das Vorweihnachtsgeschäft, um beim Versandhändler Amazon einen Tarifvertrag für die rund 16  000 Beschäftigten  durchzusetzen.
Erneut nutzt die Gewerkschaft Verdi das Vorweihnachtsgeschäft, um beim Versandhändler Amazon einen Tarifvertrag für die rund 16  000 Beschäftigten  durchzusetzen. FOTO: dpa / Peter Endig
Leipzig/Werne. Die Gewerkschaft Verdi will einen Tarifvertrag durchsetzen. Der Versandhändler garantiert die Päckchen-Zustellung bis Weihnachten.

Mitten im Weihnachtsgeschäft hat die Gewerkschaft Verdi erneut zu Streiks beim Versandhändler Amazon aufgerufen. An den Standorten Leipzig und Werne legten Beschäftigte zum Wochenbeginn in der Frühschicht die Arbeit nieder. „Es besteht die Gefahr, dass Weihnachtsgeschenke nicht rechtzeitig ankommen“, sagte ein Sprecher von Verdi in der Nacht zum Montag. Der Versandhändler Amazon widersprach dem. Die Gewerkschaft kämpft seit 2013 erfolglos für einen Tarifvertrag für die rund 16 000 Beschäftigten des US-Händlers in Deutschland.

Verdi rief Amazon-Mitarbeiter des Versandhandelszentrum Sachsen in Leipzig auf, bis Heiligabend zu streiken. Am Standort Werne in Nordrhein-Westfalen sollen sie zunächst bis zum heutigen Dienstagabend streiken. Der Ausstand könnte jedoch bald auf mehr Standorte und längere Zeit ausgeweitet werden, sagte ein Sprecher. Die Gewerkschaft hatte die Beschäftigten am Standort Rheinberg nahe Duisburg bereits vergangene Woche zum Arbeitskampf aufgerufen.

Amazon erklärte, an den Streiks in Leipzig und Werne am Montag in der Früh hätten weniger als 350 Mitarbeiter teilgenommen. Sorgen, dass Geschenke nicht rechtzeitig zu Weihnachten ankommen könnten, bräuchten sich Kunden nicht zu machen. Solche Gedanken seien unbegründet. Man sei gut auf eventuelle Aktionen vorbereitet.  „Der Streik hat keinen Einfluss auf die Einhaltung unseres Lieferversprechens“, hieß es. Die „überwältigende Mehrheit“ der Mitarbeiter an den Standorten arbeite normal.



Mit dem Streik will die Gewerkschaft Verdi die Forderung unterstreichen, Arbeitsbedingungen tarifvertraglich zu regeln. Die Gewerkschaft fordert Amazon seit mehr als fünf Jahren dazu auf, Tarifverhandlungen analog zum Einzel- und Versandhandel zu führen. Der US-Konzern lehnt dies ab. Amazon sieht sich als Logistikunternehmen und verweist darauf, dass die Bezahlung in den elf deutschen Versandzentren am oberen Ende dessen liege, was in der Logistikbranche üblich sei.

Amazon biete den Mitarbeitern in den Versandzentren des Unternehmens Überstundenzuschläge an, Boni bei einer entsprechenden Leistung, berufliche Ausbildung sowie die Möglichkeit, Mitarbeiteraktien zu erwerben, heißt es vom Unternehmen. Die Beschäftigten hierzulande stiegen mit einem Lohn von mindestens 10,78 Euro brutto pro Stunde ein und bekämen nach einer Tätigkeit von  insgesamt zwei Jahren dann eine Entlohnung von im Schnitt knapp 2400 Euro im Monat inklusive Zusatzleistungen wie Boni.