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Steht Halberg Guss wieder vor Verkauf?

 Im Saarbrücker Werk von Halberg Guss bangen die Mitarbeiter wieder um ihre Zukunft. Foto: Becker&Bredel
Im Saarbrücker Werk von Halberg Guss bangen die Mitarbeiter wieder um ihre Zukunft. Foto: Becker&Bredel FOTO: Becker&Bredel
Saarbrücken. Leitende Mitarbeiter der brasilianischen Tupy-Gruppe haben sich wohl intensiv im Werk von Halberg Guss in Saarbrücken umgeschaut. Die Aufregung ist groß, denn Tupy wollte die Fabrik seinerzeit mal schließen. Lothar Warscheid

Für Aufregung bei den Beschäftigten der Saarbrücker Motorblock-Gießerei Halberg Guss hat diese Woche der Besuch einiger Herren gesorgt, die sich offenbar intensiv die Fabrik angesehen haben. Als die Mitarbeiter hörten, dass sich die Besucher auf Portugiesisch unterhielten, was auch in Brasilien die Amtssprache ist, "schrillten bei den Leuten die Alarmglocken", erzählt Betriebsratschef Bernd Geier.

Eine Früh- und eine Mittagsschicht habe sich nach getaner Arbeit vor den Werkstoren versammelt, "wo der Betriebsrat dann spontane Informationsveranstaltungen abgehalten hat". Dort wurde den Leuten bestätigt, dass die Besucher Abgesandte der brasilianischen Motorblock-Gießereigruppe Tupy gewesen seien.

Dieser Name ruft bei den Mitarbeitern unangenehme Erinnerungen wach. Nach der Insolvenz der Gießerei-Gruppe mit Werken in Saarbrücken und Leipzig im Frühsommer 2009 hatte sich 2010 auch Tupy für Halberg Guss interessiert. Tupy hatte damals erklärt, das Werk Saarbrücken binnen 18 Monaten schließen zu wollen, wenn man beim Kauf zum Zuge käme. "Falls die Brasilianer Halberg Guss kaufen sollten und sie ihre alten Pläne wieder aus der Schublade ziehen, wären 1300 Arbeitsplätze in Gefahr", sagt Geier. "Daher kann ich diese Aufregung verstehen."

Den Zuschlag für den Unternehmensverbund erhielt im Frühjahr 2011 die niederländische Investorengruppe HTP. Der St. Ingberter Anwalt Matthias Bayer, derzeit Generalbevollmächtigter bei Halberg Guss und Vertrauensmann von HTP, will die Vorgänge "nicht kommentieren". Er erinnert allerdings daran, dass die niederländischen Fonds-Inhaber immer betont hätten, Halberg Guss nicht dauerhaft zu behalten. Daher werde immer mal mit Interessenten gesprochen. Die Deutschland-Niederlassung von Tupy war über den Besuch "nicht informiert", hieß es auf Anfrage. "Wir wollen uns nicht dazu äußern." Halberg Guss beschäftigt in Saarbrücken und Leipzig mehr als 2000 Mitarbeiter. Die börsennotierte Tupy-Gruppe hat 12 000 Beschäftigte.