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Neue Energien
Steag setzt bei Wind auf Frankreich

In Frankreich betreibt Steag unter anderem den Windpark Woelfling-lès-Sarreguemines.
In Frankreich betreibt Steag unter anderem den Windpark Woelfling-lès-Sarreguemines. FOTO: Steag New Energies / Photographer : Raphael Maass
Saarbrücken/Essen. Die Konzerntochter Steag New Energies sieht die deutsche Windkraft-Förderung nicht mehr als lohnend an. Sie engagiert sich auch als Dienstleister. Von Lothar Warscheid

Bei an Land erzeugter Windkraft in Deutschland sieht das Energieunternehmen Steag New Energies nur noch wenig Potenzial. Die Saarbrücker Tochter des Essener Kraftwerks-Konzerns Steag erkennt in der hier üblichen Ausschreibungspraxis kein lohnendes Geschäftsmodell mehr. Stattdessen investiert das Unternehmen weiter kräftig in Windmühlen in Frankreich. „Dort lohnt es sich noch, während das deutsche weniger attraktiv ist“, sagt Dirk Klingen, Sprecher der SNE-Geschäftsführung. In Frankreich würde die Ausschreibung erst greifen, wenn in einem Windpark eine Gesamtleistung von mehr als 18 Megawatt (MW) erreicht würde. Bei allen Parks, die unter diese Leistungsgrenze fallen, werde der Stromverkauf mit durchschnittlich 7,5 Cent pro Kilowattstunde (kWh) entlohnt. „Das ist eine Einspeisevergütung, mit der man sehr gut leben kann“, sagt Markus Laukamp, Geschäftsführer Vertrieb der SNE. In Deutschland lag der höchste Zuschlag bei der letzten Auktion zwar wieder bei 6,3 Cent je kWh, er war aber bei den Auktionen im vergangenen Jahr bis auf 3,8 Cent je kWh gefallen.

Daher will SNE beim französischen Nachbarn in Zukunft zunächst ausschließlich solche Windparks errichten, die unter die 18-MW-Grenze fallen. Dies würde maximal sechs Windrädern á drei MW entsprechen. Derzeit betreibt SNE dort sieben Windparks mit einer Gesamtleistung von 94 MW. Die bevorzugten Standorte sind in Lothringen, in der Picardie und in der Bretagne. Seit Herbst vergangenen Jahres ist die Muttergesellschaft Steag nur noch mit 51 Prozent an den französischen Ökostrom-Fabriken beteiligt. Die restlichen 49 Prozent wurden an Allianz Global Investors, den Vermögensverwalter des Münchener Versicherungskonzerns, verkauft.

Ein weiteres Kerngeschäft von SNE ist die dezentrale Energieversorgung. Zu den Hauptkunden zählen Stadt- und Gemeindewerke, Wohnungsbaugesellschaften und Industrie-Unternehmen. Dort errichtet SNE Blockheizkraftwerke (BHKW), die – meist mit Gas oder Biomasse betrieben – Wärme und Strom liefern. „Rund 150 Anlagen betreut SNE derzeit bundesweit“, erläutert Thomas Billotet, Geschäftsführer Technik.



Darüber bietet das Unternehmen für größere Industriebetriebe auch sogenannte Contracting-Lösungen an. „Hierbei planen, bauen und betreiben wir die BHKW-Anlagen, die wir anschließend an die Kunden verkaufen oder verpachten“, sagt Klingen. SNE stelle sicher, dass die Anlagen jederzeit in der Lage sind, Wärme, Kälte, Strom oder Prozessdampf in ausreichender Menge liefern zu können. Wichtige Contracting-Partner sind im Saarland die Ford-Werke in Saarlouis und die Karlsberg-Brauerei in Homburg. Bei Ford ist das Unternehmen seit Kurzem auch als Contracting-Partner für die Versorgung des Werks mit Druckluft zuständig. „Das ist für uns ein ganz neues Geschäftsfeld“, sagt Vertriebs-Chef Laukamp.

Dennoch sei das Contracting-Geschäft mit der Industrie derzeit schwierig. Es sei noch immer nicht geklärt, ob die Eigenstrom-Erzeugung der Unternehmen, unter die die BHKW-Kraftpakete von SNE fallen, auch in Zukunft teilweise von der Umlage des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) befreit sind. Derzeit gilt wieder der reduzierte Satz von 40 Prozent, nachdem Anfang des Jahres kurzzeitig die volle Umlage bezahlt werden musste. „Doch rechtssicher ist das Ganze immer noch nicht. Hier brauchen wir dringend eine gesetzliche Klärung“, fordert Klingen. Die Verunsicherung bei den potenziellen Kunden sei groß.

Dennoch ist die Essener Steag-Mutter offenbar mit ihrer Saarbrücker Tochter SNE zufrieden. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr eigenen Angaben zufolge bei rund 267 Millionen Euro, das operative Ergebnis (Ebit) bei 48 Millionen Euro. SNE beschäftigt knapp 390 Mitarbeiter, davon rund 260 im Saarland. Für 2018 erwartet das Management ein leichtes Ergebnisplus bei einem stabilen Umsatz.

Eine Besonderheit an der Saar ist immer noch das Grubengas. Derzeit fördert SNE aus alten Köhleflözen jährlich noch 140 Millionen Kubikmeter dieses Energieträgers. „Damit können etwa 150 000 Menschen mit Strom versorgt werden“, sagt Technik-Geschäftsführer Billotet. Das Gas werde abgesaugt, verdichtet und über das noch vorhandene Grubengas-Netz verteilt. Im Kraftwerkspark Völklingen-Fenne stehen 14 Grubengas-Motoren, die Wärme und Strom produzieren. Das heiße Wasser fließt in die Fernwärmeschiene Saar. Der Strom wird ins Netz eingeleitet. Mit Grubengas wird zudem ein Heizkraftwerk im Neunkircher Stadtteil Wellesweiler betrieben. Die Wärme nutzt der Folienhersteller Treofan, der Strom fließt ins öffentliche Netz. Billotet geht davon aus, dass die Grubengas-Vorräte noch bis 2030 zur Verfügung stehen – allerdings mit abnehmender Tendenz. Für 2030 rechnet er noch mit 20 Millionen Kubikmetern Grubengas.

Die Geschäftsführer von Steag New Energies: Dirk Klingen (Sprecher), Thomas Billotet und Markus Laukamp (v.l.).
Die Geschäftsführer von Steag New Energies: Dirk Klingen (Sprecher), Thomas Billotet und Markus Laukamp (v.l.). FOTO: Steag New Energies