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Starker Euro schwächt Boehringer Ingelheim

Ingelheim. Boehringer Ingelheim spürt beim Umsatz den starken Euro und auslaufende Patente für wichtige Medikamente – wie etwa für den Blutdrucksenker Micardis. Beim Jahresüberschuss steht dennoch ein deutliches Plus. dpa

Der starke Euro hat beim zweitgrößten deutschen Pharmakonzern Boehringer Ingelheim 2013 auf den Umsatz gedrückt. Auch im laufenden Jahr rechnet das Unternehmen mit Stagnation. "Wir erwarten für 2014 vor dem Hintergrund des schwierigen Marktumfeldes und auslaufender Patente einen Umsatz in vergleichbarer Höhe wie im Vorjahr", sagte der Vorsitzende der Unternehmensleitung, Andreas Barner, gestern bei der Vorlage der Bilanz für 2013 in Ingelheim. In den kommenden drei bis fünf Jahren sollen neue Medikamente zur Behandlung der Volkskrankheit Diabetes wie auch Krebsmittel für Wachstum sorgen.

Wegen des starken Euro im Vergleich zum schwächeren US-Dollar und japanischen Yen blieben die Erlöse 2013 im Vergleich zum Vorjahr mit einem Plus von währungsbereinigt 1,4 Prozent auf 14,1 Milliarden Euro nahezu konstant. Auf Euro-Basis ergibt sich ein Minus von 4,3 Prozent. Der Jahresüberschuss stieg 2013 im Vorjahresvergleich um sieben Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis legte um 14 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro zu. Es sei konsequent auf die Kosten geachtet worden, sagte Barner. Die Zahl der Mitarbeiter stieg um drei Prozent auf weltweit 47 400.

Neben den negativen Währungseffekten bekam der Familienkonzern beim Umsatz 2013 die Konkurrenz für das Blutdruckmittel Micardis zu spüren, für das die Patente nach und nach auslaufen. Das zweitgrößte Produkt der Ingelheimer sackte beim Umsatz um 15 Prozent auf nunmehr rund 1,4 Milliarden Euro ab.

Mit dem in die Kritik geratenen Gerinnungshemmer Pradaxa setzte Boehringer 3,6 Milliarden Euro um - ein Plus von neun Prozent. In den USA rollt eine Klagewelle gegen Pradaxa, die erste Verhandlung vor einem Bezirksgericht soll nach derzeitigem Stand im Herbst beginnen. Zur genauen Höhe der Rückstellungen für Prozesskosten wollte Barner sich nicht äußern.

In der von milliardenschweren Übernahmen geprägten Pharmabranche setzen die Ingelheimer weiterhin auf Unabhängigkeit und Wachstum aus eigener Kraft heraus. Mögliche Zukäufe sind nach den Worten von Barner bei rezeptfreien Medikamenten denkbar. "Wir wollen zwar hauptsächlich organisch wachsen. Es gibt aber auch Regionen wie die USA, in denen wir in der Sparte Lücken haben", sagte er.

Mit rezeptfreien Medikamenten setzte der Bayer-Konkurrent im abgelaufenen Geschäftsjahr 1,5 Milliarden Euro um.