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„Standort Homburg ist gesichert“

Das Bosch-Werk-Homburg rüstet sich für mehr Aufträge in der Pkw-Diesel-Technologie. Foto: Bosch
Das Bosch-Werk-Homburg rüstet sich für mehr Aufträge in der Pkw-Diesel-Technologie. Foto: Bosch FOTO: Bosch
Stuttgart. Der Bosch-Vorstand will im Homburger Werk noch mehr Diesel-Produkte für Pkw fertigen, um Nachfrage-Schwächen auf dem Markt für Nutzfahrzeuge zu begegnen. Größerer Personalabbau sei nicht geplant. Thomas Sponticcia

Die Diesel-Abgas-Affäre hat bisher keine größeren Auswirkungen auf die Produktionsstandorte von Bosch. Das stellte gestern der Vorstandsvorsitzende der Bosch-Gruppe, Volkmar Denner, in der Bilanz-Pressekonferenz klar. Trotz der Turbulenzen um die Diesel-Technologie konnte die Bosch-Gruppe 2015 mit 70,6 Milliarden Euro Umsatz einen historischen Höchstwert erreichen. Allerdings hat das Unternehmen nach Angaben von Finanzvorstand Stefan Asenkerschbaumer auch "rund 650 Millionen Euro an zusätzlicher Vorsorge gebildet". Damit wolle man im Wesentlichen "rechtlichen Risiken" vorbeugen. Hintergrund seien die "weiter andauernden Kartellrechtsverfahren sowie die Untersuchungen in Zusammenhang mit der Manipulation von Software in Diesel-Motorsteuergeräten", sagte Asenkerschbaumer. "Von diesen Untersuchungen sind wir als Zulieferer betroffen."

Zu näheren Details gab sich der Vorstand mit dem Hinweis auf die laufenden Ermittlungen extrem zugeknöpft. Vorstandschef Denner stellte lediglich klar: "Die internen Untersuchungen laufen seit Monaten mit Hochdruck. Wir untersuchen die Vorgänge gründlich. Und wir nehmen uns auch die Zeit, um die Vorgänge genau aufzuklären." Unabhängig davon sprach sich Denner für künftig regelmäßige, stichprobenartige und unabhängige Tests aus. Die durch den Diesel verursachten technischen Probleme ließen sich lösen. Bosch glaube weiter an den Diesel . Rolf Bulander, Vorstand für Diesel-Systeme und zuständig für das Werk Homburg, betonte, nur mit dem Diesel könne man eine weitere deutliche Senkung des C0{-2}Ausstoßes bis zum Jahr 2021 erreichen.

Irritationen hatte es schon im Vorfeld der Pressekonferenz um das Diesel-Werk Homburg gegeben. Nach Angaben der IG Metall sollen dort bis zum Jahr 2018 rund 1000 Stellen abgebaut werden. Gegenwärtig sind dort rund 4600 Mitarbeiter beschäftigt. Die Gewerkschaft beruft sich auf eine Betriebsversammlung, in der die Werkleitung Entsprechendes mitgeteilt habe. Bulander wies dies gestern jedoch ausdrücklich zurück. Es gebe keine entsprechenden Pläne, auch keine Beschlüsse. Ende Juni liefen lediglich die Verträge von 180 Mitarbeitern aus, die nicht verlängert würden.



Dies allerdings sei eine notwendige Antwort auf die derzeit kritische Nachfrage im Bereich Nutzkraftwagen. Gegenüber unserer Zeitung legte sich Bulander fest: "Der Standort Homburg ist gesichert. Wir lassen unser modernstes Erzeugnis im Bereich Pkw-Diesel in Homburg hochlaufen." Als Antwort auf die Marktschwäche bei Nutzkraftwagen habe man das Werk "ganz bewusst mit unserer neuesten Pkw-Technologie ausgestattet. Wir fahren hier gerade die zweite Produktionslinie hoch. Wir haben 2015 insgesamt 52 Millionen Euro investiert und werden 2016 erneut rund 69 Millionen Euro investieren. Das ist unsere Verpflichtung dem Werk Homburg gegenüber", so der Bosch-Vorstand. Der Standort bleibe zudem "ein wesentliches Werk, in dem wir Fertigungstechnik entwickeln und von hier aus in der Welt verbreiten".

Meinung:

Nur Taten zählen

Von Merkur-Mitarbeiter Thomas Sponticcia

Die Verunsicherung in der Belegschaft des Homburger Diesel-Werks von Bosch wird immer größer. In den letzten Jahren gab es häufiger Personalabbau , auch keine Festanstellungen mehr. Die Verjüngung der Belegschaft und das Einbringen neuen Wissens fällt somit weitgehend aus. Der Beweis, dass der Standort auf längere Sicht Leitwerk für neueste Technologie bleibt, die weltweit exportiert wird, muss erst durch Taten erbracht werden. Hier ist der Vorstand stärker gefragt. Er muss gegenüber den Mitarbeitern glaubwürdiger auftreten, mehr Vertrauen schaffen, noch hartnäckiger und erkennbar um neue Aufträge für Homburg kämpfen. Gleichzeitig muss schnell geklärt werden, welche Größenordnung an Mitarbeitern das Werk braucht, um langfristig handlungsfähig zu bleiben. Bevor es zu spät ist.