| 21:15 Uhr

Konzepte entwickelt
Städte stemmen sich gegen Diesel-Fahrverbote

 Die Geräte, wie hier in Stuttgart, messen die Feinstaub-Belastung. Auch drei rheinland-pfälzische Städte kämpfen gegen zu hohe Werte.
Die Geräte, wie hier in Stuttgart, messen die Feinstaub-Belastung. Auch drei rheinland-pfälzische Städte kämpfen gegen zu hohe Werte. FOTO: dpa / Daniel Naupold
Mainz/Koblenz/Ludwigshafen. 2018 könnte es die ersten Verbote für alte Diesel-Fahrzeuge geben. Mainz, Koblenz und Ludwigshafen wollen das jeweils verhindern.

Im neuen Jahr drohen Diesel-Fahrverbote – die in Rheinland-Pfalz potenziell betroffenen Städte stemmen sich aber dagegen. Mit verschiedenen Projekten wollen Mainz, Koblenz/Neuwied und Worms/Frankenthal/Ludwigshafen erreichen, dass die Schadstoffbelastung sinkt. Konkret geht es etwa um mehr Fußgänger und Radfahrer in den Städten, die Anschaffung von Brennstoff- und E-Bussen, den Ausbau von Carsharing und die generelle Förderung von elektrischem Verkehr. Aber es gibt auch ungewöhnlichere Ideen, wie eine fast staubfreie Straßenreinigung in Mainz und große, mit Moos und Pflanzen bewachsene Wände in Koblenz.

In vielen Kommunen werden Grenzwerte für den Ausstoß gefährlicher Stickoxide andauernd überschritten. Es drohen daher gerichtlich erzwungene Diesel-Fahrverbote. Rund 90 Städte in Deutschland kämpfen gegen zu hohe Werte. Am 22. Februar wird eine Grundsatz­entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig erwartet. Bis dahin ruhen die anderen Verfahren, die auch die drei Städte in Rheinland-Pfalz betreffen.

Ende November war bei einem Spitzentreffen von Bund, Ländern und Kommunen bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) der Startschuss für konkrete Projekte für bessere Luft gefallen. Dafür stehen eine Milliarde Euro zur Verfügung. Ein Viertel der Kosten soll die Autobranche übernehmen. Vor Kurzem hatten die drei rheinland-pfälzischen Städte vom Bund Geld für die Planung ihrer Konzepte zur Bekämpfung der Abgase bekommen.



Mainz: In der Landeshauptstadt fahren die Minister mit vergleichsweise wenig die Umwelt belastenden Dienstwagen; die Stadtverwaltung will bald ein Carsharing einführen. Trotzdem werden die Luftschadstoffgrenzwerte immer wieder überschritten. Künftig sollen mehr Menschen dazu angeregt werden, mit der Bahn zu kommen, Straßenbahn zu fahren und zu Fuß zu gehen. Außerdem fahren bald die ersten Brennstoffzellenbusse, auch ist das Straßenbahnnetz ausgebaut worden. Zusätzlich verfolgt man mit der Straßenreinigung den Versuch, weniger Staub aufzuwirbeln.

Koblenz: Die Stadtverwaltung in der Rhein-Mosel-Stadt beginnt bei sich selbst und möchte den eigenen Fuhrpark modernisieren, der „zur Schadstoffbelastung nicht unerheblich beiträgt“. Das heißt: moderne Filter oder Neuanschaffung. Für den ÖPNV sollen zehn Elektrobusse mit Ladestationen gekauft werden. Damit auch mehr Menschen diese Busse benutzen, sollen mehr Haltestellen elektronische Anzeigen bekommen. Eine besondere Idee: Koblenz denkt über City-Trees nach, also hohe Wände mit Moosen und Pflanzen, welche Schadstoffe filtern.

Ludwigshafen: Die Industriestadt am Rhein setzt im ersten Schritt auf eine bessere Verkehrslenkung und mehr Radverkehr, etwa durch mehr Radwege und Abstellflächen. Hinzu kommen erste Elektrobusse sowie der Austausch älterer Busse und anderer städtischer Fahrzeuge gegen Fahrzeuge mit Euro-6-Norm. Auch soll es mehr Auflademöglichkeiten für E-Autos geben. „Aber es bleibt dabei: Den Schlüssel für eine sauberere Luft in unseren Städten hat die Automobilindustrie“, erklärte Bau- und Umweltdezernent Klaus Dillinger. Das Problem dürfe nicht auf die Städte abgewälzt werden.

(dpa)