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Kaum noch Freiland-Anbau ohne Folie
Spargelbauern ringen mit Wetter und Gesetzen

Deutscher Spargel wird fast nur noch unter Folie angebaut.
Deutscher Spargel wird fast nur noch unter Folie angebaut. FOTO: Jens Büttner / dpa
Gönnheim. Die Nachfrage nach heimischem Spargel ist groß. Für die Bauern ist es ein Geschäft mit Wetterrisiko und wirtschaftlichen Zwängen.

Weiß oder Grün, dick oder dünn? Die Spargelauswahl ist groß, die Kilogrammpreise sinken mit der Erntemenge. Die Bauern folgen dem Geschmack der Genießer, der aktuell auch auf grünen Spargel setzt. Sie müssen das Wetter im Blick haben, ihren Bedarf an Erntehelfern mit Mindestlohn und Arbeitszeitgesetz zusammenbringen und neue Entwicklungen bei der Folientechnik im Blick haben.

Im nordbadischen Eggenstein-Leopoldshafen prüft Markus Leicht auf seinem Spargelhof jetzt täglich, auf welchen Feldern geerntet werden kann. Auf 40 Hektar wächst bei ihm das edle Gemüse unter Folie heran. In guten Jahren werden die ersten Stangen bereits ab dem 20. März gestochen. Die schwarze Seite der Folie nach oben sammelt Sonnenwärme und beschleunigt das Wachstum, die weiße Seite nach oben wirkt kühlend und bremst es. Felder ohne Folie gibt es kaum noch. Im südhessischen Anbaugebiet etwa arbeiten rund 99 Prozent der Spargelbauern mit Folie, sagt Rolf Meinhardt vom Arbeitskreis Spargel Südhessen.

„So benötigen wir nur einen Erntegang pro Tag“, sagt Leicht. Das ist wichtig, denn seitdem der Mindestlohn die Arbeit der Helfer deutlich teurer macht, kommt es auf mehr Effizienz an. „So hat man die drei- bis vierfache Menge pro Stechgang“, bestätigt auch Meinhardt. Zudem sei das Unkraut ohne Folien schwerer zu bekämpfen.



Mindestlohn, Arbeitszeitgesetz und Dokumentationspflichten bereiten vielen Erzeugern von landwirtschaftlicher Saisonware Probleme. Nach zehn Stunden Arbeit am Tag muss Feierabend sein. „Das ist nicht im Sinne der Erntekräfte“, sagt Leicht. Die Helfer, etwa aus Polen oder Rumänien wollten in den wenigen Wochen in Deutschland so viele Stunden wie möglich arbeiten. Sie fordern nach Leichts Erfahrung auch kein zweitägiges Wochenende, wie es das Gesetz vorschreibt. „Das hat auch schon zu Problemen geführt, dass die Leute unzufrieden abreisen.“ Der Mindestlohn beträgt aktuell 8,84 Euro pro Stunde.

Auch Alexandra Walter vom Spargelhof Walter aus dem pfälzischen Gönnheim sieht im Mindestlohn ein Problem. Zwar sei es richtig, dass die Arbeiter ihr Geld bekämen, sagt die Geschäftsführerin. „Aber man kann nicht einfach den Spargel teurer machen.“ Auf Helfer aus Deutschland setzt sie nicht. „Deutsche Saisonkräfte wird man nicht finden.“ Im Verkauf sehe es aber anders aus.

Weil höhere Kosten nicht durch höhere Preise ausgeglichen werden, setzt Leicht auf Sorten mit dickeren Stangen. So lässt sich mehr Gewicht in kürzerer Zeit ernten. Die besten Preise erzielen die Bauern bei der Selbstvermarktung. Weil Supermärkte und Discounter zunehmend mit regionaler und saisonaler Ware punkten wollen, versuche er, dort auch Platz zu bekommen, sagt Leicht. „Wir versuchen durch Frische und Service erfolgreich zu sein.“ Einen kleinen Teil seiner Fläche hat der Landwirt für grünen Spargel reserviert, der sich langsam in deutschen Küchen durchsetzt. Etwa fünf Prozent seien es erst. Aber: „Ich sehe, dass die Nachfrage nach Grünspargel langsam steigt.“ Meinhardt bestätigt die Entwicklung: „Der grüne Spargel ist schon etwas im Kommen, weil die ganze Welt ja grünen Spargel isst, nur die Deutschen essen weißen.“ Der Weiße schmecke milder, der Grüne sei etwas kräftiger.

Was immer das Wetter macht und wie früh der erste Spargel auf den Tisch kommt, eins ist klar: Schluss ist am Johannistag am 24. Juni oder kurz danach. Dann sind die Spargelpflanzen erschöpft und brauchen noch Zeit auf dem Feld, um Kraft für die nächste Saison zu sammeln. Zwischen vier und sechs Tonnen Spargelernte pro Hektar sind üblich. Die Spargelbauern verlängerten die Saison manchmal jedoch um ein paar Tage, sagt Meinhardt. Möglich machten dies neue, späte Sorten. Die frühen Sorten seien dann schon erschöpft. „Früher gab es ja nur eine Sorte.“

Deutschlandweit gehört Spargel bei Feinschmeckern zu den beliebtesten Gemüsesorten im Frühling. Die größten Anbauflächen gibt es in Niedersachsen und Brandenburg. Spargel liebt leichte, sandige Böden. Gegessen wird er in zahlreichen Variationen, vom Klassiker mit zerlassener Butter oder Hollandaise mit Schinken oder Schnitzel und neuen Kartoffeln bis zum Salat oder gebraten. Im vergangenen Jahr wurden nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes fast 128 000 Tonnen Spargel geerntet, das waren pro Einwohner gut 1,5 Kilogramm.