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Erotik
Sex-Shops kämpfen mit Online-Konkurrenz

Statt auf Porno-Filme setzen die Erotik-Läden – wie auch Marktführer Orion –  mehr auf den Verkauf von Sex-Spielzeug.
Statt auf Porno-Filme setzen die Erotik-Läden – wie auch Marktführer Orion –  mehr auf den Verkauf von Sex-Spielzeug. FOTO: dpa / Swen Pförtner
Kassel/Biebertal. Dem stationären Erotik-Handel bricht ein wichtiger Geschäftszweig weg. Kunden schauen Sexfilme inzwischen lieber im Internet als in einem Laden. Von Göran Gehlen und Swen Pförtner

Bizarre Masken, Fesseln und Gummifäuste mit Griff: Im Untergeschoss der Kasseler Orion-Filiale sieht es ein bisschen so aus, wie man sich einen Sex-Shop früher vorstellte. Im schummrigen Licht steht ein „Peitschenstuhl“, an der Wand hängt das passende Werkzeug. Eine Etage höher zeigt sich der Erotik-Fachhandel von einer anderen Seite: freundlich, modern und massentauglich. Dort gibt es Wareninseln mit Erotik-Literatur und Sex-Scherzartikeln. Pornofilme sind dagegen nur relativ wenig im Angebot.

Im Radio singt James Blunt, als die Tür aufgeht und der erste Kunde eintritt. Er grüßt freundlich, trägt keinerlei Verkleidung. Kunden mit Sonnenbrille, Trenchcoat und Hut – „die gab es früher wirklich“, sagt Jens Seipp. Er ist Marketingleiter der Orion Erotik Fachgeschäfte GmbH im mittelhessischen Biebertal, die bundesweit 147 Filialen betreibt. Inzwischen sei die deutsche Gesellschaft offener für Erotik. Heute kämen viele Frauen und Paare in die Shops. Für den Erotik-Handel vor Ort sind die Zeiten dennoch schwierig. Im Internet können Kunden bestellen ohne die Gefahr, den Nachbarn im Sex-Shop zu treffen. Online-Versandhändler wie Amorelie und Eis.de machen dem stationären Handel das Leben schwer.

Weggebrochen ist vor allem ein Bereich: Pornos. Vor 20 Jahren hätten viele Erotikfachhändler mit dem Verkauf und der Vorführung von Filmen in Kabinen noch 70 Prozent ihrer Umsätze gemacht, erklärt Uwe Kaltenberg, Geschäftsführer des Bundesverbands Erotik Handel (BEH): „Das hat sich völlig umgedreht.“ Heute seien es nur noch 30 Prozent.



Konkurrenten der Fachhändler sind Streaming-Dienste: Gegen einen Betrag oder eine Pauschale können die Kunden Sexfilme gucken, ohne die Wohnung zu verlassen. Diese Konkurrenz akzeptiert der BEH. Ein Dorn im Auge sind ihm aber die Gratisportale: „Unserer Meinung nach kommt der riesige Schwund bei den Kunden durch die illegalen Anbieter.“ Dort lassen sich Filme kostenlos downloaden oder ansehen – ohne Jugendschutz. „Für Wettbewerber, die sich an Gesetze halten, ist das schädlich“, erklärt Kaltenberg. Doch Versuche des Verbandes, über die Kommission für Jugendmedienschutz Internetprovider zu einer Sperrung zu bewegen, seien bisher erfolglos geblieben.

Wie sehr illegale Portale und Erotik-Online-Versand wachsen, ist unklar. Branchenzahlen gibt es nicht. Einen Anhaltspunkt, wie das Internet den Ladengeschäften zusetzt, liefert aber die Mitgliederzahl des Bundesverbands Erotik Handel. „In den besten Zeiten vor 20 Jahren waren es 400, jetzt sind es knapp unter 200“, sagt Kaltenberg.

Selbst Branchengrößen kamen ins Straucheln: Die Beate Uhse AG ging Ende 2017 insolvent. Jüngst kündigte das Unternehmen einen Neustart unter dem Namen „be you“ als GmbH an. Die hessische Orion GmbH setzt hingegen auf gemietete Ladenflächen, die sie einrichtet und an selbstständige Handelsvertreter vergibt. Hatte das Familienunternehmen 1980 noch 15 Läden, ist es heute mit seinen knapp 150 Filialen laut Erotikverband BEH Marktführer in Deutschland. Beim Umsatz kratze man an der Marke von 50 Millionen Euro, sagt Orion-Marketingleiter Seipp. Mit der Orion Versand GmbH gibt es auch einen Online-Händler als getrenntes Unternehmen mit Sitz in Flensburg. Statt mit Pornos will man nun vor allem mit Sex-Spielzeug Kunden ansprechen.