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Schwerer Rückschlag für Autobauer

Brüssel. Die Umweltpolitiker des Europäischen Parlamentes haben den deutschen Autoherstellern einen Schlag versetzt. Den vorbereiten Kompromiss einer schrittweisen Annäherung an die neuen Grenzwerte, lehnten sie ab Von Merkur-Korrespondent Detlef Drewes

Brüssel. Die Umweltpolitiker des Europäischen Parlamentes haben den deutschen Autoherstellern einen Schlag versetzt. Den vorbereiten Kompromiss einer schrittweisen Annäherung an die neuen Grenzwerte, lehnten sie ab. Auch die von der Industrie erhoffte Berücksichtigung so genannter Öko-Investitionen - dazu zählen spritsparende Klima-Anlagen, Sonnendächer und andere Techniken - kommt nur in abgeschwächter Form. Auch bleiben die Strafen für Neufahrzeuge, die ab 2012 die künftigen Obergrenzen überschreiten, wie geplant: Jedes Gramm CO2 mehr kostet 20 Euro Strafe, die bis 2015 auf 95 Euro angehoben wird. Die Kommission will erreichen, dass alle Neufahrzeuge eines Herstellers ab 2012 im Schnitt maximal 120 Gramm Kohlendioxid je Kilometer ausstoßen. Derzeit pusten die europäischen Autos durchschnittlich 162 Gramm aus, große Limousinen deutscher Hersteller liegen zum Teil deutlich darüber. Die Vorgaben treffen vor allem die deutschen Hersteller. Französische und italienische Autobauer, die im Wesentlichen kleinere Fahrzeuge herstellen, sind weitaus weniger betroffen."Mutiges Bekenntnis" Während Vertreter von Umweltverbänden ein "mutiges Bekenntnis zu den Klimazielen der EU" lobten, sprachen Vertreter der Christ- und Sozialdemokraten im Parlament von einer "Unzumutbarkeit für die Hersteller". Da der Modelljahrgang 2012 bereits in der Produktion sei, könnten technische Änderungen nicht mehr eingebaut werden. Die deutschen Hersteller setzen ihre ganze Hoffnung nun auf die November-Sitzung des Parlamentes, wenn das Plenum abstimmen muss. Umweltkommissar Stavros Dimas machte aber gestern klar, dass er sich auch durch einen "weichen Beschluss" der Abgeordneten nicht von seiner Linie abbringen lassen werde. Eine Benachteiligung der deutschen Industrie sieht er nicht. "Jeder weiß, dass deutsche Technologie und Designer die Besten auf der Welt sind", sagte Dimas. "Sie können Autos entsprechend der Nachfrage und den Anforderungen zum Umweltschutz bauen." Die 120-Gramm-Obergrenze wird übrigens nicht das letzte Wort sein. Umwelt- wie Industrieausschuss des Parlamentes verständigten sich bereits in seltener Eintracht auf das nächste Ziel: Ab 2020 dürfen Neufahrzeuge nur noch höchstens 95 Gramm pro Kilometer abgeben. Bis Ende 2014 sollen dafür die technischen Voraussetzungen geschaffen sein. Brüssel verspricht sich davon einen Anschub für neue Motor-Technologien wie Wasserstoff-, Hybrid- oder Elektromotoren. Die Kommission geht allerdings auch davon aus, dass je nach Typ neue Fahrzeuge zwischen 2000 und 4000 Euro teurer werden.