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Geschäftsidee von Saarbrücker Studentin
Ein Online-Supermarkt für Verwandte in Afrika

 Firmengründerin Lydie Idel Fonkwe stammt aus Kamerun und studiert an der Saarbrücker Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW).
Firmengründerin Lydie Idel Fonkwe stammt aus Kamerun und studiert an der Saarbrücker Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). FOTO: Oliver Dietze
Saarbrücken. Eine Saarbrücker Studentin hat eine Internet-Plattform geschaffen, auf der Menschen für Angehörige einkaufen können, die in der Ferne leben. Von Lothar Warscheid

„Jede Woche stelle ich einen Einkaufskorb für meine Mutter und meine Brüder zusammen, so als ob sie zu Hause über den Markt gegangen wären“, erzählt Marie Laure, die in den USA studiert. Und Michael Francis, der in Deutschland als Ingenieur arbeitet, freut sich, „dass jetzt endlich Schluss ist mit Ärger und Anrufen aller Art“.

Beiden ist gemeinsam, dass sie aus Afrika stammen und dass sie die Dienste der Internet-Plattform Familov in Anspruch nehmen und bewerten – mit fünf Sternen, der höchsten Auszeichnung. Diese Plattform betreibt Lydie Idel Fonkwe, die in Kamerun geboren ist und seit acht Jahren in Saarbrücken lebt. Sie studiert am Deutsch-Französischen Hochschulinstitut (DFHI) der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Management Sciences mit dem Ziel eines Master-Abschlusses.

Die Grundidee von Familov ist, dass Afrikaner, die in Deutschland leben und ihre Angehörigen zu Hause mitversorgen wollen oder müssen, dies in Form von Waren tun können. Ihre Familienmitglieder müssen alles, was sie benötigen, nur noch in einem Geschäft abholen, das sich in ihrer Nähe befindet. „Geldüberweisungen sind teuer“, weiß Fonkwe aus eigener Erfahrung. „Man weiß außerdem nicht, ob das Geld überhaupt ankommt.“



Am Beispiel ihres Heimatlandes Kamerun erläutert sie, wie das Ganze funktioniert. Der Kunde registriert sich bei Familov und wählt die Stadt und den Stadtteil, in dem seine Familie lebt. Auf der Webseite erscheinen die nächstgelegenen Supermärkte, mit denen Familov zusammenarbeitet, und welche Produkte sie verkaufen. Danach kann die virtuelle Shopping-Tour beginnen und die Familie sich mit Lebensmitteln, Hygiene-Artikeln oder anderen Dingen des täglichen Lebens eindecken. Das Bezahlen läuft per Paypal oder Kreditkarte. Über eine SMS, die einen Code enthält, und seinen Ausweis legitimiert sich der Empfänger der Waren im Supermarkt und kann den Einkauf mit nach Hause nehmen.

Die Geschäftsidee kam Fonkwe schon vor einigen Jahren, als sie ihre Geschwister unterstützen musste. Doch 2017 entschloss sie sich, Nägel mit Köpfen zu machen. Sie suchte Supermärkte in Kamerun, die bereit waren mitzuziehen – zunächst telefonisch, später sprach sie auch persönlich vor und sicherte sich vertraglich ab. Begonnen hat sie in den drei größten Städten Kameruns Douala, Bafoussam und Jaunde. Inzwischen hat sie mehr als 100 Partner in 60 Städten des Landes. Ihr Netzwerk umfasst mittlerweile auch Gabun, das südliche Nachbarland Kameruns, und das weiter westlich gelegene Benin. Als nächstes soll die Elfenbeinküste dazu kommen. Sie ist überzeugt, dass das Familov-Konzept nicht nur in Afrika funktioniert, „sondern in alle Entwicklungsländer ausgerollt werden kann – auch in Asien und Südamerika“. Denn „überall wohnen Menschen, die weit weg von ihren Familien leben und diese versorgt wissen wollen“, sagt Lydie Fonkwe.

Derzeit hat sie mehr als 8000 registrierte Kunden, vornehmlich in Deutschland, Frankreich und Belgien, aber auch in China, den USA und Kanada. „Das Netzwerk wächst rasch – sowohl auf der Kunden- als auch auf der Händlerseite“, sagt sie. Anfangs habe sie viel akquirieren, telefonieren und überzeugen müssen. „Jetzt läuft schon vieles über Mundpropaganda.“ Geld verdient sie mit Familov, indem sie an den Handelsgeschäften beteiligt wird und eine Provision erhebt. Lydie Fonkwe ist keine Einzelkämpferin. Ihr Mann Leonnel „unterstützt mich nach Kräften“. Dann ist da noch Tochter Avelina – neben Familov ihr zweites Kind.

www.familov.com