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Verärgerte Landwirte
Saarländische Bauern wehren sich gegen Sündenbock-Rolle

 Peter Hoffmann, Präsident des Bauernverbandes Saar
Peter Hoffmann, Präsident des Bauernverbandes Saar FOTO: Robby Lorenz
Heusweiler. Das Sterben der Bauernhöfe im Saarland hält an: Jeden Monat bleiben im Schnitt zwei Landwirtschaftsbetriebe auf der Strecke, und immer öfter suchen sich Jungbauern auf der Flucht vor Wettbewerbsverzerrungen, immer mehr Umweltauflagen und ausufernder Bürokratie einen attraktiveren Job außerhalb der Landwirtschaft. Von Udo Lorenz

„Zur Zeit bläst uns der Wind in der Landwirtschaft recht brutal ins Gesicht“, beklagte der Präsident des saarländischen Bauernverbands Peter Hoffmann am Wochenende auf der Mitgliederversammlung in Heusweiler: „Landwirtschaft scheint momentan ohnehin als Sündenbock für alles herhalten zu müssen, ob Boden, Klima, Emissionen, Tierwohl, Lebensmittelsicherheit, Insektensterben, Energiewende und Nachhaltigkeit.“ Gegen diese Sündenbock-Rolle wehren sich die Bauern energisch.

Der Gastredner, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), musste sich eine lange Sorgenliste anhören. Wegen des Brexit im Geberland Großbritannien drohen den Bauern ab dem kommenden Jahr fünf Prozent und von 2021 an gar 25 Prozent Kürzungen bei den EU-Fördergeldern. Dazu belasten Diskussionen um Glyphosat und den Einsatz anderer Pflanzenschutzmittel sowie eine angestrebte verschärfte Düngeverordnung. „Verzicht auf Pflanzenschutzmittel, seien es Herbizide, Insektizide oder Fungizide, bedeutet auf der anderen Seite den Einsatz von mehr Arbeitskräften“, sagte Hoffmann und bekam stürmischen Applaus seiner Berufskollegen, als er fortfuhr: „Mit der Hacke aufs Feld, aber zu Discounterpreisen produzieren, das passt einfach nicht zusammen.“ Anders ausgedrückt: Fleisch, Milch und Gemüse vom Bio- oder heimischen Traditions-Bauern um die Ecke gibt es nur, wenn die Kunden dafür auch zu zahlen bereit sind. Noch rund 1200 Landwirtschaftsbetriebe gibt es im Saarland. Die 3200 Beschäftigten erwirtschaften knapp 65 Millionen Euro Jahresumsatz.

Bundeswirtschaftsminister Altmaier sagte, in Deutschland sei die Landwirtschaft mit 61 Milliarden Euro Produktionswert und etwa jedem zehnten Arbeitsplatz noch immer ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Er sicherte den saarländischen Bauern weitere Unterstützung zu und betonte, Ziel sei es, für Konsumenten wie Landwirte eine umwelt- und klimafreundlichere Agrarpolitik zu schaffen. Mit der Energiewende hin zu Windrädern und Biogas sei in den letzten zehn bis 15 Jahren jedenfalls auch wieder mehr Wertschöpfung von den Städten in den ländlichen Raum zurückgekehrt.