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Luftverkehr
Ryanair streicht auf dem Hahn Flugpläne zusammen

 Eine Ryanair-Maschine rollt in Frankfurt am Flughafen-Terminal vorbei.
Eine Ryanair-Maschine rollt in Frankfurt am Flughafen-Terminal vorbei. FOTO: dpa / Andreas Arnold
Hahn. Der Hunsrück-Flughafen Hahn stellt sich bereits auf die sich ankündigenden Veränderungen ein. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf einer Ersatz-Fluglinie.

Der kriselnde Hunsrück-Flughafen Hahn hat nach eigenen Angaben eine neue Fluglinie an Land gezogen. „Wir sind vollauf damit beschäftigt, den Start einer neuen Passagierfluggesellschaft vorzubereiten“, sagte Christoph Goetzmann, Mitglied der Hahn-Geschäftsführung, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Sie werde „schon sehr bald“ im Hunsrück abheben. Es sei keine „No-Frills-Airline“ (Billig-Airline), sondern eine „normale Linienfluggesellschaft“. Details nannte Goetzmann vorerst nicht.

Die Zahl der Fluggäste am Hahn ist deutlich gesunken. Der Platzhirsch im Passagiergeschäft, Europas größte Billigfluggesellschaft Ryanair, hebt inzwischen auch von den umliegenden Airports Luxemburg, Frankfurt/Main und Köln/Bonn ab. Am Dienstag teilte die irische Ryanair mit, dass sie wegen der verzögerten Auslieferung des Problemjets Boeing 737 Max ihre Flugpläne zusammenstreichen will. Für den kommenden Sommer plane man nur noch mit dem Zugang von 30 neuen Maschinen anstelle von 58 Jets, teilte das Unternehmen am Dienstag in Dublin mit. Die Passagierzahlen dürften somit im gesamten nächsten Geschäftsjahr von 162 Millionen auf rund 157 Millionen Euro sinken.

Nach dem Absturz zweier Maschinen der Modellreihe bei Lion Air und Ethiopian Airlines mit insgesamt 346 Toten müssen alle 737-Max-Jets seit Mitte März weltweit am Boden bleiben. Bislang ist unklar, wann die Behörden den Flieger wieder in die Luft lassen. Boeing hat nach eigenen Angaben die Entwicklung eines Updates für die Steuerungssoftware des Flugzeugs abgeschlossen, die möglicherweise für die Abstürze verantwortlich ist. Die US-Luftfahrtbehörde FAA muss die Änderungen noch zertifizieren, bevor die Maschinen wieder starten dürfen.



Die Aktienkurs der Ryanair gab am Dienstag zu Handelsbeginn nach. Der Experte des US-Analysehauses Bernstein, Daniel Roeska, konnte den Verzögerungen bei der Auslieferung der bestellten Flugzeuge allerdings etwas Positives abgewinnen: „Das dürfte die erwarteten exzessiven Überkapazitäten im nächsten Jahr ein wenig eindämmen“, schrieb er in einer ersten Einschätzung.

Ryanair-Chef Michael O‘Leary erwartet die Wiederzulassung der Boeing 737 Max noch in diesem Jahr. Ryanair hat von der Maschine aber die Sonderausführung Max200 mit mehr Plätzen bestellt, die anschließend separat von den Luftverkehrsbehörden zertifiziert werden muss.

Vor diesem Hintergrund werde die Airline bereits ab dem Winter 2019 an bestimmten Stützpunkten Kürzungen vornehmen oder sie zum Teil auch ganz aufgeben, hieß es weiter. Man werde sich diesbezüglich mit allen Beteiligten und den Gewerkschaften beraten. Eine Rückkehr zum normalen Wachstum werde erst ab Sommer 2021 erwartet.

Die Bürgerinitiative gegen den Nachtflughafen Hahn teilte mit, angesichts der wirtschaftlichen Verluste des Airports „wäre es keine große Überraschung, wenn Ryanair die Basis auf dem Flughafen Hahn zum Winterflugplan 2019/2020 schließen würde“. Goetzmann sagte: „Zu solchen Spekulationen können wir nichts beitragen.“ Der einzige größere Flughafen in Rheinland-Pfalz gehört zu 82,5 Prozent dem chinesischen Großkonzern HNA und zu 17,5 Prozent dem Land Hessen.

 Sollte Ryanair tatsächlich den Hahn verlassen, wäre das für den Hunsrück-Flughafen ein Schlag ins Kontor.
Sollte Ryanair tatsächlich den Hahn verlassen, wäre das für den Hunsrück-Flughafen ein Schlag ins Kontor. FOTO: dpa / Andreas Arnold
(dpa)