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Neues Tourismuskonzept
Rheinland-Pfalz will zur eigenen Marke im Tourismus werden

Die touristischen Höhepunkte in Rheinland-Pfalz, wie die Porta Nigra in Trier, sollen zahlungskräftigere Kundschaft ins Land locken. Das sieht jedenfalls die „Tourismus-Strategie 2025“ vor.
Die touristischen Höhepunkte in Rheinland-Pfalz, wie die Porta Nigra in Trier, sollen zahlungskräftigere Kundschaft ins Land locken. Das sieht jedenfalls die „Tourismus-Strategie 2025“ vor. FOTO: dpa / Fredrik von Erichsen
Mainz. Branchenverbände und Wirtschaftsministerium haben eine „Tourismus-Strategie2025“ entwickelt. Es sollen „wertschöpfungsstärkere Gäste“ ins Land gelockt werden.

Wein und Kultur, Landschaft und regionale Besonderheiten sollen künftig mehr zahlungskräftige Gäste nach Rheinland-Pfalz locken. So lautet die Kernbotschaft der „Tourismus-Strategie 2025“, die Wirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) am Mittwoch in Mainz vorstellte. Im Zentrum steht die Absicht, Rheinland-Pfalz zu einer eigenen Marke im Tourismus zu machen und bislang nicht genutzte Potenziale zu nutzen. Die bislang sehr kleinteiligen Strukturen im Tourismus sollen gebündelt und effizienter werden.

Die Entwicklung einer eigenen Marke wird in dem neuen Konzept als erster von fünf „strategischen Wegen“ genannt. Die Marke solle „prägnant und verständlich zentrale Botschaften“ vermitteln, zuspitzen und die Zielgruppe emotional ansprechen. Dazu müsse mehr als bisher getan werden, um „Rheinland-Pfalz eine stärker wahrnehmbare Identität nach außen (zu) geben“, sagte Wissing.

Das Konzept zeigt fünf „strategische Wege“ auf. An erster Stelle steht die Absicht, „Rheinland-Pfalz zur Marke (zu) machen“. Das touristische Marketing sei bisher zu kleinteilig, sagte Wissing. „Wir haben 40, 50 Botschaften – das funktioniert eben nicht.“ Konkrete Maßnahmen sollen dem Trend entgegenwirken, dass Rheinland-Pfalz in den vergangenen Jahren Marktanteile im Tourismus verloren hat.



Einen besonderen Stellenwert misst die Strategie Hotels und Restaurants bei. Im Gastgewerbe sollen Familienunternehmen „zum starken Rückgrat der Tourismuswirtschaft“ entwickelt werden. Die in den nächsten Jahren anstehenden Unternehmensübergaben müssten begleitet und unterstützt werden, sagte Dehoga-Landespräsident Gereon Haumann.

Die Tourismus-Strategie 2025 ist Teil des Koalitionsvertrags von SPD, FDP und Grünen vom Mai 2016 und wird von der Enquete-Kommission Tourismus des Landtags flankiert. Die Kommissionsvorsitzende Ellen Demuth (CDU) erklärte, die neue Tourismus-Konzeption greife viele Aspekte aus der Enquete-Arbeit auf. Dabei stelle sich aber auch die Frage der finanziellen Umsetzung. „Andere Bundesländer investieren erheblich mehr.“

An der Erstellung des Konzepts wirkten auch die Arbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern (IHK), der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga, die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH sowie der Tourismus- und Heilbäderverband (THV). Die Tourismus-Strategie soll ständig weiterentwickelt werden und auf veränderte Marktbedingungen reagieren.

Die Beteiligten erstellten das Konzept seit Januar des vergangenen Jahres und nahmen sich dabei vor: „Die Steigerung der Wertschöpfung steht im Vordergrund allen touristischen Handelns.“ So gebe es kaum einen Wirtschaftsbereich, der nicht vom Tourismus profitiere. Vom Gesamtumsatz der Branche von mehr als sieben Milliarden Euro entfallen 42,7 Prozent auf das Gastgewerbe, 37,1 Prozent auf den Einzelhandel und 20,2 Prozent auf Dienstleistungen.

Bislang aber seien die Ausgaben pro Gast in Rheinland-Pfalz vergleichsweise gering gewesen, heißt es in dem Konzept. Angestrebt werden mehr Übernachtungsgäste unabhängig von der Jahreszeit und eine „Veränderung hin zu wertschöpfungsstärkerenGästen“ – bislang gebe es einen zu hohen Anteil an sparsamen Camping-Gästen. Und alle Rheinland-Pfälzer sollen zu „Botschaftern“ für den Tourismus werden. „Wir schließen heute nicht etwas ab, heute beginnt die Arbeit“, sagte Landrat Manfred Schnur als stellvertretender Vorsitzender des Tourismus- und Heilbäderverbands (THV).