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Streiks in Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland
Real-Mitarbeiter wollen bessere Bezahlung

Die Gewerkschaft Verdi hat die rund 34 000 Beschäftigten der Supermarktkette Real deutschlandweit zum Streik aufgerufen.
Die Gewerkschaft Verdi hat die rund 34 000 Beschäftigten der Supermarktkette Real deutschlandweit zum Streik aufgerufen. FOTO: dpa / Roland Weihrauch
Frankfurt/Main. Die Gewerkschaft Verdi ruft Real-Mitarbeiter auf, für bessere Tarife auf die Straße zu gehen. Viele folgen dem Aufruf und legen ihre Arbeit nieder.

Tausende Mitarbeiter der Supermarktkette Real sind am Freitag deutschlandweit auf die Straße gegangen, um für bessere Tarifverträge zu demonstrieren. Die Demonstration in Wiesbaden war aus Sicht von Bernhard Schiederig, Landesfachbereichsleiter Handel der Verdi Hessen, ein voller Erfolg. „Wir sind sehr zufrieden mit der Teilnehmerzahl“, sagte er. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich rund 250 Menschen.

In Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland wollten sich insgesamt 15 Real-Märkte an dem Streik beteiligen. Trotzdem sollten nach Unternehmensangaben alle Supermärkte geöffnet bleiben. Real sei auf Ausnahmesituationen dieser Art vorbereitet, teilte Pressesprecher Markus Jablonski mit.

Bundesweit beteiligten sich nach Angaben des Verdi-Bundesvorstands 140 von 281 Märkte, in Düsseldorf waren 1200 Mitarbeiter auf der Straße. „Das zeigt, dass die Belegschaften mutig und solidarisch zusammenstehen, obwohl die Geschäftsleitung enormen Druck gemacht hat“, sagte Stefanie Nutzenberger, Verdi-Bundesvorstandsmitglied Handel. Verdi hatte die deutschlandweit 34 000 Beschäftigten zum Streik aufgerufen, da sich die Supermarktkette aus den Tarifverträgen für den Einzelhandel verabschiedet und andere abgeschlossen habe.



Für die Angestellten bedeute das bei Neueinstellung im Schnitt 23 Prozent weniger Geld und längere Arbeitszeiten, erklärte Verdi. Eine Verkäuferin auf einer Teilzeit-Stelle mit 60 Prozent erhalte dann beispielsweise 1260 Euro brutto im Monat statt wie bisher 1547 Euro brutto. „Den betroffenen Beschäftigten droht dadurch nicht bloß ein großer Verlust an Einkommen, sondern akut Armut trotz Arbeit und erst recht im Alter“, sagte Schiederig. Verdi fordere von Real die Rückkehr in die Tarifbindung und plane weitere Streik- und Aktionstage.

Der Chef des Real-Mutterkonzerns Metro, Olaf Koch, wirft dagegen der Gewerkschaft vor, Tarifverhandlungen über eine wettbewerbsfähige Entgeltstruktur bei der angeschlagenen Supermarktkette jahrelang blockiert zu haben. Die bisherigen Tarifverträge hätten Real deutlich höhere Lohnkosten aufgebürdet, als sie vielen Wettbewerber zu tragen hätten. Das sei für Real nicht mehr tragbar gewesen. Das Unternehmen bezahle nun neueingestellte Mitarbeiter marktgerecht, sagte Koch. Bereits vor dem Tarifwechsel eingestellte Mitarbeiter hätten keine Einbußen.

(dpa)