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Preisdruck belastet Saarstahl

Völklingen. Die Produktion läuft bei Saarstahl auf Hochtouren, doch es wird derzeit kein Geld verdient. Der Völklinger Konzern muss sich mit den Widrigkeiten des Stahlmarktes herumschlagen.

Das Stahlwerk und die Walzstraßen der Völklinger Saarstahl AG (SAG) sind derzeit zu 90 Prozent ausgelastet, nur die Erlöse lassen zu wünschen übrig. "Seit dem Jahr 2011 sind die Preise für Saarstahl-Langprodukte (Stab und Draht) um mehr als 20 Prozent gefallen", erläuterte gestern SAG-Vertriebsvorstand Klaus Richter bei der Bilanzpressekonferenz. "Uns hilft noch, dass wir erstklassige Qualitäten anbieten und eine flexible Lieferung vorhalten, so dass unsere Kunden bereit sind, mehr zu zahlen." Die Preise bei Langprodukten von mittlerer und einfacher Qualität seien noch stärker in den Keller gerauscht, "so dass wir beispielsweise Baustahl gar nicht mehr im Angebot haben", sagte Richter.

Grund für die sinkenden Preise seien Massen an Billigstahl - vor allem aus China und Russland sowie anderen osteuropäischen Ländern. "Der größte Teil des chinesischen Materials wird zu Dumpingpreisen angeboten", die 60 Prozent niedriger lägen als die deutschen, beklagte Technik-Vorstand Martin Baues.

Diese Entwicklung schlägt sich auch in den Geschäftszahlen nieder (siehe Grafik). So sank der Umsatz im vergangenen Jahr von 2,361 auf 2,159 Milliarden Euro, die Rohstahl-Produktion stieg jedoch um 1,9 Prozent auf 2,779 Millionen Tonnen. In den kommenden Monaten müssen große Mengen an Stahl-Knüppeln - die Vorprodukte für Stäbe und Drähte - zudem noch auf Halde produziert werden, weil in Dillingen der Hochofen 4 im Sommer erneuert wird und damit für einige Wochen ausfällt. Die rund 130 Millionen Euro teure Total-Erneuerung durch die Hochofengesellschaft Rogesa, an der Saarstahl 50 Prozent hält, ist gleichzeitig auch der größte Investitionsbrocken der SAG in diesem Jahr. 2015 wurden rund 90 Millionen Euro investiert, wobei einige Maßnahmen noch laufen und im Sommer abgeschlossen werden. Das meiste Geld fließt in die Walzstraßen in Völklingen , Neunkirchen und Burbach.

Die geringeren Vertriebserlöse schlagen sich auch im Ertrag nieder. Das Konzern-Ergebnis sank vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 80 auf zwei Millionen Euro. Weil noch Steuern gezahlt werden müssen, "rutscht unsere Gesamtkapitalrentabilität mit 0,3 Prozent ins Minus", erläuterte Finanzvorstand und Vorstandssprecher Fred Metzken.

Die SAG hat 2015 die Zahl ihrer Mitarbeiter "um rund 100 auf 6591 erhöht", sagte Personalvorstand Peter Schweda. Durch mehr Aufträge zum Jahresende habe vor allem die Schmiede einen höheren Personalbedarf gehabt.