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Sportwagenhersteller geht es so gut wie nie
Porsche feiert heute 70. Geburtstag

Porsche hat schon viele Modelle auf den Markt gebracht. Auf unserem Bild steht der erste Porsche 356 (rechts) neben einem Porsche 918.
Porsche hat schon viele Modelle auf den Markt gebracht. Auf unserem Bild steht der erste Porsche 356 (rechts) neben einem Porsche 918. FOTO: dpa / Sebastian Gollnow
Stuttgart. Porsche ist Kult. Dem Sportwagenbauer aus Zuffenhausen geht es so gut wie nie. Das Unternehmen eilt von Rekord zu Rekord.

Die erste Million ist bekanntlich die schwerste. Porsche hat 50 Jahre gebraucht, bis die erste Million Sportwagen stand. Das war 1996. Seither hat das Tempo deutlich angezogen. Alleine 2017 liefen über 255 000 Porsche vom Band. Der Autobauer aus dem Stuttgarter Stadtteil Zuffenhausen wächst und eilt von einem Rekord zum nächsten. Mehr Absatz, mehr Umsatz, mehr Gewinn. Aber auch mehr Sorgen. Porsche steckt mitten im Skandal um manipulierte Abgaswerte.

Am heutigen Freitag wird der 70. Geburtstag gefeiert. Am 8. Juni 1948 bekam der 356 Nr. 1 Roadster seine Betriebserlaubnis, der erste Wagen, der den Namen Porsche trug. Das Datum gilt als Geburtsstunde der Marke. Zwar hatte Ferdinand Porsche schon vorher Fahrzeuge konstruiert. Sein größter Auftrag war die Entwicklung des VW-Käfer-Vorläufers in der Nazi-Zeit, „KdF-Wagen“ genannt, mit dem Adolf Hitler die Massen motorisieren wollte. Erst sein Sohn Ferry brachte den 356 auf den Markt und hob damit den Sportwagenbauer Porsche aus der Taufe.

Dass ein Porsche ein Porsche ist, sagen Fans und Kenner, kann man jedem Modell sofort ansehen. Am ehesten gilt das für den 911er, der den 356 in den 1960er Jahren ablöste und bis heute gebaut wird. Wer „Porsche“ sagt, meint meistens „911“. „Porsche ist der 911“, sagt der Wirtschaftspsychologe Rüdiger Hossiep, der an der Ruhr-Universität Bochum die emotionalen Aspekte im Verhältnis von Mensch und Auto erforscht. „Diese Ikone prägt die Marke.“ Damit müsse das Unternehmen sehr behutsam umgehen.



Denn auch wenn der 911er das Gesicht von Porsche ist: Renner im Autohaus sind heute andere. Über 97 000 Geländewagen vom Typ Macan wurden 2017 ausgeliefert, dazu 64 000 vom großen Bruder Cayenne. Mit 32 000 Exemplaren lag der 911er noch hinter dem Viertürer Panamera. Droht der Zeitgeist, der Rendite bringt, einen Sportwagen-Mythos zu verwässern? Hossiep sieht diese Gefahr. „Das ist ein Ritt auf der Rasierklinge.“ Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche, Sohn von 356-Konstrukteur Ferry, hat ebenfalls Bedenken. Bei über einer Viertelmillion Autos im Jahr sei es entscheidend, Exklusivität zu wahren. Oliver Blume will solche Sorgen zerstreuen. „Ein Porsche bleibt immer ein Porsche“, verspricht der Vorstandschef, der seit 2015 die Geschicke der Firma lenkt, die mittlerweile eine Tochter des VW-Konzerns ist. Ab Mitte der 2000er-Jahre hatte der kleine Porsche versucht, den großen Volkswagen zu übernehmen. Der Plan misslang. Heute hält eine Dachgesellschaft namens Porsche SE die Mehrheit an VW, dafür wurde die Porsche AG, die die Autos baut, in den VW-Konzern eingegliedert.

Blume sagt, die Technologie komme von der Rennstrecke, ganz egal, ob es um den 911 oder einen SUV gehe. Porsche habe sich nie über Rekorde bei Auslieferungen und Umsatz definiert, sondern über begeisterte Kunden, gute Rendite und sichere Arbeitsplätze. „Wachstum ist für mich die Konsequenz einer erfolgreichen Produktstrategie“, sagt er. „Wir haben einen weltweiten Marktanteil von 0,3 Prozent. Daran hat sich in den vergangenen zehn Jahren fast nichts verändert. Wir sind mit dem Weltmarkt gewachsen.“ Probleme gab es auch. Jahrzehntelang hatte Porsche keine Diesel-Motoren. Mit den SUVs änderte sich dies. Porsche bot Diesel-Varianten mit Motoren der VW-Konzernschwester Audi an – und geriet in den Sog des Abgasskandals. Die Behörden ordneten Rückrufe für Zehntausende Fahrzeuge vom Typ Cayenne und Macan an. Die Justiz ermittelte und nahm einen Manager in Untersuchungshaft.

Claus Schmid, Koordinator des 356er-Stammtischs Baden-Württemberg, einem Zusammenschluss echter Porsche-Puristen, bangt um die Historie. „Porsche ist sehr auf Profit orientiert, und das ist auch wichtig. Aber die Historie wird nicht mehr richtig gelebt.“ Jenseits großer Events, in denen die Tradition beschworen wird, müsse Porsche sich auch im Alltag stärker dazu bekennen. Psychologe Hossiep meint, Porsche wäre gut beraten, Sportwagen stärker zu spielen, aber nicht in den 911er-Dimensionen. „Der 911 ist als Neuwagen für die Menschen nicht mehr erreichbar.“ Die günstigste 911er-Variante kostet 100 000 Euro. Hossiep denkt an ein deutlich günstigeres Auto ohne technischen Schnickschnack. 2019 kommt der elektrisch angetriebene Mission E auf den Markt. Für Fans luxuriöser Sportwagen ist der nicht gedacht. Porsche werde auch in Zeiten von Elektromobilität, vernetzten Autos und Carsharing die Enthusiasten nicht vergessen,verspricht Blume.