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Weiterhin viele Blüten im Umlauf
Permanenter Kampf gegen Geldfälscher

Das durchsichtige Porträt-Fenster mit dem Bildnis der Europa ist in der Zentrale der Deutschen Bundesbank in einem echten (rechts) 50-Euro-Schein zu sehen. Links daneben ist in einer gefälschten Banknote das Porträt-Fenster erheblich weniger detailliert nachgeahmt.
Das durchsichtige Porträt-Fenster mit dem Bildnis der Europa ist in der Zentrale der Deutschen Bundesbank in einem echten (rechts) 50-Euro-Schein zu sehen. Links daneben ist in einer gefälschten Banknote das Porträt-Fenster erheblich weniger detailliert nachgeahmt. FOTO: dpa / Frank Rumpenhorst
Frankfurt/Main. Es ist eine Art Wettlauf: Notenbanken verbessern die Sicherheitsmerkmale von Geldscheinen. Kriminelle versuchen, diese nachzumachen. Manchmal kommen Betrüger aber auch mit simplen Tricks ans Ziel.

(dpa) Dem Falschgeld auf der Spur: Immer wieder vermelden Sicherheitskräfte Erfolge im Kampf gegen Geldfälscher. Erst jüngst stellten Ermittler des Bayerischen Landeskriminalamts (LKA) Blüten im Nennwert von 100 000 Euro sicher und fassten drei Verdächtige. „Durch die Aufklärungsarbeit der Bundesbank und die Ermittlungen der Polizei sind die Falschgeldzahlen in Deutschland relativ gering“, sagt Bundesbank-Vorstandsmitglied Johannes Beermann. „Rein rechnerisch entfallen aktuell pro Jahr rund sieben falsche Banknoten auf 10 000 Einwohner.“

Fälscher und Währungsexperten liefern sich eine Art Wettlauf. Die Notenbanken bringen Scheine mit veränderten Sicherheitsmerkmalen heraus – Kriminelle versuchen, diese nachzumachen. „Die
Falschgeldhersteller sind in der Lage, sich innerhalb kurzer Zeit auch auf neue Anforderungen einzustellen“, konstatiert das Bundeskriminalamt (BKA) in seinem jüngsten Lagebericht zum Thema Falschgeld.

Kriminelle sollten sich dennoch nicht in Sicherheit wiegen: „Egal wie gut die Fälschung ist, irgendwann kommt die Wahrheit ans Licht. Es gibt mehrere Stufen von Sicherheitsmerkmalen“, argumentiert Beermann.



Diese erschweren nach Einschätzung der Bundesbank Kriminellen das Handwerk. „Bislang ist es Fälschern beispielsweise nicht gelungen, das Porträtfenster gut nachzuahmen“, berichtet Stefan Hardt, Leiter des Zentralbereichs Bargeld bei der Bundesbank.

Auch die besondere Beschaffenheit des Papiers stelle eine hohe Hürde für Fälscher dar. „Beim Anfassen einer Banknote fühlt man den Unterschied“, sagt Hardt. Die verschiedenen Sicherheitsmerkmale sollten es jedem Bürger ermöglichen, die Echtheit eines Scheines ohne Hilfsmittel zu erkennen.

Im ersten Halbjahr zogen Banken, Handel und Polizei in Deutschland rund 31 100 Euro-Blüten aus dem Verkehr. Das war ein Rückgang von 6,2 Prozent gegenüber dem zweiten Halbjahr 2017 und von 21,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Den rechnerischen Schaden beziffert die Bundesbank auf 1,8 Millionen Euro – Tendenz sinkend. Geradestehen muss derjenige, der die Blüte annimmt. Das sind meist Händler oder Gastronomen. Falschgeld wird nicht ersetzt.

Am beliebtesten bei Kriminellen ist weiterhin der 50-Euro-Schein. Von den in Deutschland im ersten Halbjahr registrierten Blüten entfielen 22 504 auf falsche Fünfziger – dabei handelte es sich vor allem um nachgemachte Banknoten der alten Serie. „Sobald eine neue Version eines Geldscheines angekündigt wird, geben die Fälscher die alte Scheine verstärkt in den Markt“, berichtet Beermann.

Die Notenbanken im gemeinsamen Währungsraum hatten den runderneuerten 50-Euro-Schein Anfang April 2017 unters Volk gebracht. Der überarbeitete 20er wurde Ende November 2015 ausgegeben. Als Hürden für Fälscher gelte vor allem das durchsichtige Porträtfenster und die Smaragdzahl, die beim Kippen der Banknote die Farbe ändert.

Auch in Europa sank die Zahl der Blüten. Von Januar bis Juni wurden 301 000 falsche Euro-Banknoten entdeckt – 17,1 Prozent weniger als im zweiten Halbjahr 2017. Insgesamt sind nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) aktuell mehr als 21 Milliarden Euro-Banknoten im Gesamtwert von mehr als 1,1 Billionen Euro im Umlauf.

Nachahmungen größerer Banknoten sollen Betrügern ebenfalls bald schwerer gemacht werden. Der 100-Euro- und der 200-Euro-Schein mit verbesserten Sicherheitsmerkmalen sollen im ersten Halbjahr 2019 in Umlauf gebracht werden.

Nach Einschätzung des BKA versucht ein Fälscher in der Regel allerdings nicht, alle Sicherheitsmerkmale herzustellen. „Nach einem „Kosten-Nutzen-Prinzip“ leistet er für gewöhnlich nur den Aufwand, den er für erforderlich hält, um die betreffende Fälschung in Umlauf bringen zu können.“ Laien könnten daher die meisten Blüten durch die Überprüfung mehrerer Sicherheitsmerkmale erkennen. Die Bundesbank rät, Banknoten nach dem Prinzip „Fühlen-Sehen-Kippen“ aufmerksam zu checken.

Manchmal reichen allerdings schon plumpe Tricks. So erleichterten Betrüger unlängst ein älteres Ehepaar nach Angaben der Bundesbank um 400 000 Euro. Sie boten den über 70-Jährigen – angeblich zum Schutz vor Einbrechern – schwarz gefärbte 500-Euro-Scheine zum Tausch gegen die echten Banknoten an. Mit einer besonderen Chemikalie sollten die schwarzen Scheine wieder in „normale“ 500er verwandelt werden können, behaupteten die Gauner. Als das Paar den Betrug bemerkte, waren die Kriminellen mit ihrer Beute bereits über alle Berge.

(dpa)