| 22:41 Uhr

Autobauer verkauft Teile von Entwicklungszentrum
Opel will 2000 Ingenieure an Dienstleister Segula abgeben

Rüsselsheim. Der Autobauer Opel will bis zum nächsten Sommer große Teile seines Rüsselsheimer Entwicklungszentrums an den französischen Entwicklungsdienstleister Segula verkaufen. 2000 Opel-Ingenieure müssten dafür den Arbeitgeber, nicht aber den Arbeitsplatz wechseln.

Auch Gebäude und Entwicklungsanlagen sollen zu einem nicht genannten Preis an Segula gehen, der nach eigenem Bekunden am Opel-Stammsitz einen „Engineering-Campus“ aufbauen will. Einen entsprechenden Vertrag haben die beiden Unternehmen gestern unterzeichnet, wie sie gemeinsam bekanntgaben.

Die Transaktion soll im zweiten Quartal des kommenden Jahres abgeschlossen sein. Opel wird nach eigener Ankündigung an der neuen Gesellschaft Segula Technologies GmbH keine Anteile halten. Die vereinbarte „strategische Partnerschaft“ ist ein weiterer Schritt im harten Sanierungskurs des neuen Eigners, der Peugeot-Mutter PSA aus Frankreich, die bei Opel bereits rund 3700 Jobs gestrichen hat. Die IG Metall kritisierte, dass Betriebsrat und Gewerkschaft an dem nun geplanten Übergang bislang nicht angemessen beteiligt worden seien.

Hintergrund sind fehlende Entwicklungsaufträge des früheren Opel-Eigners General Motors für das Zentrum mit zuletzt 7000 Beschäftigten. Einst haben die Aufträge aus Detroit die Hälfte des Rüsselsheimer Arbeitsvolumens ausgemacht. Früheren Angaben zufolge laufen die GM-Aufträge spätestens im Jahr 2020 aus und können nicht im gleichen Maße durch Aufgaben im PSA-Konzernverbund ersetzt werden, der über eigene Entwicklungskapazitäten verfügt.



Segula sicherte den Beschäftigten zu, die bei der Opel-Sanierung vereinbarten Arbeitsplatzgarantien bis Juli 2023 aufrecht zu erhalten. Anschließend würden neue Karrierechancen entstehen.

Die IG Metall kritisierte die Unternehmen, einseitig Fakten zu schaffen, statt die Beschäftigten an den Prozessen zu beteiligen. Der Frankfurter Bezirkschef Jörg Köhlinger verlangte gestern einen Interessensausgleich mit dem Opel-Betriebsrat sowie Tarifverhandlungen zwischen Segula und IG Metall zu den künftigen Arbeitsbedingungen. „Opel und Segula werden die betroffenen Beschäftigten nur mit Transparenz und tariflich regulierten Bedingungen zum Übergang in das neue Unternehmen überzeugen können“, betonte Bezirkschef Köhlinger.

Ein Opel-Sprecher wies die Kritik der Gewerkschaft zurück. Man beachte die Mitbestimmungsrechte und habe den Gesamtbetriebsrat frühzeitig eingebunden. Die Verhandlungen zu einem Interessenausgleich seien zwingend für die Umsetzung der Partnerschaft.

(dpa)